Monatlich 3 Min. Lesezeit

Dessau-Roßlau: Großwärmepumpe und Fernwärmetrasse als Schlüssel zur klimafreundlichen Energieversorgung

Energy and Utilities 📍 Dessau-Rosslau · Sachsen-Anhalt
Dessau-Roßlau: Großwärmepumpe und Fernwärmetrasse als Schlüssel zur klimafreundlichen Energieversorgung

Im April 2026 setzt Dessau-Roßlau mit der Planung einer Großwärmepumpe am Klärwerk und der neuen Fernwärmetrasse bis zum Flugplatz entscheidende Akzente in der klimafreundlichen Energieversorgung. Dieser Blog-Dive analysiert die Hintergründe, die Umsetzungsschritte und die langfristigen Auswirkungen.

Klimaneutrales Dessau-Roßlau: Wie die Stadt ihre Fernwärme zukunftsfähig macht

Die Energiewende ist in Dessau-Roßlau in vollem Gange. Im April 2026 hat die Stadt mit der DVV (Dessauer Versorgungsbetriebe) entscheidende Weichen gestellt, um die Fernwärmeversorgung langfristig klimafreundlich und wirtschaftlich zu gestalten. Der Grundsatzbeschluss zur Großwärmepumpe (GWP) am Klärwerk und der neuen Fernwärmetrasse bis zum Flugplatz markiert einen Meilenstein auf dem Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2045.

Die strategische Bedeutung der Großwärmepumpe

Die Großwärmepumpe am Klärwerk ist nicht nur eine technologische Innovation, sondern auch ein zentraler Baustein im Wärmenetzausbau- und Wärmedekarbonisierungs-Fahrplan der Stadt. Sie nutzt Abwärme aus dem Klärwerk, um Wärme für das Fernwärmenetz zu liefern – ein Vorgehen, das den gesetzlichen Vorgaben des Wärmeplanungsgesetzes (WPG) entspricht.

Nach dem WPG muss bis 2030 ein Anteil von mindestens 30 % erneuerbarer Energien oder unvermeidbarer Abwärme in Wärmenetzen erreicht werden. Dessau-Roßlau will nicht nur die gesetzlichen Vorgaben einhalten, sondern aktiv voranschreiten: Bis 2045 soll die Wärmeversorgung zu 100 % klimafreundlich sein.

Die GWP wird zudem über Fördermittel der Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) unterstützt. Modul 2 dieser Förderung deckt bis zu 40 % der Investitionskosten (max. 100 Mio. Euro pro Antrag), während Modul 4 eine zehnjährige Betriebskostenförderung ermöglicht. Für die GWP am Klärwerk sind insgesamt Fördermittel in Höhe von 19 Mio. Euro beantragt worden.

Die Fernwärmetrasse: Technik und Kosten im Fokus

Die neue Fernwärmetrasse von der Kläranlage bis zum Flugplatz ist ein weiterer entscheidender Schritt. Sie wird über 3,4 Kilometer lang und entlang der Elballee verlaufen. Die Trassenbaukosten belaufen sich auf 7,90 Mio. Euro Brutto, wobei die Gesamtkosten inklusive Planung, Straßenneubau und Genehmigungen auf 17,62 Mio. Euro geschätzt werden.

Die Finanzierung erfolgt dabei aus drei Quellen: 11,34 Mio. Euro Eigenmittel der DVV, 3,90 Mio. Euro Fördermittel der BEW und 2,38 Mio. Euro kommunale Eigenmittel. Letzterer Betrag wird in die mittelfristige Finanzplanung einbezogen, was zeigt, dass die Stadt die langfristigen Auswirkungen der Maßnahme bereits vorab berücksichtigt.

Der Straßenneubau im Zuge der Trassenverlegung ist auf engem Raum geplant – die Straßenbreite beträgt nur ca. 6 Meter. Für die Anwohner sind spezifische Betreuungsmaßnahmen vorgesehen, und Verhandlungen über vier private Grundstücke sind aktuell im Gang. Die Verwaltung unterstützt dabei in der Koordination, bei den Genehmigungen und in der Planung.

Wirtschaftlichkeit und soziale Vorteile der Fernwärme

Die Wirtschaftlichkeit der Fernwärme hängt stark von der Anzahl der Anschlussnehmer ab. Die DVV plant, neben kommunalen Gebäuden wie Schulen und Sporthallen auch Wohnungsunternehmen und ein Pflegeheim anzuschließen. Eine weitere Anschlussmöglichkeit besteht für das Fahrzeuginstandhaltungswerk der Deutschen Bahn AG im Süden Dessaus.

Ein weiterer Vorteil der Fernwärme ist die fehlende Notwendigkeit für individuelle Wärmepumpen oder Heizungsanlagen im privaten Bereich. Die Wärme wird zentral erzeugt und verteilt, was Wartungskosten, Investitionen und das Bedarf an Wartungspersonal minimiert. Zudem profitiert die Fernwärme von den staatlichen Fördermitteln, wodurch die Preistrends stabil gehalten werden können.

Die DVV hat bereits angekündigt, die Preise für Fernwärme dauerhaft konstant zu halten – ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz bei Anwohnern und Unternehmen. Die Fördermittelanträge für Module 2 und 4 der BEW sind für den 10. Juni 2026 beim BAFA geplant, und der Vertragsentwurf für die Fernwärmeleitung wird in das Stadtratsbeschlussverfahren im dritten Quartal 2026 einfließen.

Ausblick: Dessau-Roßlau als Vorreiter der Fernwärme

Dessau-Roßlau hat sich mit dem Grundsatzbeschluss für die GWP am Klärwerk und der neuen Fernwärmetrasse als Vorreiter im Bereich der klimafreundlichen Wärmeversorgung positioniert. Nicht nur, dass die Stadt die gesetzlichen Vorgaben des WPG bereits jetzt einhält, sie setzt auch Maßstäbe in der Planung, Finanzierung und Umsetzung.

Die Projekte sind Teil eines umfassenden Transformationsplans, der bis 2045 135 Mio. Euro in die Wärmeversorgung investiert. Mit vier Wärmeclustern – Zoberberg Klinikum, Industriepark Waggonbau, Wohnbebauung Waldsiedlung und Ziebigk/Siedlung – wird Dessau-Roßlau ein Vorbild für andere Städte sein, wie eine moderne, klimafreundliche und wirtschaftliche Energieversorgung aussehen kann.

Quellen

Sitzung

Weitere Beiträge aus Dessau-Rosslau

Früher wissen. Früher handeln.

Erhalten Sie automatisch Alerts zu relevanten kommunalen Projekten – bevor Ihre Mitbewerber davon erfahren.

Jetzt kostenlos testen