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Wohnen und Soziales in Krefeld: Zwischen Mietpolitik, Integration und Inklusion

📍 Krefeld · Nordrhein-Westfalen
Wohnen und Soziales in Krefeld: Zwischen Mietpolitik, Integration und Inklusion

Im April 2026 standen in Krefeld entscheidende Debatten zur Wohnraumversorgung, sozialer Sicherheit und Integration im Fokus. Der Ausschuss für Soziales, Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Inklusion, Senioren und Integration setzte sich mit dringenden Herausforderungen auseinander – von der Neuberechnung der ortsüblichen Vergleichsmiete bis hin zum Housing-First-Ansatz.

Wohnen im Fokus: Die Mietpolitik Krefelds im April 2026

Wohnen ist in Krefeld nicht nur ein Grundbedürfnis, sondern auch ein politisches Schlachtfeld. Im April 2026 diskutierte der Ausschuss für Soziales, Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Inklusion, Senioren und Integration intensiv über die Zukunft der Mietpolitik. Ein zentraler Punkt war die Neuberechnung der ortsüblichen Vergleichsmiete. Kritisch gesehen wird der aktuelle Mietspiegel, der stark auf Angebotsmieten beruht und daher als ungenau gilt. Die Stadt plant, ab 2027 einen qualifizierten Mietspiegel zu erstellen, der auch Bestandsmieten berücksichtigt – ein Schritt, der auf Druck von parteiübergreifenden Initiativen kommt.

Der Begriff „bezahlbares Wohnen“ wurde in mehreren Anträgen der Ratsgruppe LUKS thematisiert. Die Diskussionen zeigen, wie stark die Wohnraumfrage in Krefeld gespalten ist: zwischen der Notwendigkeit, Mietpreissteigerungen zu begrenzen, und der finanziellen Belastung für die Stadt und Mieter. Zudem bleibt die Verwaltungshaltung, bei der Mietspiegel-Aktualisierungen zurückhaltend bleibt, ein Streitpunkt.

Soziale Sicherheit: Von Gewaltschutz bis Suchtprävention

Die Sicherheit der Bürger ist ein weiterer zentraler Aspekt der sozialen Politik in Krefeld. Im April 2026 wurde der Gewaltschutz – insbesondere für Frauen – erneut thematisiert. Das Gewalthilfegesetz, das im Vorjahr in Kraft trat, wird in Zusammenarbeit mit dem Frauenhausbetreiber SkF überprüft. Kritisch gesehen wird dabei, dass die Bedarfsfeststellung durch überregionale Unterbringung zu Lücken im Angebot führen könnte.

Ein weiteres wichtiges Thema war der Gewaltschutz für Männer. Obwohl Hilfsangebote existieren, sind sie deutlich weniger verbreitet als für Frauen. Der Ausschuss stellte fest, dass in Krefeld ein Bedarf für spezialisierte Männerhilfen besteht und dies in Zukunft überdacht werden muss.

Im Bereich Suchtprävention begann ein Pilotprojekt der Caritas, das Drug-Checking im Drogenhilfezentrum einführt. Die Landesförderung für drei Jahre ist gesichert, doch der Ausschuss forderte vorab eine detaillierte Kostenaufstellung. Gleichzeitig blieben die steigenden Drogentoten in Krefeld ein Alarmsignal – 2023 wurden 16 Todesfälle registriert, was einen Anstieg im Vergleich zu 2022 bedeutet.

Inklusion und Integration: Vom Inklusionsplan bis zum Housing-First-Ansatz

Krefeld setzt sich verstärkt für ein inklusives und barrierefreies Stadtbild ein. Der Inklusionsplan „Mensch im Mittelpunkt“ wird bis 2027 abgeschlossen und orientiert sich an der UN-Behindertenrechtskonvention. Ziel ist es, Verkehr, Bauen, Digitalisierung und Öffentlichkeit für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen. Arbeitsgruppen und Bürger*inneninitiativen wie „Krefeld.Ohne.Barrieren.“ spielen eine zentrale Rolle in der Umsetzung.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Integration von Geflüchteten und Menschen mit Migrationserfahrung. Der Housing-First-Ansatz wurde in der Fraktionssitzung thematisiert. Dabei wird Obdachlosigkeit durch eine sofortige Wohnungsbewirtschaftung bekämpft – ein Modell, das in NRW durch die SozialstiftungNRW bis zu 90 % gefördert wird. Krefeld prüft, ob und wie dieses Modell in der Stadt umgesetzt werden kann, insbesondere für Menschen mit komplexen Problemlagen wie psychischen Erkrankungen oder Sucht.

Wegweisend für die Zukunft: Von Jugendhilfe bis Ehrenamt

Krefeld setzt auf jugendnahe und präventive Ansätze in der Sozialarbeit. Projekte wie „JUST BEst – Bleib dran“ fördern die Lebenskompetenzen junger Erwachsener im Übergang von der Jugendhilfe in die Selbstständigkeit. Gleichzeitig wird die Schulsozialarbeit ausgebaut, insbesondere an Grund- und Förderschulen. Das Ziel: mehr Chancengerechtigkeit und bessere Lebensperspektiven für Kinder und Jugendliche.

Ein weiteres wichtiges Feld ist das Ehrenamt. Das Freiwilligenzentrum Krefeld vermittelt ehrenamtliche Tätigkeiten und fördert bürgerschaftliches Engagement. Neue Projekte wie „BIWAQ – bunt und innovativ im Quartier“ oder „WERKBÜHNE FREIraum21“ stärken den sozialen Zusammenhalt und ermöglichen kulturelle und soziale Teilhabe.

Ausblick: Wie geht es weiter?

Die April-Sitzung des Sozialausschusses in Krefeld zeigt: Soziale Themen sind komplex, aber nicht unlösbar. Ob bei der Mietpolitik, der Gewaltprävention oder der Inklusion – die Stadt setzt auf kooperative Ansätze, bürgerschaftliches Engagement und innovative Modelle. Die Herausforderungen bleiben groß, doch die politischen Diskussionen und Projekte zeigen, dass Krefeld bereit ist, sich diesen Themen aktiv zu stellen.

Quellen

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