Krefelds Klimaschutzoffensive: Von Wärmeplänen bis Photovoltaik-Strategie
Krefeld hat sich im April 2026 auf einen entscheidenden Kurs in der Klimapolitik eingelassen. Mit der Erstellung der kommunalen Wärmeplanung, einer aktualisierten Klimaanalyse und der Erprobung von Photovoltaik-Freiflächen setzt die Stadt auf eine Vielzahl an Maßnahmen, um bis 2035 klimaneutral zu werden.
Krefelds Wärmeplanung: Der Schlüssel zur Klimaneutralität
Krefelds kommunale Wärmeplanung ist das zentrale Instrument, um den Wärmesektor bis 2045 klimaneutral zu gestalten. Erdgas und Heizöl decken aktuell 90 % der Treibhausgasemissionen in diesem Bereich – ein Grund, warum der Ausbau von Fernwärme, Nahwärmenetzen und Wärmepumpen im Fokus steht. Besonders abwärmebasierte Lösungen, wie die Nutzung von Trafostationen im Zooquartier, zeigen Potenziale, die in der Machbarkeitsprüfung weiter ausgearbeitet werden.
Zugleich wird Wasserstoff zurückhaltend betrachtet. Die Stadt hat ihn aus dem Abschlussbericht gestrichen, da rechtliche, ökonomische und ökologische Unsicherheiten bestehen. Wasserstoff bleibt vorerst nur in Bereichen wie Industrie oder Schwerlastverkehr relevant.
Die Wärmeplanung wird bis 30. Juni 2026 vom Rat beschlossen und an die Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (GMG) angepasst. SWK plant, die Planung im Aufsichtsrat am 9. März 2026 vorzustellen – ein weiterer Meilenstein in der Umsetzung.
Klimaanalyse und Klimaanpassung: Wie Krefeld auf die Hitze reagiert
Die neue Klimaanalyse ersetzt die Planungshinweiskarte von 2003 und integriert neue Karten zu Wärmeinseln, Windfeldern und gefühlten Temperaturen. Die Stadt erwärmte sich seit 2003 bereits um +1 °C, und Prognosen zeigen, dass bis 2100 Temperaturen um +2–5 °C steigen könnten.
Darauf reagiert Krefeld mit einem Handlungskonzept zur Klimaanpassung, das in den Sommer 2026 vorgesehen ist. Bürgerbeteiligung ist dabei ein zentraler Punkt: Citizen-Science-Projekte, kühle Orte für vulnerable Gruppen und die Schaffung von Pocket-Parks sind Maßnahmen, um die Bevölkerung in die Klimaanpassung einzubeziehen.
Ein weiteres Projekt ist der sogenannte „Hitzeaktionsplan“, der 2026 vorgestellt wird. Dieser soll Maßnahmen wie Trinkwasserspender, Hitzewarnsysteme und Begrünungskonzepte umfassen. Zudem wird ein Baumkonzept entwickelt, das die Bäume in Hitzebereichen schützt und neue Pflanzungen plant.
Photovoltaik-Strategie: Wo und wie Krefeld Energie gewinnt
Krefeld hat sich intensiv mit der Flächenplanung für Photovoltaik-Freiflächen auseinandergesetzt. Die Stadt identifizierte 5,45 % des Stadtgebiets als geeignet für klassische PV-Anlagen, weitere 7,19 % für Biotop-PV und 12,35 % für Agri-PV.
Die Bewertung erfolgte unter strengen ökologischen, rechtlichen und raumplanerischen Kriterien – wie Schutzgebietsverordnungen, Bodenschutz und Freiraumschutz. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Flächen stark von Konfliktrisiken geprägt sind, insbesondere in Bereichen mit hohem Naturschutzgehalt.
Dennoch setzt Krefeld auf Agri-PV und Biotop-PV, um Energie zu gewinnen, ohne landwirtschaftliche Flächen vollständig zu verdrängen. Floating-PV auf stillgelegten Gewässern und Niedertemperatur-Wärmenetze sind weitere Optionen, die in der Machbarkeitsprüfung stehen.
Klimaschutzfinanzierung und Kommunikation: Wie die Stadt Geld und Unterstützung gewinnt
Finanzierung bleibt eine zentrale Herausforderung. Krefeld diskutiert über Sammelklagen gegen CO₂-Emittenten und setzt auf Bundesförderprogramme wie KlimaGebäude.NRW oder KfW-Programme. Zudem plant die Stadt, einen Kommunikationsbeauftragten für die Wärmewende einzustellen, um die Öffentlichkeit über Wechselwirkungen zwischen Stromnetz und Wärmepumpen zu informieren.
Die Bürgerbeteiligung wird durch Online-Plattformen, Workshops und die AltBauNeu-Initiative gestärkt. Krefeld möchte nicht nur politisch handeln, sondern auch die Bevölkerung aktiv in die Klimaschutzstrategie einbeziehen.
Fazit: Krefeld auf dem Weg zur Klimaneutralität
Krefeld hat in den vergangenen Wochen einen klaren Kurs in der Klimaschutzpolitik gesetzt. Mit der kommunalen Wärmeplanung, der Klimaanalyse, der Photovoltaik-Strategie und der finanziellen sowie kommunikativen Umsetzung hat die Stadt die Grundlagen für eine klimaneutrale Zukunft geschaffen. Der nächste Schritt ist die Umsetzung – und hier wird es entscheidend, wie stark Politik, Wirtschaft und Bevölkerung zusammenarbeiten.
Quellen
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