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Wohnungspolitik und Sozialraumentwicklung in Hagen – Zwischen Bedarf, Barrierefreiheit und demografischem Wandel

📍 Hagen · Nordrhein-Westfalen
Wohnungspolitik und Sozialraumentwicklung in Hagen – Zwischen Bedarf, Barrierefreiheit und demografischem Wandel

Im Februar 2026 standen in Hagen wichtige Entscheidungen und Entwicklungen im Bereich Sozial- und Wohnungspolitik im Fokus. Der Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie sowie verschiedene andere Sitzungen zeigten, wie die Stadt mit steigenden Herausforderungen durch den demografischen Wandel, Barrierefreiheit und Wohnungsknappheit umgeht.

Sozialraumentwicklung und Wohnungspolitik: Herausforderungen im demografischen Wandel

Die Stadt Hagen bewegt sich in einer Phase intensiver Planung und Anpassung an die sich wandelnde demografische Landschaft. Im Februar 2026 wurden mehrere Entscheidungen getroffen, die sowohl soziale als auch wohnungspolitische Aspekte betreffen. Im Mittelpunkt standen dabei die Sicherung der Pflegeversorgung, die Inklusion, die Barrierefreiheit sowie die Entwicklung von Sozialraumkonzepten.

Pflegebedarfsplanung und Versorgungsstruktur

Die Stadt Hagen hat im Dezember 2024 eine verbindliche Pflegebedarfsplanung beschlossen, die bis 2028 fortgeschrieben wird. Ziel ist es, den Bedarf an vollstationären Pflegeplätzen bis 2028 auf 2.325 zu decken. Die aktuelle Zahl liegt bei 2.211 Pflegeplätzen in 24 Einrichtungen, mit einer Belegungsquote von 92,84 %.

Die Versorgungsquote der über 80-Jährigen beträgt 16,7–17,1 %, wobei die Quote in Stadtteilen wie Hohenlimburg und Hagen-Nord besonders niedrig ist. Die Stadt hat daher beschlossen, keine neuen vollstationären Einrichtungen mehr zu befürworten, sondern die bestehenden Strukturen zu optimieren. Gleichzeitig gibt es Wartelisten in 16 Einrichtungen, was auf Engpässe in der Pflegeversorgung hindeutet.

Barrierefreiheit und Inklusion in der Stadtentwicklung

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Barrierefreiheit, insbesondere in öffentlichen Räumen und bei kommunalen Dienstleistungen. Der Beirat für Menschen mit Behinderungen forderte beispielsweise, dass Freizeitbereiche wie das Ischeland barrierefrei zugänglich gemacht werden. Zudem sollen Bushaltestellen in mehreren Stadtteilen barrierefrei umgestaltet werden, was bis 2027 geplant ist.

Auch bei der Wahlorganisation wurden Empfehlungen formuliert: Wahlbüros sollten mit Rampen ausgestattet werden, und der Link zum Wahllokalfinder soll auf Wahlbenachrichtigungen gedruckt werden. Diese Maßnahmen zeigen, dass Hagen sich aktiv auf die Anforderungen einer inklusiven Gesellschaft einstellt.

Wohnungspolitik und Mietspiegel

Im Bereich der Wohnungspolitik stand der neue Mietspiegel im Mittelpunkt. Erstmals seit mehreren Jahren wurde ein aktualisierter Mietspiegel vorgestellt, der als Instrument für Mieter und Vermieter dienen soll. Allerdings ist die Übertragung der Mietspiegelwerte auf die Kosten der Unterkunft noch in Bearbeitung.

Zudem wurde ein Antrag auf Sozialraumentwicklung im Rahmen der Handlungsstrategie „Problem Immobilien“ gestellt. Die SPD-Fraktion setzt sich dafür ein, dass sozial benachteiligte Stadtteile durch gezielte Maßnahmen unterstützt werden. Ebenso wurde ein Antrag auf mobile digitale Unterstützung eingereicht, um Menschen mit digitaler Benachteiligung zu helfen.

Inklusive Jugendhilfe und Verfahrenslotsin

Ein weiteres zentrales Thema war die Eingliederungshilfe für junge Menschen mit Behinderung. Seit April 2024 ist eine Verfahrenslotsin für die Begleitung von Antragstellern und Betroffenen tätig. Die Verfahrenslotsin unterstützt bei der Antragstellung und Wahrnehmung von Leistungen gemäß §10b SGB VIII.

Die Statistik zeigt, dass von April 2024 bis Juli 2025 insgesamt 122 Beratungen stattfanden, wobei 45,9 % der Anfragen aus dem Stadtbezirk Mitte kamen. Die Zielgruppe umfasst Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 26 Jahre. Besonders häufige Anliegen betreffen den Bewilligungsprozess (40,2 %) und Informationssuche (13,9 %).

Die Verfahrenslotsin arbeitet eng mit regionalen und kommunalen Partnern wie dem LWL, dem Jugendamt und verschiedenen Trägern der Eingliederungshilfe zusammen. Gleichzeitig wird sie durch zertifizierte Fortbildungen unterstützt, um die Qualität der Begleitung sicherzustellen.

Ausblick: Inklusion, Demografie und soziale Gerechtigkeit

Die Februar-Sitzungen zeigen, dass Hagen aktiv auf die Herausforderungen durch den demografischen Wandel reagiert. Die Sicherung der Pflegeversorgung, die Förderung von Barrierefreiheit und Inklusion sowie die Entwicklung einer sozial gerechten Wohnraumpolitik sind zentrale Themen. Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel in der Pflege und die Unterversorgung in bestimmten Stadtteilen ein Problem, das in den kommenden Jahren weiter beobachtet und angegangen werden muss.

In den nächsten Monaten wird es darauf ankommen, ob die beschlossenen Maßnahmen in der Praxis umgesetzt werden können und ob die Kooperation zwischen Verwaltung, Trägern und Zivilgesellschaft konsequent fortgeführt wird. Die Stadt Hagen hat mit diesen Entscheidungen einen klaren Kurs gesetzt – nun gilt es, diesen Kurs konsequent zu verfolgen.

Quellen

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