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Bochum im Fokus: Gesundheitspolitik und Pflegeplanung 2026

Healthcare and Public Health 📍 Bochum · Nordrhein-Westfalen
Bochum im Fokus: Gesundheitspolitik und Pflegeplanung 2026

In den letzten zwei Monaten hat Bochum entscheidende Schritte in der Gesundheits- und Pflegepolitik unternommen. Der Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales hat sich intensiv mit dem Ausbau der Pflegeinfrastruktur, der Sicherung von Pflegepersonal und der Integration älterer Menschen in die Stadtgesellschaft beschäftigt. Dieser Beitrag zeigt, welche Maßnahmen bereits beschlossen wurden und welche Herausforderungen noch vor der Stadt liegen.

Pflegeplanung und demografischer Wandel: Bochum gestaltet die Zukunft

Bochum steht vor einer zentralen Herausforderung: Der demografische Wandel verändert die Bevölkerungsstruktur rapide. Mit einem Anteil von 7,2 Prozent an der Gesamtbevölkerung sind 26.850 Menschen in Bochum pflegebedürftig, und diese Zahl wird bis 2049 um etwa 13 Prozent auf rund 30.300 steigen. Besonders betroffen davon sind die Altersgruppen ab 80 Jahren, bei denen die Pflegebedürftigkeit bereits bei 53,3 Prozent liegt. Diese Entwicklung erfordert sowohl einen Ausbau der stationären und ambulanten Pflegekapazitäten als auch eine dringende Personalbindung.

Ausbau der Pflegekapazitäten: Wo Bochum bereits handelt

Die Stadt hat in den letzten Monaten erste Schritte unternommen, um die Pflegeplanung zu konkretisieren. Der Bericht zur kommunalen Pflegeplanung wurde nach Korrekturen beschlossen, und die Empfehlungen bleiben bestehen. Die Stadt hat klare Zielwerte definiert, um bis 2049 eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten. So sollen bis 2049 beispielsweise 632 zusätzliche stationäre Pflegeplätze geschaffen werden – vor allem in Stadtteilen wie Wattenscheid, Südwest, Ost und Süd, die aktuell unterversorgt sind.

Ein konkretes Projekt in der Umsetzung ist der geplante Neubau mit 80 Plätzen im Stadtbezirk Südwest. Zudem soll der Anteil an Kurzzeit- und Tagespflegeplätzen bis 2049 auf Zielwerte steigen. Die Stadt hat auch klare Personalziele definiert: Bis 2049 sollen insgesamt 960 zusätzliche Mitarbeitende in der Pflege beschäftigt werden, davon 640 in der stationären und 320 in der ambulanten Pflege.

Pflegepersonalbindung: Herausforderungen und Initiativen

Ein zentrales Problem bleibt der Fachkräftemangel in der Pflegebranche. Die Personalkennzahl sank zwischen 2015 und 2023 von 25,4 auf 12,8 Beschäftigte je 100 Pflegebedürftige. In vielen Einrichtungen müssen Mitarbeitende Überstunden leisten, und Zeitarbeitskräfte werden eingesetzt. Um die Personalbindung zu stärken, setzt Bochum auf Netzwerke wie das „Bochumer Bündnis für Pflege“ und kooperiert mit der Bochumer Ehrenamtsagentur (bea) sowie dem BegleiterNetzwerk Bochum.

Die Stadt hat auch flexible Arbeitszeitmodelle, Bonusprogramme und Image-Förderung der Langzeitpflege ins Auge gefasst. Zudem wird im Rahmen des Projekts „#WEGEweisend“ versucht, ehrenamtliche Helfer:innen zu gewinnen, um den Pflegebedarf zu entlasten.

Altersfreundliche Stadtentwicklung: Bochum als Modellkommune

Parallel zur Pflegeplanung hat Bochum den Handlungsplan „Leben im Alter 2025–2030“ beschlossen, der 29 Maßnahmen in den Bereichen Gesundheit, Wohnen, Mobilität und Teilhabe vorsieht. Ziel ist es, eine inklusive Stadtgesellschaft zu schaffen, in der ältere Menschen aktiv teilnehmen können. 22 dieser Maßnahmen wurden bereits 2025 umgesetzt, sieben sind für 2027 geplant.

Ein weiteres zentrales Projekt ist der Beitritt zu den WHO-Netzwerken „Age-Friendly Cities and Communities“, das Bochum als Modellkommune für altersgerechte Stadtentwicklung positioniert. Im Jahr 2026 wird die Entwicklung eines Hitzeaktionsplans, um ältere Menschen in Hitzeperioden zu schützen, durchgeführt. Zudem wird ein Senior*innenportal entwickelt, das altersgerechte Informationen und Angebote bündelt.

Integration und Diversität in der Pflege

Die Stadt beschäftigt sich auch mit der diversitätsorientierten Pflege. 34,9 Prozent der Bevölkerung haben eine Einwanderungsgeschichte, und dieser Anteil wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Die Stadt hat daher Maßnahmen zur kultursensiblen Pflege eingeführt und kooperiert mit Migranten- und Seniorenorganisationen (MSOs), um die Bedarfe älterer Menschen mit Einwanderungsgeschichte besser zu erfassen.

Ein konkretes Projekt ist das Modellprojekt „Guter Lebensabend NRW“, in dem Bochum als Modellkommune dabei ist, Zugangsbarrieren für ältere Menschen abzubauen. Mehrsprachige Angebote und Sensibilisierungsmaßnahmen gegen Altersdiskriminierung sind Teil der Strategie.

Herausforderungen und offene Fragen

Trotz dieser Aktivitäten bleiben Herausforderungen bestehen. Die langfristige Pflegeplanung ist noch nicht vollständig abgeschlossen, und der Handlungsplan Pflege wird erst 2026 vom Rat verabschiedet. Zudem hängen einige Projekte wie die Erhebung der Bedarfe pflegender Angehöriger von Förderentscheidungen ab. Finanzielle Einschränkungen und Personalmangel behindern die Umsetzung von Maßnahmen im Bereich altersgerechten Wohnens.

Auch bei der Integration internationaler Pflegekräfte gibt es Hürden. Obwohl das Welcome Office Bochum 2025 eröffnet wurde und bis Mai 2026 über 4.000 Termine absolviert, bleiben Fragen zur langfristigen Sicherung von Sprach- und Integrationskursen offen.

Bisherige Entwicklung

Im Februar 2026 standen in Bochum die Herausforderungen der Pflegeplanung im Fokus, darunter Personalengpässe, Strukturveränderungen und finanzielle Aspekte, wobei bis 2049 unter anderem 390 zusätzliche ambulante Pflegekräfte benötigt werden.

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Bochum steigt rapide, wodurch die Stadt ihre Versorgungsstrukturen neu plant und ausbauen muss, insbesondere in der Tages- und Kurzzeitpflege sowie bei der Betreuung von Menschen mit Demenz (die Sanierung des Freibads Hangeweiher). Gleichzeitig kämpft Bochum mit Personalengpässen und einer angespannten Ausbildungssituation in der Pflege.

Ausblick

Bochum hat in den letzten Monaten wichtige Weichen für die Zukunft der Gesundheits- und Pflegepolitik gestellt. Die Stadt hat klare Zielwerte definiert, Projekte gestartet und Netzwerke aufgebaut. Doch die Umsetzung dieser Pläne erfordert weiterhin politische Kraft und finanzielle Mittel. Mit den anstehenden Maßnahmen bis 2027 und der Evaluierung des Handlungsplans ab 2029 wird sich zeigen, ob Bochum die Herausforderungen des demografischen Wandels erfolgreich bewältigen kann.

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