Pflegebedarf in Bochum: Herausforderungen, Struktur und Zukunftsperspektiven
Der Ausbau der Pflegeinfrastruktur in Bochum steht vor neuen Herausforderungen. Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst, die Versorgungsstruktur ist uneinheitlich, und Personalengpässe belasten den Sektor. Ein tiefer Einblick in die aktuelle Lage und die Pläne der Stadt für die nächsten Jahre.
Bochum 2026: Pflegebedarf steigt, Versorgungsstruktur wird neu geplant
Die Zahl der Pflegebedürftigen in Bochum wächst rapide. Im Jahr 2024 lebten bereits 26.850 Menschen mit Pflegebedarf in der Stadt, darunter 8.200 Menschen mit Demenz. Bis 2049 wird mit rund 30.300 Pflegebedürftigen gerechnet – ein Anstieg von knapp 13 Prozent. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Menschen mit Demenz um 18 Prozent zu, was die Versorgungsstrukturen stark beanspruchen wird. Die Stadt Bochum hat in den letzten Wochen entscheidende Maßnahmen beschlossen, um den demografischen Wandel zu bewältigen und die Pflegeversorgung zu sichern.
Aktuelle Struktur der Pflegeversorgung
Bochum verfügt derzeit über 3.701 vollstationäre Pflegeplätze, verteilt auf 39 Einrichtungen. Dies entspricht einem Stand von 13,8 Plätzen je 100 Pflegebedürftigen. In der ambulanten Pflege sind 73 Pflegedienste mit insgesamt 1.700 Mitarbeitenden tätig, was einem Verhältnis von 6,3 Mitarbeitenden je 100 Pflegebedürftigen entspricht – knapp unter dem Bundesdurchschnitt.
Die Tagespflege und Kurzzeitpflege sind hingegen deutlich unterversorgt: 397 Tagespflegeplätze (1,5 je 100) und 124 Kurzzeitpflegeplätze (0,5 je 100) sind aktuell verfügbar. Die Stadt sieht hier dringenden Ausbaubedarf. Besonders problematisch ist die Situation in Bochum-Nord und Ost, wo die stationäre Pflege weit unter dem Zielwert liegt.
Demenz: Eine wachsende Herausforderung
Die Zahl der Menschen mit Demenz wächst schneller als die Gesamtzahl der Pflegebedürftigen. 2024 lebten 8.226 Menschen mit Demenz in Bochum, bis 2049 wird mit 9.715 Betroffenen gerechnet. 67 Prozent der Menschen mit Demenz sind älter als 80 Jahre, und Frauen sind deutlich stärker betroffen als Männer (70 %). Die Stadtbezirke Mitte und Wattenscheid sind besonders stark von der Demenzentwicklung betroffen.
Die aktuelle Versorgungssituation für Menschen mit Demenz bleibt fragil. Die Stadt plant, Palliativ- und Hospizangebote auszubauen und das Ambulante Ethikkomitee stärker einzubinden. Zudem wird ein Leitfaden zur besseren Umsetzung von Diversitätsorientierung in der Pflege entwickelt.
Personalengpässe und Ausbildung
Die Personalversorgung in der Pflege bleibt eine der größten Herausforderungen. 2023 waren 5.000 Pflegekräfte in Bochum beschäftigt, doch die Altersstruktur dieser Belegschaft ist problematisch: 32 Prozent der Pflegekräfte sind älter als 55 Jahre. In den nächsten zwölf Jahren werden rund 1.600 Pflegekräfte in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Pflegepersonal bis 2049 um bis zu 960 Beschäftigte.
Die Ausbildungssituation ist angespannt. 2024 wurden 540 neue Pflegeausbildungen gestartet, doch die Abbruchquote liegt bei 46 Prozent. Die neue generalistische Pflegeausbildung wird als besonders herausfordernd angesehen. Zudem bleibt die Anerkennung ausländischer Abschlüsse ein Problem, obwohl das Fachkräfteeinwanderungsgesetz hier erste Entlastungen verspricht.
Handlungsplanung und Zukunftsperspektiven
Im Rahmen der kommunalen Pflegeplanung hat Bochum klare Zielwerte definiert. Bis 2035 und 2049 sollen die Pflegeplätze und Personalressourcen deutlich ausgebaut werden. Besonders in Bochum-Nord, Ost und Süd ist ein dringender Ausbaubedarf zu erkennen. Die Stadt plant, neue Servicewohnungen, ambulante Wohngemeinschaften und Tagespflegeplätze zu schaffen, um die Versorgung zu verbessern.
Zudem setzt Bochum auf strategische Initiativen wie das Bündnis „Bochum bewegt Pflege“, den Handlungsplan „Leben im Alter 2025–2030“ und das Senior*innenportal. Diese Projekte zielen darauf ab, die Pflegeinfrastruktur zu stärken, den Nachwuchssicherung zu fördern und die Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern.
Fazit: Eine Stadt im Wandel
Die Pflegeversorgung in Bochum steht vor einer tiefgreifenden Transformation. Die steigende Zahl der Pflegebedürftigen, die Herausforderungen im Personalbereich und die regionalen Unterschiede in der Versorgungsstruktur erfordern eine langfristige Planung und Koordination. Mit der kommunalen Pflegeplanung hat Bochum einen ersten Schritt getan. Doch die Umsetzung wird entscheidend sein – sowohl für die Menschen im Alter als auch für die Zukunftsfähigkeit der Stadt.
Quellen
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