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Klimaneutralität in Lingen: Wie die Stadt den Wärmesektor transformiert

Klimaneutralität in Lingen: Wie die Stadt den Wärmesektor transformiert

Lingen setzt sich konsequent für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2040 ein. Im April 2026 wurden entscheidende Maßnahmen und Planungen vorgestellt, die die Zukunft der Energieversorgung in der Region prägen.

Klimaneutrale Wärmeversorgung – Lingen verändert den Wärmesektor

Inmitten der Energiewende und der Klimaziele Deutschlands hat die Stadt Lingen (Ems) im April 2026 einen entscheidenden Schritt in Richtung klimaneutraler Wärmeversorgung gesetzt. Mit der kommunalen Wärmeplanung und einer Vielzahl an Investitions- und Sanierungsmaßnahmen will die Stadt bis 2040 einen klimaneutralen Wärmesektor etablieren. Der Fokus liegt dabei auf erneuerbaren Wärmequellen, Energieeffizienz und der Modernisierung des Heizungsbestands.

Wärmepumpen als Technologieträger der Zukunft

Eine zentrale Rolle spielt die Nutzung von Wärmepumpen, insbesondere der Wasser-Wasser-Variante. Lingen profitiert von günstigen Voraussetzungen durch das Grundwasser, das als Wärmequelle besonders effizient genutzt werden kann. Laut Planung werden Wärmepumpen sukzessive Erdgas- und Heizölanlagen ersetzen. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind zwar kostengünstiger, aber weniger effizient, weshalb sie eher in Randlagen eingesetzt werden.

Die Skaleneffekte und Standardisierung im Wärmepumpenmarkt werden zukünftig die Kosten senken, was den Ausbau beschleunigen könnte. Mit der zunehmenden Elektrifizierung der Wärmeversorgung wird auch der Strommix entscheidend für die Klimabilanz der Stadt sein. Niedersachsen strebt eine Dekarbonisierung des Strommixes bis 2040 an, was auch Lingen stark unterstützt.

Wärmenetze und Infrastruktur: Die zentralen Säulen der Wärmewende

In dicht besiedelten Gebieten wie der Innenstadt und im Emsauenpark setzt Lingen auf zentrale Wärmenetze. Diese ermöglichen eine effiziente Wärmeversorgung über einen langen Zeitraum und sind besonders in Verdichtungsgebieten sinnvoll. Die Stadt plant, den Wärmenetzausbau bis 2040 fortzusetzen, mit einem Schwerpunkt zwischen 2030 und 2035.

Machbarkeitsstudien für neue Wärmenetze, wie entlang der Schulachse, sind bereits in Bearbeitung. Die Wärmenetz-Geografie dient als strategische Orientierung, um die wirtschaftlichsten und klimafreundlichsten Lösungen zu identifizieren. Ziel ist es, den fossilen Verbrauch durch grüne Wärme zu ersetzen und möglichst viele Gebäude effizient zu versorgen.

Biomasse, Wasserstoff und Abwärme: Vielfältige Energiequellen

Neben Wärmepumpen und Wärmenetzen spielt Biomasse eine wichtige Rolle. Obwohl die Mengen begrenzt sind, bleibt Biomasse eine stabile Quelle für die Wärmeversorgung. Klärgas und Pelletkessel sind aktuelle Ankerlösungen, die in der Stadt bereits genutzt werden.

Wasserstoff wird als Option für die regionale Wirtschaft betrachtet, ist aber nicht für eine flächendeckende Wärmeversorgung bis 2040 geeignet. Abwärme aus Industrie und Kläranlagen kann ebenfalls genutzt werden. So bietet die Kläranlage Lingen eine kontinuierliche Niedertemperaturwärmequelle, die gut für Nahwärme geeignet ist.

Kommunale Umsetzung und Governance: Ein koordinierter Prozess

Die Umsetzung der Wärmeplanung ist ein koordinierter Prozess, der auf mehreren Ebenen stattfindet. Ein Wärmewendekompass wurde als steuerndes Instrument etabliert, und eine fachübergreifende Arbeitsgruppe wurde gegründet. Diese kümmert sich um Schulungen, Monitoring und die Entwicklung von Maßnahmen.

Kommunale Liegenschaften sind dabei nicht nur Ankerkunden, sondern auch Demonstrationsobjekte für neue Technologien und Sanierungsstrategien. Ganzeinheitliche Gebäudekonzepte sind ein weiteres Schwerpunktthema, um koordiniert und effizient zu planen.

Energieeffizienz und Sanierung: Herausforderung und Chance

Die Sanierung des Gebäudebestands ist eine zentrale Herausforderung. Aktuell liegt der Endenergiebedarf bei etwa 370 GWh, wobei Erdgas den größten Anteil ausmacht. Ziel ist es, bis 2040 den gesamten Gebäudebestand auf den KfW-Standard zu bringen. Dazu müssen Sanierungen beschleunigt werden, um den Wärmebedarf bis 2040 auf 215–253 GWh zu reduzieren.

Die Altersstruktur der Heizungsanlagen ist dabei ein Problem. 70 % der Heizungen sind älter als 10 Jahre, und bis 2040 wird dieser Anteil auf 70 % der Heizungen über 30 Jahre steigen. Eine rasche Modernisierung ist daher unumgänglich.

Kommunikation und Bürgerbeteiligung: Schlüssel zum Erfolg

Die Umsetzung der Wärmewende ist nicht nur eine technische, sondern auch eine soziale Herausforderung. Daher setzt Lingen auf eine breite Öffentlichkeitsarbeit. Eine zentrale Beratungsstelle, der sogenannte „Wärmewende-Lotse“, soll Bürger*innen bei der Umstellung auf erneuerbare Wärmequellen unterstützen.

Zielgruppenspezifische Informationsmaterialien, digitale Beteiligungsplattformen und öffentliche Veranstaltungen sind Teil der Strategie. Durch Transparenz und Beteiligung will die Stadt Vertrauen aufbauen und Synergien nutzen.

Fazit: Lingen als Vorreiter in der Wärmewende

Die Stadt Lingen hat sich mit der kommunalen Wärmeplanung und der breiten Palette an Maßnahmen als Vorreiter in der Wärmewende etabliert. Mit einem klaren Ziel bis 2040, einer Vielzahl an Technologien und einer starken Bürgerbeteiligung zeigt sie, wie eine klimaneutrale Wärmeversorgung in der Praxis aussehen kann. Die nächsten Jahre werden entscheidend sein, um die Planung in die Tat umzusetzen und die Klimaziele zu erreichen.

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