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Bebauungsplan 203: Urbanentwicklung im „Alter Viehmarkt“ in Lingen

📍 Lingen · Niedersachsen
Bebauungsplan 203: Urbanentwicklung im „Alter Viehmarkt“ in Lingen

Im März 2026 hat die Stadt Lingen den Bebauungsplan 203 für das Gebiet „Alter Viehmarkt“ verabschiedet. Der Plan zielt auf eine nachhaltige Innenentwicklung ab, die den Hochschulstandort stärkt, Wohnraum schafft und gleichzeitig ökologische und städtebauliche Anforderungen berücksichtigt. Wir analysieren die Hintergründe, Entscheidungsprozesse und Auswirkungen der Planung.

Der „Alter Viehmarkt“ – ein städtebauliches Projekt für Lingen

Der Bebauungsplan 203 für das Baugebiet „Alter Viehmarkt“ markiert einen Meilenstein in der urbanen Entwicklung Lingen. Mit einer Fläche von rund 24.000 m² zwischen Bernd-Rosemeyer-Straße, Alte Rheiner Straße und Bahngleisen wird ein sensibles Areal neu geplant. Ziel ist es, den Hochschulstandort zu sichern, Wohnraum zu schaffen und die Innenstadtentwicklung voranzutreiben – alles in Einklang mit Umwelt- und Verkehrsplanung.

Städtebauliche Zielsetzung und Nutzungsprofil

Die Planung folgt dem Grundsatz der Innenentwicklung. Die Bebauung soll innerhalb bereits bebauter Bereiche stattfinden und nicht in neue Grünflächen oder stadträumliche Leerraumzonen. Wohnnutzungen sind in den urbanen Gebieten (MU 1–5) erlaubt, jedoch mit klaren Höhenbegrenzungen und städtebaulichen Vorgaben.

Zentraler Bestandteil ist die Schaffung von Flächen für Bildungseinrichtungen im Bereich An der Kokenmühle. Diese sind strikt von Wohnnutzungen getrennt, um eine konzentrierte Nutzung im Sinne von Bildungsstandorten zu gewährleisten.

Großflächiger Einzelhandel, Bordelle, Diskotheken, Spielhallen und ähnliche Einrichtungen sind ausgeschlossen – stattdessen wird eine durchmischte Nutzung aus Wohnen, Dienstleistung und nichtstörendem Gewerbe ermöglicht.

Umwelt- und Altlastenmanagement

Das Gelände weist historische Altlasten auf, die auf frühere Nutzung als Tankstelle, Gaswerk und chemische Reinigung zurückgehen. Grundwasserbelastungen durch Chlorkohlenwasserstoffe und PAK wurden nachgewiesen. Die Planung sieht daher Sanierungsmaßnahmen vor, darunter Bodenaustausch, Abscheideranlagen und Gutachten zur Unbelastung.

Außerdem ist das Gebiet als Kampfmittelverdachtsfläche eingestuft. Vor Baubeginn muss eine Kampfmittelsondierung durchgeführt werden, und eine Freigabebescheinigung des zuständigen Dienstes ist erforderlich.

Im Umweltkontext ist die Schaffung von Grünflächen und die Erhaltung von Bäumen ein zentraler Aspekt. Bei Beseitigung von Bäumen ist Ersatzanpflanzung vorgeschrieben, und bei Neubauvorhaben müssen zwei Bäume pro entferntem Baum neu gepflanzt werden.

Mobilität und Verkehrssicherheit

Die Erschließung erfolgt über bestehende Straßen, es sind keine neuen Zu- oder Ausfahrten geplant. Stellplätze müssen in Tiefgaragen untergebracht werden, um den Straßenraum zu entlasten.

Im Bereich der Alten Rheiner Straße und Jakob-Wolff-Platz ist Wohnnutzung im Erdgeschoss ausgeschlossen, um den Einzelhandel zu stärken. Zudem sind Sichtdreiecke an kritischen Kreuzungen mit 5 m Abstand und 70 m Schenkellängen vorgeschrieben, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Ein öffentlicher Fuß- und Radweg zwischen Alte Rheiner Straße und An der Kokenmühle ist im Plan festgelegt. Der Fußweg zum Bahnhof verlängert sich um 550–600 Meter, was in Diskussionen um die Mobilitätsqualität Anlass zur Kritik gab.

Öffentlichkeitsbeteiligung und politische Diskussionen

Die Planung war Gegenstand einer öffentlichen Beteiligung, die vom 11.11.2025 bis 01.12.2025 andauerte. Zwar gab es zwei private Stellungnahmen, darunter eine mit Bedenken, doch keine grundsätzlichen Einwände von Behörden.

In der politischen Debatte wurden Kritikpunkte hervorgehoben, insbesondere die bauliche Versiegelung von Grünflächen. Zudem wurde angeregt, die Hochschule stärker in die Planung einzubeziehen. Der Rat beschloss schließlich eine Satzung zur Bekämpfung der Zweckentfremdung von Wohnraum gemäß § 1 NZwEWG.

Fazit: Ein Schritt in Richtung nachhaltiger Stadtentwicklung

Der Bebauungsplan 203 ist ein städtebaulich ambitioniertes Projekt, das die Herausforderungen der Innenstadtentwicklung in Lingen adressiert. Mit klaren Vorgaben zur Nutzung, Umweltverträglichkeit und Verkehrssicherheit wird ein nachhaltiges Quartier geplant, das sowohl Wohnraum als auch Bildung und Gewerbe beherbergt.

Die Planung ist Teil eines größeren Trends, der auf Innenentwicklung, Nachverdichtung und urbane Verdichtung setzt – weg von der Ausdehnung in die Landschaft, hin zu einer smarteren Nutzung des bestehenden Stadtraums. Ob und in welcher Form das Projekt in der Praxis umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Doch die Entscheidung von März 2026 ist ein klarer Schritt in Richtung einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung in Lingen.

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