Bildungspolitik in Lingen: Digitalisierung, Ganztagsbetreuung und Verpflegung im März 2026
Im März 2026 diskutiert der Schulausschuss der Stadt Lingen (Ems) entscheidende Themen der Bildungspolitik. Zentrale Punkte sind die digitale Ausstattung der 7. Klassen, die Umsetzung des gesetzlichen Ganztagsanspruchs sowie die Ausschreibung der Mittagsverpflegung. Der Fokus liegt auf strukturellen Verbesserungen, die den Schulalltag nachhaltig verändern können.
Digitalisierung in der Sekundarstufe I: Neue Geräte durch das Land Niedersachsen
Im März 2026 setzte sich der Schulausschuss intensiv mit der Digitalisierung der Linger Schulen auseinander. Nach einer zentralen Ausschreibung durch das Land Niedersachsen, die am 15. März 2026 endete, sollen alle Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen sowie Lehrkräfte an Grundschulen ab dem Schuljahr 2026/27 mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden. Das Land stellt dafür bis 2031 insgesamt 800 Millionen Euro bereit.
Die Geräte – hauptsächlich Apple iPads – werden bis zu vier Jahre lang genutzt, bis die Schülerinnen und Schüler die Sekundarstufe I abschließen. Die Stadt Lingen nutzt bereits das „Apple School Manager“-System, wodurch die Integration der neuen Geräte in die bestehende IT-Infrastruktur reibungslos ablaufen soll. Die Geräte werden bis spätestens 1. August 2026 an die Schulen ausgeliefert, um eine ordnungsgemäße Einpflegung in das städtische EDV-System zu ermöglichen.
Die Digitalisierung wird als Chance gesehen, die Lernmethoden zu modernisieren und die Chancengleichheit durch technologische Ausstattung zu stärken. Gleichzeitig bleibt die Stadt dabei auf die Vorgaben des Landes angewiesen, was die Flexibilität in der Geräteauswahl und -verwaltung begrenzt.
Umsetzung des Ganztagsanspruchs: Ausbau der Betreuung für Grundschulkinder
Die Umsetzung des gesetzlichen Ganztagsanspruchs ist ein weiteres zentrales Thema, das im Schulausschuss diskutiert wurde. Ab dem Schuljahr 2026/27 gilt in Niedersachsen ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder der 1. Klassen. Jährlich kommt eine weitere Klassenstufe hinzu, bis alle Kinder der 1. bis 4. Klasse im Jahr 2029/2030 betreut werden können.
In Lingen ist die Ganztagsbetreuung bereits seit dem Schuljahr 2009/2010 an fünf Tagen pro Woche verfügbar. Dennoch mussten im März 2026 konkrete Fragen zur Umsetzung des neuen Rechtsanspruchs beantwortet werden. Besonders die Nachfrage am Freitag stellte sich als schwierig dar: Nur 13 % der Erstklässler benötigen am Freitag eine Betreuung. Dennoch ist ein Angebot vorzuhalten, da der Rechtsanspruch dies vorsieht.
Die BN- und CDU-Fraktion beantragten, auch Geschwisterkinder der Erstklässler in die Betreuung einzubeziehen. Dies könnte Lingen als Vorreiter positionieren, allerdings müssen zunächst die tatsächlichen Betreuungsbedarfe ermittelt werden. Die Verwaltung wurde beauftragt, konkrete Umsetzungsmöglichkeiten zu prüfen.
Mittagsverpflegung: Qualität, Bio-Anteil und neue Ausschreibungen
Die Mittagsverpflegung für Grundschulen ist ein weiterer Schwerpunkt, der im März 2026 behandelt wurde. Ab dem Schuljahr 2026/2027 wird die Verpflegung neu ausgeschrieben, wobei jede Schule als eigenes Los betrachtet wird. Die Ausschreibung erfolgt über vier Jahre und orientiert sich an den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).
Die Bewertung der Caterer erfolgt nach mehreren Kriterien: 50 % Preis, 35 % sensorische Qualität, 5 % Bio-Anteil, 5 % Warmhaltezeit und 5 % schulisches Umsetzungskonzept. Zudem ist eine Testverkostung vorgesehen, an der Schulleitung, Eltern, Schüler und der Schulträger teilnehmen. Die Verpflegung soll biologische und regionale Produkte enthalten, künstliche Zusatzstoffe sollen vermieden werden. Religiöse und kulturelle Aspekte sowie Allergien werden berücksichtigt.
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Einbeziehung von Geschwisterkindern in die Mittagsverpflegung. Zwar ist die Ferienbetreuung bereits ganztagsanspruchskonform, doch eine tageweise Anmeldung oder eine „Kumpel- und Kumpelinenregelung“ wird angeregt. Dies könnte die Betreuung flexibilisieren und gleichzeitig Familien entlasten.
Herausforderungen und Investitionen in die Infrastruktur
Neben den strategischen Themen standen auch konkrete infrastrukturelle Herausforderungen im Vordergrund. Die Matthias-Claudius-Schule etwa weist noch immer Probleme mit der Sanitäranlage auf. Zwar wurden neue Toiletten im Rahmen des Neubaus der Zweifeldturnhalle geschaffen, doch die Sanitäten in der Sporthalle und im zweiten Gebäude gelten als veraltet. Zudem sind die Klassencontainer, die vorwiegend als Unterrichtsräume genutzt werden, nicht ausreichend gedämmt, was zu extremen Temperaturen im Sommer und Winter führt.
Die Verwaltung betonte, dass die Container den geltenden Energieeffizienz-Standards entsprechen, doch Eltern und Lehrkräfte fordern dringend bessere Bedingungen. Im Rahmen des Investitionsprogramms „Ganztagsausbau Niedersachsen“ wurden bereits Bewilligungsbescheide für Erweiterungsmaßnahmen an mehreren Grundschulen ausgestellt. Die Fachplanungen laufen, und in den kommenden Monaten wird es erste Baumaßnahmen geben.
Zudem plant die Stadt Lingen die Ausstattung der Grundschulen mit Trinkwasserspendern. Dafür sind 25.000 Euro aus dem Haushalt bereitgestellt. Ein Leasingmodell wird gewählt, da die Mittel im nichtinvestiven Ergebnishaushalt veranschlagt sind.
Ausblick: Bildungspolitik als zentraler Baustein für die Zukunft Lingen
Die März-Sitzung des Schulausschusses zeigt, dass Bildung in Lingen (Ems) nicht nur als pädagogisches Thema, sondern auch als zentraler Baustein für soziale und wirtschaftliche Entwicklung betrachtet wird. Die Digitalisierung, die Umsetzung des Ganztagsanspruchs sowie die Verbesserung der Verpflegungs- und Infrastrukturbedingungen sind Schritte in Richtung einer modernen, inklusiven und zukunftsfähigen Bildungspolitik.
Die Herausforderungen bleiben groß, insbesondere wenn es um die langfristige Finanzierung und die Flexibilisierung von Betreuungsangeboten geht. Doch mit der aktiven Einbindung von Eltern, Lehrkräften und Politikern sowie der klaren Orientierung an Qualität und Chancengleichheit setzt Lingen ein gutes Beispiel für andere Städte in Niedersachsen.
Quellen
Weitere Beiträge aus Lingen
Finanzpolitik in Lingen: Budgetentwicklung und Herausforderungen im März 2026
Im März 2026 standen in Lingen (Ems) entscheidende Finanzthemen im Fokus. Der Finanzausschuss diskutierte unter anderem die Rechtskraft des Haushaltsplanes 2026, Liquiditätskredite in Millionenhöhe und die Entwicklung der Steuereinnahmen. Der Blog analysiert die aktuelle Finanzlage der Stadt, die Hintergründe der Entscheidungen und mögliche Auswirkungen auf die Zukunftsperspektive Lingen.
Weiterlesen →
Sport in Lingen: Jubiläen, Erfolge und Zukunftsperspektiven
Im März 2026 standen in Lingen Jubiläen und sportliche Erfolge im Vordergrund. Der Ortsrat unterstützte aktiv lokale Vereine, und mehrere historische Meilensteine wurden erreicht.
Weiterlesen →
Bebauungsplan 203: Urbanentwicklung im „Alter Viehmarkt“ in Lingen
Im März 2026 hat die Stadt Lingen den Bebauungsplan 203 für das Gebiet „Alter Viehmarkt“ verabschiedet. Der Plan zielt auf eine nachhaltige Innenentwicklung ab, die den Hochschulstandort stärkt, Wohnraum schafft und gleichzeitig ökologische und städtebauliche Anforderungen berücksichtigt. Wir analysieren die Hintergründe, Entscheidungsprozesse und Auswirkungen der Planung.
Weiterlesen →Früher wissen. Früher handeln.
Erhalten Sie automatisch Alerts zu relevanten kommunalen Projekten – bevor Ihre Mitbewerber davon erfahren.
Jetzt kostenlos testen