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Freiburg setzt auf Biotopverbünde – Neuer Plan für Biodiversität im Schwarzwald

Environment and Climate 📍 Freiburg · Baden-Württemberg
Freiburg setzt auf Biotopverbünde – Neuer Plan für Biodiversität im Schwarzwald

Im Januar 2026 hat Freiburg einen neuen Biotopverbundplan für das Gebiet Freiburg-Schwarzwald beschlossen. Ziel ist es, die Biodiversität durch Schutz, Vernetzung und aktive Pflege von Ökosystemen zu stärken. Der Plan umfasst über 15.000 Hektar und beinhaltet konkrete Maßnahmen wie extensive Wiesenbewirtschaftung, Schafbeweidung und Streuobstpflege.

Der Biotopverbund als Schlüssel zur Biodiversität

Die Stadt Freiburg hat sich in den vergangenen Jahren als Vorreiter im Umwelt- und Klimaschutz etabliert. Im Januar 2026 setzte sie mit der Verabschiedung des neuen Biotopverbundplans Freiburg-Schwarzwald ein weiteres wichtiges Zeichen. Der Plan zielt darauf ab, die biologische Vielfalt durch die Schaffung eines funktionalen Biotopverbunds zu sichern und langfristig zu steigern. Mit über 15.300 Hektar Fläche in den Gemarkungen Kappel, Ebnet und Freiburg ist dies ein ambitioniertes Vorhaben, das auf regionaler, aber auch auf landes- und bundespolitischer Ebene Bedeutung hat.

Konkrete Maßnahmen für die Erhaltung von Lebensräumen

Der Biotopverbundplan enthält eine Vielzahl an Maßnahmen, die auf die Erhaltung und Entwicklung von natürlichen Lebensräumen abzielen. Eine der zentralen Maßnahmen ist die extensive Grünlandnutzung, insbesondere in Form von Mahdnutzung und Schafbeweidung. Etwa 180 Hektar sollen hierdurch in den nächsten Jahren umgestaltet werden, um Arten wie Heuschrecken und Schmetterlinge zu unterstützen.

Zudem werden Maßnahmen zur Streuobstpflege und Neupflanzungen vorgeschlagen, um die traditionellen Obstgärten im Stadtrandgebiet zu erhalten. Ebenso sind Aktionen zur Waldrandgestaltung geplant, die den lichten Waldrand durch Überhälter und Strukturvielfalt bereichern sollen. Diese Maßnahmen sind nicht nur für Tier- und Pflanzenarten von Bedeutung, sondern auch für die Stabilität des regionalen Ökosystems.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Pflege trocken-wärmer Strukturen, die für spezifische Arten wie die Feldlerche oder die Geburtshelferkröte von zentraler Bedeutung sind. Im südlichen Teil des Planungsgeländes wurde sogar ein Mindestflurkonzept entwickelt, um die Offenhaltung von Schwarzwaldtälern sicherzustellen. Dies trägt nicht nur der Biodiversität Rechnung, sondern auch touristischen und klimatischen Vorteilen.

Kooperation und Finanzierung als Erfolgsfaktoren

Die Umsetzung des Biotopverbundplans ist eine Kooperationsleistung zwischen der Stadt, Landnutzern, Eigentümern und Naturschutzverbänden. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die neu eingesetzte Biotopverbund-Botschafterin, die Landnutzer*innen berät und die Planung vor Ort vermittelt. Diese Person fungiert als Bindeglied zwischen den verschiedenen Akteuren und hilft bei der praktischen Umsetzung der Maßnahmen.

Finanziell wird der Plan stark unterstützt: Die Erstellung des Biotopverbundplans wurde mit 90 % durch das Land Baden-Württemberg gefördert. Die Gesamtkosten betrugen etwa 108.000 Euro, wobei das Land rund 97.000 Euro beisteuerte. Für Landwirte sind Fördermittel bis zu 90 % erhältlich, für Kommunen bis zu 70 %, was die Umsetzung der Maßnahmen deutlich erleichtert.

Zielarten und Vernetzung als zentrale Planungselemente

Der Biotopverbundplan ist nicht nur ein Sammlung von Maßnahmen, sondern auch ein zielgerichtetes Konzept, das auf die Erhaltung von 25 gefährdeten Tierarten und einer Pflanzenart abzielt. Dazu gehören Fledermäuse, Vögel, Amphibien, Reptilien, Libellen, Heuschrecken, Tagfalter, Käfer und die Gelbbauchunke. Die Planung berücksichtigt auch die räumliche Vernetzung durch sogenannte Verbundachsen, die den Lebensraum für Feldvögel und gehölzwandernde Arten verbessern sollen.

Aktuell liegen die bedeutsamen Lebensräume bei etwa 23 % der Offenlandfläche. Mit der Umsetzung aller Maßnahmen könnte dieser Anteil auf 41 % steigen, was einen deutlichen Gewinn an Biodiversität bedeutet. Die Maßnahmen sind in Steckbriefen und Plänen für 9 Schwerpunktgebiete detailliert beschrieben und online unter freiburg.de/biotopverbund einsehbar.

Ausblick: Ein Modell für andere Städte?

Der Biotopverbundplan Freiburg-Schwarzwald ist nicht nur ein lokales Projekt, sondern ein Beispiel für nachhaltige Biodiversitätspolitik. Mit seiner Kombination aus fachlicher Planung, Bürgerbeteiligung und finanzieller Unterstützung bietet er ein nachahmenswertes Modell für andere Kommunen. Die Umsetzung der Maßnahmen wird überwacht und kontinuierlich angepasst, um langfristige Ergebnisse zu erzielen. In einer Zeit, in der die biologische Vielfalt weltweit rückläufig ist, ist Freiburg mit diesem Projekt ein Vorreiter im Klima- und Umweltschutz.

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