Erfurt setzt auf klimafreundliche Mobilität: Nahverkehrsplan 2026–2030 beschlossen
Der Nahverkehrsplan für Erfurt für den Zeitraum 2026–2030 wurde beschlossen und bestätigt. Ziel ist es, den ÖPNV barrierefrei, klimafreundlich und digital zu gestalten.
Mobilität in Erfurt: Ein Schritt in Richtung Klimaschutz und Barrierefreiheit
Die Landeshauptstadt Erfurt hat im April 2026 den Nahverkehrsplan für den Zeitraum 2026–2030 beschlossen. Der Plan markiert einen Meilenstein in der Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in der Stadt. Mit einem Fokus auf Klimaschutz, Barrierefreiheit und Digitalisierung setzt Erfurt auf eine moderne, nachhaltige Mobilitätsstrategie, die sowohl den Anforderungen der Zukunft als auch den Bedürfnissen der heutigen Bevölkerung gerecht wird.
Nahverkehrsplan 2026–2030: Der Rahmen für eine moderne Mobilität
Der Nahverkehrsplan ist nicht nur ein Fahrplan, sondern eine umfassende Strategie, die die Entwicklung des ÖPNV über einen Zeitraum von fünf Jahren koordiniert. In den Mittelpunkt gestellt wird dabei die Sicherstellung eines Leistungsumfangs von 7,375 Mio. Fahrplankilometern pro Jahr, der von der Erfurter Verkehrsgesellschaft (EVAG) erbracht werden soll.
Die Planung berücksichtigt nicht nur die aktuelle Verkehrsstruktur, sondern auch zukünftige Stadtentwicklungen, Bevölkerungsstandortentwicklungen und Verkehrsverflechtungen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Integration des Nahverkehrs in den Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT) und auf die Kooperation mit benachbarten Landkreisen. Der Plan wurde von einem externen Gutachter (Mathias Schmechtig NahverkehrsConsult) erstellt, was Transparenz und Unabhängigkeit gewährleistet.
Barrierefreiheit: Ein zentraler Meilenstein
Ein zentraler Punkt des Nahverkehrsplans ist die vollständige Barrierefreiheit im ÖPNV. Aktuell sind etwa 168 Bushaltestellen und drei Stadtbahnhaltstellen nicht barrierefrei, was den Zugang für Menschen mit eingeschränkter Mobilität erschwert. Der Ausbau dieser Haltestellen ist aufgrund finanzieller und bautechnischer Herausforderungen auf einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren geplant.
Die Stadt hat sich verpflichtet, jährlich mindestens drei Haltestellenstandorte barrierefrei auszubauen. Ausnahmen sind für Haltestellen mit geringer Nutzung (unter 25 Fahrgästen pro Tag) erlaubt, wobei die Nutzung fahrerbedienter Klapprampen gewährleistet wird. Zudem sind alle neuen Haltestellen ab sofort vollständig barrierefrei auszustatten.
Elektrifizierung und Digitalisierung: Der Weg in die Zukunft
Die Elektrifizierung der Busflotte ist ein weiterer Schwerpunkt. Mit dem Ziel, bis 2030 65 % der neu beschafften Stadtbusse saubere Antriebstechnologien zu nutzen (davon 50 % emissionsfrei), setzt Erfurt auf eine umweltfreundliche Zukunft. Der Einsatz von alternativen Kraftstoffen wie HVO (Hydrierte Pflanzenöle) ist bereits in der Praxis umgesetzt, um Emissionen zu reduzieren.
Zudem wird die Digitalisierung des ÖPNV ausgebaut. Alle Fahrzeuge der EVAG sind mittlerweile mit Bordrechnertechnik und Innenbildschirmen ausgestattet. Haltestellen mit einem Fahrgastaufkommen von mindestens 300 Einsteigern pro Tag erhalten dynamische optische und akustische Fahrgastinformation (DFI). Das ITCS-System (Intermodal Transport Control System) ermöglicht eine Echtzeitfahrgastinformation, Störungsmanagement und eine koordinierte Bevorrechtigung der ÖPNV-Fahrzeuge an Lichtsignalanlagen.
Verkehrsverbund und Infrastruktur: Integration und Erweiterung
Die Integration in den Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT) ist ein entscheidender Bestandteil der Strategie. Erfurt ist seit 2006 Mitglied im VMT und nutzt den einheitlichen zonenabhängigen Tarif, der auch für Regionalbuslinien gilt. Der VMT-Tarifzone 10 umfasst das gesamte Stadtgebiet, und Erfurt finanziert jährlich einen Betrag zur Abdeckung von Durchtarifierungs- und Harmonisierungsverlusten.
Zudem wird die Infrastruktur kontinuierlich ausgebaut. Investitionen fließen in den Ausbau von Verkehrswegeanlagen, Haltestellen und Werkstätten. Die Stadt plant auch die Entwicklung von Verknüpfungspunkten zwischen Bus und Bahn in den Außenbereichen. Besonders hervorzuheben ist der Ausbau der Stadtbahnlinie 9, der als Projekt zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV-Systems angesehen wird.
Ausblick: Eine Mobilität für alle
Der Nahverkehrsplan 2026–2030 ist nicht nur ein Instrument zur Sicherstellung der Mobilität in Erfurt, sondern auch ein Meilenstein auf dem Weg zu einer klimafreundlichen, barrierefreien und digitalen Mobilität. Die Stadt hat sich bewusst dafür entschieden, den ÖPNV nicht nur zu erweitern, sondern auch zu modernisieren und zu inklusivieren.
Die Herausforderungen sind groß – insbesondere im Hinblick auf die Finanzierung und die technischen Anforderungen –, aber die politische Willensbildung und die Zusammenarbeit mit Partnern wie der EVAG, dem VMT und den Landkreisen zeigen, dass Erfurt bereit ist, die Zukunft der Mobilität aktiv mitzugestalten.
Quellen
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