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Jugendpolitik in Kiel: Beteiligung, Bildung und Sicherheit im Fokus

Jugendpolitik in Kiel: Beteiligung, Bildung und Sicherheit im Fokus

Im Februar 2026 standen in Kiel Jugendbeteiligung, Ganztagsschulen und Sicherheitsfragen an Schulen im Vordergrund. Der Junge Rat, Eingliederungs-Hilfe und die Zusammenarbeit zwischen Schule und Offener Ganztagsschule (OGS) zeigen die Vielfalt der Jugendpolitik in der Landeshauptstadt.

Jugendbeteiligung und politische Mitsprache

In Kiel ist die Beteiligung von Jugendlichen ein fest verankertes Element der kommunalpolitischen Struktur. Der Junge Rat, ein Beirat für Kinder- und Jugendeinrichtungen, ist ein zentrales Forum, in dem Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren aktiv politische Themen mittragen. Im Februar 2026 tagte der Ausschuss zur 6. Wahl des Jungen Rates, wobei 16 Mitglieder für zwei Jahre gewählt wurden. Die Wahlbeteiligung lag bei 13,78 %, was gegenüber früheren Wahlen ein leichtes Plus bedeutet.

Die Kandidaten konnten sich über soziale Medien und Plakate präsentieren, und die Wahl wurde als „Wahlsinn“ beworben, um Jugendliche zu motivieren. In den Bezirken Nord, Süd, Mitte und Ost wurden insgesamt 16 Mitglieder gewählt. Der Junge Rat hat sich in diesem Jahr unter anderem für eine bessere Sicherheit im Schulzentrum Elmschenhagen eingesetzt, wo wiederholt Einbrüche stattfanden. Zudem setzte sich der Junge Rat für die Befestigung eines Trampelpfads zwischen Jugendtreff und Bushaltestelle ein, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Ganztagsschulen: Herausforderungen und Perspektiven

Ein weiteres zentrales Thema war die Ganztagsschule. In Kiel nutzen bereits 87 % der Kinder das Angebot, und es ist geplant, einen Rechtsanspruch auf Ganztagsschulen im Schuljahr 2026/27 in Schleswig-Holstein einzuführen. Die Stadt organisierte eine Bildungskonferenz mit dem Motto „Ganztag für Grundschüler*innen gemeinsam verantworten und gestalten“, an der über 80 Teilnehmende beteiligt waren.

Die Konferenz betonte die Bedeutung von verbindlichen Kooperationen zwischen Schule und Offener Ganztagsschule (OGS). Praktische Beispiele wie die Gerhart-Hauptmann-Schule, an der 230 Kinder an der OGS teilnehmen, zeigen, dass eine strukturierte Zusammenarbeit möglich ist. Dennoch bleiben Herausforderungen bestehen: Fachkräftemangel, fehlende Ressourcen und ungenügende Kommunikationswege zwischen Schule, OGS und Eltern.

Zudem betonte die Konferenz die psychosoziale Entwicklung der Kinder. Prof. Dr. Fabian Lamp hob in seinem Impulsvortrag hervor, dass Selbstwert, Selbstwirksamkeit und soziale Anerkennung zentrale Faktoren für das psychische Gleichgewicht von Kindern sind. Die Rolle multiprofessioneller Teams in der Ganztagsschule wird als entscheidend für die Qualität des Ganztags erachtet.

Eingliederungs-Hilfe: Unterstützung für Kinder mit besonderem Bedarf

Ein weiteres wichtiges Thema war die Eingliederungs-Hilfe in Kitas und Grundschulen. Kinder mit Unterstützungsbedarf können durch heilpädagogische Fachkräfte begleitet werden, wobei die Eltern ein Wunsch- und Wahlrecht bei der Auswahl der Fachkräfte haben. Die Beantragung der Unterstützung erfolgt über das Jugendamt, und es gibt klare Verfahrensweisen: Eltern erhalten Antragsunterlagen per Post, und es werden Zielvereinbarungen mit Schule, Eingliederungs-Hilfe und Fachkräften getroffen.

Die Unterstützung kann beispielsweise in Form von Autismus-Beratung oder Teilhabe-Assistenz in der Freizeit erfolgen. Zudem gibt es die Möglichkeit, dass Kinder in Förderzentren gefördert werden, wenn die Unterstützung in der Regelschule nicht ausreicht. Eine enge Zusammenarbeit mit Eltern ist dabei besonders wichtig, da Barrieren in der Elternarbeit oft bestehen.

Ausblick: Jugendpolitik als zukunftsorientiertes Projekt

Die Jugendpolitik in Kiel zeigt sich in ihrer Vielfalt und Tiefe. Von der politischen Beteiligung über Bildungspolitik bis hin zu sozialer Unterstützung – die Stadt setzt auf eine breite Palette an Maßnahmen, um die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Die Herausforderungen sind groß: Personalengpässe, fehlende Ressourcen und die Notwendigkeit, strukturell stärker zu vernetzen.

Dennoch gibt es positive Entwicklungen: Die Wahlbeteiligung des Jungen Rates steigt, die Ganztagsschule wird weiterentwickelt, und die Eingliederungs-Hilfe wird transparenter und zugänglicher gemacht. In den kommenden Monaten wird es darauf ankommen, diese Prozesse zu stabilisieren und weiterzuentwickeln.

Die Jugend in Kiel ist nicht nur Beteiligte, sondern auch gestalterische Kraft – und das sollte in der Politik stärker wahrgenommen werden.

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