Jugendpolitik in Viersen: Herausforderungen, Investitionen und Zukunftsperspektiven
Im Februar 2026 standen in Viersen Entscheidungen zur Jugendhilfe, zur Finanzierung von Projekten sowie zur personellen Ausstattung der Jugenddienste im Fokus. Der Jugendhilfeausschuss beriet über Stellenpläne, Elternbeiträge und die Problemlage im Sozialraum Süchteln. Dieser Blog gibt einen tiefergehenden Einblick in die Entwicklungen und ihre Bedeutung.
Jugendhilfeausschuss in Viersen: Ausbau der Strukturen und Investitionen in die Zukunft
Im Februar 2026 tagte der Jugendhilfeausschuss der Stadt Viersen und legte den Grundstein für zukunftsorientierte Jugendpolitik. Die Sitzung am 5. Februar brachte Entscheidungen und Diskussionen hervor, die sowohl strukturelle Veränderungen als auch soziale Herausforderungen betreffen. Die Themen reichten von der Einrichtung neuer Stellen über die Fortführung von Brückenprojekten bis hin zu der Auseinandersetzung mit Vandalismus und der Integration von Jugendlichen im Stadtteil Süchteln.
Personelle Ausstattung: Mehr Stellen für den Allgemeinen Sozialen Dienst
Ein zentraler Punkt der Sitzung war der Ausbau der personellen Strukturen in der Jugendhilfe. Der Jugendhilfeausschuss empfahl, im Stellenplan 2026 fünf neue Stellen im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) einzurichten. Diese Maßnahme ist aufgrund einer deutlichen Überlastung der bestehenden Stellen erforderlich. Der ASD bündelt Angebote der Jugendhilfe, darunter auch die Hilfen zur Erziehung, und ist zentrale Anlaufstelle für Jugendliche und Familien.
Zurzeit verantworten 17,5 Vollzeitstellen 665 Fälle mit 738 laufenden Hilfen – das bedeutet einen Fällenanteil von 38 Fällen je Vollzeitstelle, was den Richtwert der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) von 30 Fällen weit überschreitet. Der erforderliche Stellenbedarf liegt bei 22,2 Vollzeitstellen, was zu einem Mehrbedarf von 5 Stellen führt. Die Kosten für die neuen Stellen belaufen sich auf rund 428.000 Euro im Jahr.
Zusätzlich wurden eine halbe Stelle im Bereich Wirtschaftliche Jugendhilfe (45.900 Euro/Jahr) und eine Stelle für Steuerungsunterstützung und Planung (91.800 Euro/Jahr) empfohlen. Letztere ist insbesondere für die Abwicklung von Fördermitteln und Digitalisierungsprojekten relevant.
Finanzierung von Projekten: Brückenprojekt „Wilde 13“ bleibt lebendig
Ein weiterer Schwerpunkt war die Weiterführung des Brückenprojekts „Wilde 13“ des SKF e.V. Viersen. Das Projekt unterstützt Kinder im Übergang in die Kindertageseinrichtung und bietet Praktikums- und Qualifizierungsmöglichkeiten für zukünftige pädagogische Fachkräfte. Im Jahr 2025 wurden 82 Kinder über 1.860 Betreuungsstunden gefördert.
Die SPD-Fraktion setzte sich für die Fortführung der Finanzierung um 20.000 Euro im Jahr 2026 ein. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Zwar gab es kritische Stimmen, insbesondere aus der Linken, die die Belastung von Eltern durch Beitragssteigerungen bedauerte, doch die Mehrheit der Ausschussmitglieder unterstrich die Notwendigkeit, solche Projekte nicht in die Defensive geraten zu lassen.
Sozialraum Süchteln: Herausforderungen und Maßnahmen
Im Sozialraum Süchteln gab es im Februar 2026 erneut Diskussionen zu Vandalismus und Aggressionsabbau. Eine Gruppe von rund 30 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 27 Jahren verursachte wiederholt Störungen, Sachbeschädigungen und Beleidigungen. Das Jugendamt und das Streetwork-Team arbeiten intensiv an der Beziehungsarbeit, um Vertrauen aufzubauen und langfristige Lösungen zu entwickeln.
Ein weiteres Projekt, „Digital bewegt – Empowerment durch Bewegung“, war im vergangenen Jahr erfolgreich. Es förderte digitale Kompetenzen, Teamfähigkeit und soziale Integration. Jugendliche äußerten den Wunsch, das Projekt fortzusetzen. Der Jugendhilfeausschuss unterstützte die Forderung nach zusätzlichen Ressourcen und pädagogischen Fachkräften, um solche Projekte nachhaltig anzusiedeln.
Elternbeiträge: Diskussion um Finanzierung und Gerechtigkeit
Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Dritte Änderung der Elternbeitragssatzung im Elementarbereich, die ab August 2026 in Kraft tritt. Die Beiträge für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege werden moderat angehoben. Im Kindergartenjahr 2026/2027 sind Mehreinnahmen in Höhe von 60.768 Euro (Kindertagesbetreuung) und 8.928 Euro (Kindertagespflege) vorgesehen.
Die Debatte um die Elternbeiträge zeigte die Spannung zwischen finanzieller Notwendigkeit und sozialer Gerechtigkeit. Während einige Ausschussmitglieder die Anpassung als notwendig erachteten, machte Ratsfrau Pietsch (Linke) auf die Belastung niedrigverdienender Eltern aufmerksam. Schließlich setzte sich eine moderate Erhöhung durch, die laut Verwaltung nur geringen Anteil an der Gesamtförderung ausmacht.
Fazit: Jugendpolitik als Investition in die Zukunft
Die Sitzung des Jugendhilfeausschusses in Viersen im Februar 2026 unterstrich, dass Jugendpolitik nicht nur eine Frage von Budgets ist, sondern auch von Strukturen, Räumen und Perspektiven. Die Einrichtung neuer Stellen, die Fortführung von Brückenprojekten und die Investition in soziale Integration zeigen, dass die Stadt Viersen ihre Jugend nicht ausblendet, sondern sie aktiv in die Zukunft einbinden will.
Die Herausforderungen im Sozialraum Süchteln verdeutlichen jedoch auch, dass es kein Patentrezept gibt. Jugendpolitik braucht Zeit, Vertrauen und Ressourcen. Die Diskussionen um Elternbeiträge zeigen zudem, dass finanzielle Entscheidungen immer auch politische und moralische Dimensionen haben. Insgesamt zeigt sich ein Bild einer Stadt, die bereit ist, für ihre Jugend zu investieren – nicht nur im Wort, sondern auch in der Tat.
Quellen
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