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Mülheim steigert Sozialausgaben – Jugendhilfe, Integration und Pflege im Fokus

📍 Muelheim · Nordrhein-Westfalen
Mülheim steigert Sozialausgaben – Jugendhilfe, Integration und Pflege im Fokus

In Mülheim an der Ruhr steigen die Sozialausgaben deutlich an – besonders in der Jugendhilfe, bei der Integration von Geflüchteten und in der Pflege. Die Stadt setzt auf ambulante Lösungen, Prozessoptimierungen und interkommunales Benchmarking, um soziale Herausforderungen zu bewältigen.

Sozialpolitik in Mülheim: Steigende Ausgaben, steigende Herausforderungen

Mülheim an der Ruhr hat sich in den letzten Jahren als Spitzenreiter im sozialen Bereich in Nordrhein-Westfalen etabliert. Die Stadt investiert zunehmend in Jugendhilfe, Integration von Geflüchteten und Pflegeangebote. Gleichzeitig stehen sie vor strukturellen und finanziellen Herausforderungen, die sowohl politisch als auch gesellschaftlich diskutiert werden. Im April 2026 zeichnet sich ein klares Bild: Mülheim ist auf dem Weg, ihre soziale Infrastruktur zu stärken – aber die Kosten steigen.

Jugendhilfe: Ambulante Lösungen im Vordergrund

Die Jugendhilfe in Mülheim hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Die Stadt setzt verstärkt auf ambulante Lösungen, um Kinder und Jugendliche in ihrer Familie zu halten. Diese Strategie spiegelt sich auch in den Finanzdaten wider: 2024 stiegen die Nettoausgaben für Hilfen zur Erziehung (HzE+) um 11,29 % pro Einwohner unter 21 Jahren. Ambulante Hilfen stiegen um 6,78 %, stationäre sanken hingegen um 6,33 %.

Ein zentraler Faktor dieser Entwicklung ist die Eingliederungshilfe. Sie gewinnt an Bedeutung, insbesondere für junge Menschen mit Behinderungen, die zwischen 0 und 27 Jahren alt sind. Die Einführung der Verfahrenslotsin im Januar 2024 und deren Übernahme durch Myriam Graf im November 2025 hat dazu beigetragen, den Prozess der Antragstellung und Koordination zu optimieren. Die Stadt kooperiert aktiv mit dem Sozialamt, dem Amt für Kinder, Jugend, Schule und Integration sowie dem Landschaftsverband Rheinland (LVR).

Zugleich ist Mülheim im interkommunalen Vergleich Spitzenreiter: Mit einer Dichte von HzE+-Empfängern von 2 % (zweithöchste in NRW) und den zweithöchsten Nettoausgaben pro Einwohner, zeigt sich die Stadt als Vorreiter im sozialen Bereich. Die Kosten für Eingliederungshilfe stiegen 2024 um 39,61 %, was auf eine gestiegene Inanspruchnahme und höhere Leistungsansprüche hindeutet.

Trotz dieser positiven Schritte gibt es kritische Punkte. Die Fallrevision 2025 zeigte, dass 135 Hilfen mit Auffälligkeiten geprüft wurden. Insbesondere bei der Hilfeplanung und der Kooperation mit Eltern wurden Defizite festgestellt. Die Softwareumstellung auf das SoPart-Modul für den Kommunalen Sozialen Dienst ist geplant für das erste Quartal 2027 und soll Prozesse optimieren.

Integration: Wohnraum, Mietverträge und Arbeitsmarkt

Die Integration von Geflüchteten ist ein weiteres zentrales Thema in Mülheims Sozialpolitik. Stand 31. März 2026 lebten 850 Geflüchtete in der Stadt. Davon befanden sich 473 (56 %) in städtischen Unterkünften, 377 (44 %) in dezentralen Wohnungen. Die Rechnerische Kapazität lag bei 1.865 Plätzen, wobei 180 „Fehlbeleger“ und 384 Ukrainer:innen, die einen Anspruch auf eigene Wohnung haben, besonders herausgestellt werden.

Die Stadt fördert den Übergang in reguläre Mietverträge, insbesondere im Projekt „Probewohnen“, das 30 Wohnungen für Übergangszeiten bereitstellt. Ziel ist es, Geflüchtete in den regulären Wohnungsmarkt zu integrieren, was auch die langfristige soziale Stabilität stärken soll. Insgesamt ist die Erfüllungsquote des Flüchtlingsaufnahmegesetzes bei 92,70 %, was auf eine aktive Beteiligung Mülheims hindeutet.

Gleichzeitig wird der Arbeitsmarkt für Geflüchtete und Asylbewerber:innen im Fokus der Sozialpolitik gehalten. Die Integrationsquote K2 lag im April 2026 bei 18,1 % – ein Höchststand innerhalb der letzten 25 Monate. Besonders Ukrainer:innen und Asylbewerber:innen aus außereuropäischen Ländern (27,3 % der ELB) profitieren von der Vermittlungsoffensive NRW.

Pflegepolitik: Altenversorgung, Palliative Care und digitale Transformation

Die Pflegepolitik in Mülheim ist geprägt von einem steigenden Bedarf an ambulanter und stationärer Versorgung. Die Zahl der Pflegebedürftigen stieg zwischen 2017 und 2023 von 7.155 auf 13.296 – ein Anstieg von 86 %. Ambulante Pflegeplätze sind zwar stärker gefragt als stationäre, dennoch bleibt das Gesamtsystem unter Druck. Fachkräftemangel, Finanzierung und die Digitalisierung der Pflege sind zentrale Themen.

Die Stadt fördert die Entwicklung von altengerechten Quartieren und unterstützt die Schaffung von barrierefreiem Wohnraum. Der Masterplan „altengerechte Quartiere.NRW“ ist ein zentrales Instrument, um die altersgerechte Versorgung zu sichern. Gleichzeitig wird Palliative Care stärker in den Fokus genommen. Mülheim verfügt über fünf Organisationen, die palliative und hospizliche Versorgung anbieten, darunter das Evangelische Hospiz gGmbH und das Ambulante Hospiz Mülheim e.V.

Die digitale Transformation der Pflege ist ein weiteres Schwerpunktthema. Die Einführung von digitaler Pflegedokumentation soll Arbeitsabläufe optimieren, ist aber oft durch unpassende Software und fehlende Finanzierung behindert. Die Stadt setzt auf praxisnahe Modellprojekte und IT-Fortbildungen, um Pflegekräfte zu entlasten.

Fazit: Mülheim als sozialer Vorreiter mit Zukunftsaufgaben

Mülheim an der Ruhr hat sich in den letzten Jahren als sozialer Vorreiter in NRW etabliert. Die Stadt investiert in Jugendhilfe, Integration und Pflege und setzt auf ambulante Lösungen, Prozessoptimierungen und interkommunales Benchmarking. Gleichzeitig stehen sie vor wachsenden Herausforderungen – insbesondere im Bereich der Finanzierung, der Fachkräftesicherung und der Digitalisierung.

Die Zukunftsaufgabe für Mülheim ist klar: Soziale Sicherheit muss trotz knapper Ressourcen gewährleistet werden. Das bedeutet, auch in der Politik Entscheidungen zu treffen, die langfristig tragfähig sind. Mülheim hat mit seiner aktiven Rolle im Sozialbereich gezeigt, dass es möglich ist – jetzt gilt es, diese Dynamik zu bewahren und weiterzuentwickeln.

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