Mülheim 2026: Demokratiebildung in der Schule und mehr Partizipation für Jugendliche
Im April 2026 setzt Mülheim an der Ruhr einen neuen Meilenstein in der Demokratiebildung und Jugendbeteiligung. Der Bildungsausschuss beschloss, dass Schüler*innen der Jahrgangsstufen 8 und 9 öffentliche Gremiensitzungen besuchen sollen. Gleichzeitig setzt das Jugendbezirksforum Impulse in der Partizipation. Ein Überblick über die Entwicklungen in Bildung und öffentliche Einrichtungen.
Demokratiebildung in der Schule: Praxiserfahrung als Schlüssel
Mülheim an der Ruhr hat im April 2026 eine wegweisende Entscheidung getroffen: Schüler*innen der Jahrgangsstufen 8 und 9 sollen in den schulinternen Lehrplänen des Faches Politik/Wirtschaft vorgesehen haben, dass sie öffentliche Sitzungen kommunaler Gremien besuchen. Ziel ist es, die demokratische Bildung praxisnah zu verankern und Jugendliche frühzeitig an politische Prozesse heranzuführen.
Die Idee hinter dieser Maßnahme ist klar: Lokale Politik ist für Jugendliche greifbarer, da sie Themen wie Schulwege, Spielplätze oder Verkehr betrifft. Zudem sind viele dieser Schüler*innen kurz vor dem Erreichen des Wahlalters – gerade für Kommunal- und Europawahlen. Der Besuch von Rats-, Bezirksvertretungs- oder Fachausschusssitzungen wird als Lernort für demokratische Verfahren beworben.
Die Verwaltung wird beauftragt, die Kosten für solche Besuche, etwa Fahrtkosten, zu prüfen und gegebenenfalls durch den Schulträger zu übernehmen. Zudem ist es Aufgabe der Bezirksbürgermeisterinnen, Schülerinnen aktiv zu solchen Sitzungen einzuladen. Ein Schritt, der nicht nur die Schule betreffen wird, sondern auch die Politik selbst. Der Beschluss wird an die Bezirksregierung Düsseldorf und das Ministerium für Schule und Bildung NRW weitergeleitet, um auf Landesebene Impulse zu setzen.
Jugendbeteiligung: Von der Theorie in die Praxis
Neben der schulischen Demokratiebildung setzt Mülheim auch auf partizipative Formate. Das Jugendbezirksforum ist ein etabliertes Beteiligungsformat, das regelmäßig in allen drei Stadtbezirken stattfindet. In diesen Foren können Jugendliche Themen wie Innenstadtentwicklung, ÖPNV, Schulausstattung, Sicherheit oder digitale Infrastruktur diskutieren und direkt mit Politik und Verwaltung ins Gespräch kommen.
Im April 2026 war das Jugendbezirksforum erneut ein zentraler Diskussionsort. Jugendliche aus Realschule Broich, Gymnasium Broich und Gesamtschule Saarn beteiligten sich an der Diskussion. Wiederkehrende Themen waren digitale Schulausstattung, WLAN-Strukturen, Grünflächen und Polizeipräsenz. Die Veranstaltungen dienen nicht nur der Beteiligung, sondern auch der Information und Orientierung. Die eingebrachten Anliegen fließen in Planungen des Kinder- und Jugendförderplans ein.
Zugleich wird deutlich, dass die Nachfrage nach Transparenz und Nachverfolgbarkeit der eingebrachten Themen wächst. Jugendliche wünschen sich mehr Rückmeldung – ein Aspekt, der in Zukunft bei der Weiterentwicklung des Forums berücksichtigt werden muss. Die Verantwortung für die Bearbeitung liegt bei einer Gemeinschaft aus Jugendorganisationen, Politik und Verwaltung. Um die Beteiligungsmöglichkeiten zu stärken, sind konkrete Anknüpfungspunkte für Projekte und Maßnahmen erforderlich.
Ausbau der Schulausbildung: Anmeldungen, Kapazitäten und digitale Infrastruktur
Die Schulausbildungssituation in Mülheim bleibt spannend. Für das Schuljahr 2026/2027 sind deutlich mehr Anmeldungen als Kapazitäten vorhanden. So müssen an Gymnasien und Realschulen insgesamt rund 100 Schüler*innen abgelehnt werden. Die Bezirksregierung Düsseldorf hat genehmigt, an bestimmten Schulen Mehrklassen zu bilden – eine Notwendigkeit, um dem Anstieg der Schülerzahlen nachzukommen.
Die Stadt plant zudem den Ausbau der OGS (Offener Ganztag) für Kinder der 3. und 4. Klassen. Hier ist der Rechtsanspruch auf Betreuung ein zentrales Thema. Die Stadt prüft, wie die Betreuungsplätze gesichert werden können, insbesondere vor dem Hintergrund von möglichen Verlusten beim Übergang in die 4. Klasse. Gleichzeitig wird der Ausbau digitaler Infrastruktur an Schulen vorangetrieben. Stabile WLAN-Strukturen und moderne Lernräume sind fester Bestandteil der Bildungspolitik.
Luftfilter und Nachtspeicherheizungen: Hintergrundfragen zur Schulausstattung
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Schulausstattung. Die Installation von 650 Luftfilteranlagen an 26 Schulen hat die Luftqualität deutlich verbessert. Allerdings hat die AfD-Fraktion in Mülheim kritisch nachgefragt: Wie werden die Filter genutzt? Werden sie nach wie vor betrieben? Wie hoch sind die Wartungskosten?
Auch die Nachtspeicherheizungen in 15 weiteren Schulen bleiben ein Thema. Die AfD fragte nach Ausfällen, Austauschplänen und Kosten. Hier zeigt sich, dass die Schulausstattung nicht nur über die sichtbaren Maßnahmen wie digitale Infrastruktur oder Ganztagsschulen definiert ist, sondern auch über die unsichtbaren Strukturen wie Heizung und Lüftung.
Fazit: Mülheim als Modellstadt für Demokratiebildung und Jugendbeteiligung?
Mülheim an der Ruhr setzt in der Bildungspolitik Impulse, die über die reinen Unterrichtsinhalte hinausgehen. Mit der Einbindung von Jugendlichen in kommunale Gremien und dem Jugendbezirksforum wird nicht nur Demokratie vermittelt, sondern auch aktiv gelebt. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Schulsituation angesichts steigender Anmeldungen und struktureller Herausforderungen sorgfältig geplant werden muss.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob diese Maßnahmen dazu beitragen, das politische Interesse der Jugendlichen nachhaltig zu stärken – und ob Mülheim als Modellstadt für Demokratiebildung und Beteiligung dienen kann.
Quellen
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