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Bürger:innenbeteiligung in Moers – Wie Partizipation Gestaltungskraft wird

Culture and Community 📍 Moers · Nordrhein-Westfalen
Bürger:innenbeteiligung in Moers – Wie Partizipation Gestaltungskraft wird

In Moers wird die Bürger:innenbeteiligung neu gedacht – mit Pilotprojekten, Beteiligungsportalen und MitMach-Coaches. Ein Überblick über die Initiativen im März 2026.

Bürger:innenbeteiligung in Moers – Wie Partizipation Gestaltungskraft wird

Die Stadt Moers hat im März 2026 einen entscheidenden Schritt in Richtung einer veränderten Beteiligungspraxis vollzogen. Mit einer Vielzahl an Initiativen, Projekten und Reformvorschlägen wird hier versucht, die Bürger:innen nicht nur als Zuschauer:innen, sondern als Akteur:innen der Stadtpolitik zu integrieren. Gleichzeitig bleibt Moers dabei ein starker Fokus auf Kultur und Gemeinschaft, was sich in Veranstaltungen, Ausstellungen und der Entwicklung von demokratischen Strukturen widerspiegelt.

Bürger:innenbeteiligung als demokratisches Instrument

In Moers wird die Bürger:innenbeteiligung nicht nur als Form der Meinungsbildung verstanden, sondern als zentrales demokratisches Instrument. Ziel ist es, die gesellschaftliche Nähe zu den Bürger:innen zu stärken und Akzeptanz für städtische Vorhaben zu schaffen. Die Stadt verfolgt dabei einen inklusiven Ansatz: Jede Altersgruppe, jede Bevölkerungsgruppe soll in den Prozess eingebunden werden – und zwar auf Augenhöhe.

Ein zentrales Instrument ist der Bürger:innenrat „Beteiligung gemeinsam gestalten“, der im März 2026 in seiner Evaluationsphase ist. Mit 46 Teilnehmenden, ausgewählt aus 1.500 zufällig erfassten Bewerbern:innen, hat sich eine breite Querschnittsrepräsentation der Bevölkerung etabliert. Die Evaluation durch das nexus Institut und die Bergische Universität Wuppertal hat gezeigt, dass Beteiligung nicht nur Zufriedenheit schafft, sondern auch politische Wirkung – zumindest in Ansätzen.

Beteiligungsstrategie – von MiMaCo’s bis BePo

Die Stadt Moers hat eine umfassende Beteiligungsstrategie entwickelt, die strukturell unterstützt wird durch mehrere innovative Instrumente:

  • MitMach-Coaches (MiMaCo’s): Freiwillige Bürger:innen, die andere Einwohner:innen aktivieren, werden an die Fachstelle Demokratie angegliedert. Sie sollen als Prozessbegleiter:innen, Informant:innen oder Aktivist:innen agieren. Die Finanzierung erfolgt über das Bundesprogramm „Demokratie leben“. Rechtliche Rahmenbedingungen müssen noch geklärt werden.

  • Beteiligungsportal (BePo): Ein digitales Portal, das als zentraler Anlaufpunkt für Beteiligung dienen soll. Es bietet Funktionen wie Veranstaltungsübersicht, themenbasierte Suche und graphische Kartendarstellung. In Kooperation mit der Schule wird sogar ein Maskottchen für das Portal entwickelt.

  • Jugendbeteiligung durch Zukunftshaushalt: Mit einem Pilotprojekt soll Jugendliche Partizipation gefördert werden. Der Zukunftshaushalt mit einem Budget von 200.000 Euro wird in den Schulen durchgeführt, mit einem Wahlsystem, das ab der 4. Klasse ermöglicht. Vorbild ist der Zukunftshaushalt aus Werder (Havel).

  • Bürgerbudget und Interessengemeinschaften: Die Stadt plant, ein Bürgerbudget einzuführen und Interessengemeinschaften zu fördern. Ein neuer Verein, „Wir für Moers – Wir für uns“, ist bereits dabei, sich als zentraler Akteur zu etablieren.

Kultur als Bindeglied – von Ausstellungen bis Festivals

Neben strukturellen Reformen im Bereich Bürger:innenbeteiligung hat Moers auch weiterhin ein starkes kulturelles Angebot. Das Grafschafter Museum bleibt eine zentrale Institution, die sich sowohl mit der regionalen Geschichte als auch mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzt. Die Ausstellung zu Hanns Kralik, dem Kommunisten und Widerstandskämpfer, ist hier ein Beispiel für politisch engagierte Kulturarbeit.

Im März 2026 standen auch kulturelle Großveranstaltungen im Fokus: das moers festival kehrte mit dem Motto „Wie im Märchen“ in die Stadt und den Park zurück. Zudem fand das Tag der Druckkunst im Grafschafter Museum statt – mit freiem Eintritt und Workshops für Kinder und Erwachsene. Diese Veranstaltungen zeigen, dass Kultur in Moers nicht nur als Unterhaltung fungiert, sondern auch als zentraler Teil der demokratischen Partizipation und Bildungsarbeit.

Was bleibt – und was kommt?

Die Beteiligungsstrategie Moers ist ein langer Prozess, der nicht nur strukturell, sondern auch kulturell verankert werden muss. Die Stadt hat hier bereits viel Courage gezeigt – mit Pilotprojekten, neuen Beteiligungsformen und einer klaren Botschaft: Die Bürger:innen sind nicht nur Nutzer:innen der Stadt, sondern Gestalter:innen.

Was bleibt, ist die Frage, ob diese Beteiligungsinitiativen langfristig verankert werden können – und ob sie nicht nur als „Alibi-Veranstaltungen“ wahrgenommen werden. Die Evaluation des Bürger:innenrates hat gezeigt, dass viele Teilnehmende sich ernst genommen fühlen, aber auch Skepsis besteht. Die Politik muss hier nachlegen – mit Transparenz, Nachhaltigkeit und vor allem: mit Ergebnissen.

Moers zeigt mit diesen Initiativen, dass Bürger:innenbeteiligung nicht nur möglich ist – sie kann auch Gestaltungskraft entfalten. Und das ist nicht nur für Moers wichtig – es ist ein Vorbild für andere Städte, die sich auf den Weg machen, Demokratie neu zu denken.

Quellen

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