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Hertens Finanzpolitik 2026: Zwischen Überschuldungsprognosen und erneuerbaren Investitionen

Finance and Budget Economic Development 📍 Herten · Nordrhein-Westfalen
Hertens Finanzpolitik 2026: Zwischen Überschuldungsprognosen und erneuerbaren Investitionen

In der Februar-Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses 2026 standen die Haushaltslage Hertens, Risiken durch Überschuldung und Investitionen in erneuerbare Energien im Fokus. Der Blog analysiert die finanziellen Herausforderungen und strategischen Entscheidungen der Stadt.

Die Finanzpolitik Hertens im Fokus: Überschuldung, Liquidität und Investitionen

Im Jahr 2026 steht Herten vor einer entscheidenden finanziellen Kreuzung. Die Stadt hat im Jahr 2025 einen Jahresfehlbetrag von –12,70 Mio. € verbucht und prognostiziert eine bilanzielle Überschuldung von –21,37 Mio. €. Gleichzeitig setzt Herten auf Investitionen in erneuerbare Energien – unter anderem durch Beteiligungen an Trianel-Projekten und Kooperationen mit der Hertener Energiehandelsgesellschaft mbH (HEH). Der Blog analysiert die Haushaltslage, die Risiken durch Überschuldung sowie die strategischen Investitionen in der Energiezukunft.

Die Haushaltslage Hertens: Defizit, Einnahmen und Ausgaben

Der Haushalt 2025 zeigt deutliche Defizite. Mit 254,65 Mio. € an Einnahmen und 263,97 Mio. € an Ausgaben betrug der Aufwandsdeckungsgrad 96,47 %. Obwohl die Gewerbesteuer um 4 Mio. € über dem Plan lag, blieb am Ende ein Jahresfehlbetrag von 12,70 Mio. €.

Die Einnahmenentwicklung war in mehreren Bereichen positiv: Steuereinnahmen lagen um 1 Mio. € über Plan, und die Kindergärten profitierten von höheren Landesmitteln (1,175 Mio. € Mehreinnahmen). Allerdings gab es auch Mindererträge in Bereichen wie Ordnungsamt, Kulturbüro und Sozialamt, die die Haushaltslage zusätzlich belasteten.

Die Personalaufwendungen lagen um 425.392 € unter Plan, was auf Sparmaßnahmen oder Personalabbau hindeutet. Gleichzeitig stiegen die Versorgungsaufwendungen um 272.813 €, was auf steigende Alterskosten oder Rentenlasten zurückzuführen sein könnte.

Energieinvestitionen: Risiken und Chancen

Herten setzt auf erneuerbare Energien – nicht nur als Vision, sondern konkret durch Beteiligungen an Projekten wie dem Trianel Wasserstoffkraftwerk Hamm. Die Hertener Energiehandelsgesellschaft mbH (HEH) ist hier direkt und mittelbar beteiligt. So leistet die HEH eine Kapitaleinlage von bis zu 45.000 € an der Trianel Wasserstoffkraftwerk Hamm GmbH & Co. KG (TWH), und trägt Sicherheiten bis zu 1,35 Mio. €.

Zudem ist die HEH an der Stadtwerke EVB Huntetal Energiewende 2 GmbH (SWH EW) beteiligt. Die Beteiligung ist in mehreren Schritten geplant: Die HEH erwirbt mittelbar 50 % der Anteile an dieser Gesellschaft für 12,5 T€. Die Energiehandelsgesellschaft West mbH investiert bis zu 775 T€ in das Projekt (mittelbarer Anteil der HEH: 42,7 T€). Die Gesamtinvestitionssumme beträgt voraussichtlich 4,5 Mio. €, davon 2,3 Mio. € durch Eigenkapital und Gesellschafterdarlehen.

Die Investitionen sind nicht ohne Risiko. Sie unterliegen strengen rechtlichen Vorgaben – Kreditnahmen über 100.000 € und Investitionsplanänderungen um mehr als 10 % bedürfen der Zustimmung der Gesellschafterversammlung. Zudem hängt die Rendite stark von Marktabhängigkeiten und Regulierungen ab.

Fördermittel und Finanzmanagement: Chancen und Herausforderungen

Ein weiterer Schwerpunkt der Hertener Finanzpolitik ist das zentrale Fördermittelmanagement. Bis Ende Februar 2026 werden 183 Maßnahmen erfasst, davon 68 in Umsetzung. Die zuwendungsfähigen Ausgaben betragen 55,825 Mio. €, und die abgerufenen Mittel summieren sich bereits auf 11,877 Mio. €.

Diese Fördermittel sind entscheidend, um Haushaltslücken zu schließen. Sie ermöglichen Investitionen in Bildung, Soziales und Infrastruktur, die ansonsten aus der kommunalen Kasse finanziert werden müssten. Dennoch bleibt die Finanzierung über Drittmittel mit Unsicherheiten verbunden – Förderbedingungen ändern sich, und nicht alle Projekte erreichen die geförderten Ziele.

Fazit: Auf dem Weg in eine unsichere, aber klimafreundliche Zukunft

Herten steht im Jahr 2026 vor einer finanziell angespannten Lage, die durch ein Defizit von 12,70 Mio. € und eine bilanzielle Überschuldung von 21,37 Mio. € gekennzeichnet ist. Gleichzeitig setzt die Stadt auf Investitionen in erneuerbare Energien, die langfristig zur Stabilisierung der Finanzlage beitragen könnten – vorausgesetzt, sie sind erfolgreich und profitabel.

Die Beteiligungen an Trianel und SWH EW zeigen, dass Herten bereit ist, Risiken einzugehen, um in die Energiezukunft zu investieren. Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit von Fördermitteln bestehen, was die Planungssicherheit beeinträchtigen kann.

In den kommenden Monaten wird es entscheidend sein, Haushaltsdefizite zu verringern, Fördermittel optimal zu nutzen und Investitionen in der Energiebranche strategisch zu steuern. Nur so kann Herten auf dem Weg in eine finanzlich stabile und klimafreundliche Zukunft bestehen bleiben.

Quellen

Sitzung

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