Hagen im Haushaltsengpass: Konsolidierung, Defizite und die Zukunft des Stadthaushalts
Im März 2026 steht die Stadt Hagen vor einem entscheidenden Moment in ihrer Haushaltsplanung. Der Doppelhaushalt 2026/2027 wird diskutiert, während die Defizite und die Konsolidierung im Vordergrund stehen. Wie kann die Stadt sich langfristig finanzieren, und welche Maßnahmen sind notwendig?
Haushaltsengpass und die Suche nach Ausgleich in Hagen
Die Stadt Hagen befindet sich seit mehreren Jahren in einer angespannten finanziellen Lage. Strukturelle Haushaltsdefizite und eine Überschuldung, die sich seit 2013 abzeichnet, zwingen die Verwaltung und den Rat, sich intensiv mit der Konsolidierung auseinanderzusetzen. Im März 2026 standen daher die Planung des Doppelhaushalts 2026/2027 sowie die Auswirkungen der Haushaltskonsolidierung im Fokus der öffentlichen Debatte.
Defizite in Millionenhöhe und Konsolidierungsdruck
Der Haushaltsplanentwurf für 2026/2027 zeigt klare Defizite: In 2026 beträgt das Defizit 91,66 Mio. €, in 2027 sogar 107,60 Mio. €. Die Ursachen liegen in steigenden Personalkosten, Inflation, Tarifabschlüssen und den wegfallenden coronabedingten Bilanzierungshilfen. Zudem belasten hohe Zinsen den Haushalt.
Um diese Defizite abzubauen, ist ein Konsolidierungsvolumen von 19,966 Mio. € für 2026 geplant. Davon entfallen 12,966 Mio. € auf Sachkosteneinsparungen und 7 Mio. € auf Personalkosteneinsparungen. Diese Maßnahmen sind Teil des Haushaltssicherungskonzepts (HSK), das aufgrund der strukturellen Defizite gemäß § 76 GO NRW erforderlich ist.
Die ursprünglich für 2031 geplante Haushaltsausgleichsstrategie wurde auf 2034 verschoben, was zeigt, wie schwerwiegend die finanzielle Situation ist.
Altschuldenentlastung als Hoffnungsschimmer
Ein zentraler Meilenstein für Hagen ist die Altschuldenentlastung durch das ASEG NRW in Höhe von 543 Mio. € im Jahr 2026. Dieser Betrag reduziert die Liquiditätskredite und verschafft der Stadt gewisse Atemluft. Allerdings ist das nur ein Teil der Lösung – die strukturellen Probleme bleiben bestehen.
Zusätzlich fließen Zuwendungen und Umlagen in Höhe von 394,881 Mio. € in den Haushalt. Diese Mittel stammen unter anderem aus EU-Förderungen, Landesprogrammen und Drittmitteln, wobei die Stadt auch in diesem Bereich auf Sparmaßnahmen angewiesen ist.
Investitionen und Digitalisierung: Kosten statt Erträge
Im Jahr 2026 sind Investitionen in Höhe von 11,3 Mio. € geplant. Die Schwerpunkte liegen auf dem WLAN-Ausbau, der Digitalisierung, der IT-Sicherheit und der Ausstattung von Schulen. Allerdings bleibt der Saldo aller Investitionen negativ, was zeigt, dass Investitionen zurzeit nicht zur Ertragssteigerung beitragen, sondern zusätzliche Belastungen darstellen.
Die Digitalisierungsmaßnahmen, insbesondere im Bereich der Verwaltung, kosten mehr als sie einbringen, was in der laufenden Verwaltungstätigkeit deutlich wird. Die Kosten für IT-Sicherheit, Datenschutz und Prüfungen bleiben weiterhin auf hohem Niveau.
Personalkosten steigen – Sparzwang bleibt
Die Personalkosten sind ein weiteres wichtiges Thema. Sie steigen von 228,985 Mio. € (2024) auf 271,606 Mio. € (2030). Dieser Anstieg wird durch Tarifabschlüsse und den Personalbestand von über 3.800 Beschäftigten begründet. Gleichzeitig sind Struktursparmaßnahmen notwendig, weshalb die Stadt ab 2026 gezielte Personalkosteneinsparungen vornimmt.
Zudem wird der Personalbestand bis 2030 weiter wachsen, was die langfristigen Finanzierungspläne zusätzlich belastet. Die Stadt muss hier zwischen Qualität der Dienstleistungen und finanzieller Nachhaltigkeit abwägen.
Zukunftsaussichten: Konsolidierung bis 2034
Die Stadt Hagen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2034 wieder einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Die Konsolidierungsmaßnahmen müssen daher kontinuierlich fortgeführt werden. Zwar wird der Haushaltsausgleich später als geplant erreicht, aber die Weichen sind gestellt.
Die Stadt setzt dabei auf Sparmaßnahmen in Bereichen wie Verwaltung, IT und Brand- und Katastrophenschutz. Gleichzeitig werden Projekte reduziert oder gestrichen, beispielsweise bei Zuschüssen oder Honorarkosten.
Fazit
Die Haushaltslage in Hagen bleibt angespannt. Die Defizite in Millionenhöhe, steigende Personalkosten und der Sparzwang machen deutlich, dass die Stadt sich in einer Übergangsphase befindet. Die Altschuldenentlastung durch NRW bietet zwar kurzfristige Entlastung, doch langfristig ist eine nachhaltige Konsolidierung erforderlich. Mit der Verabschiedung des Doppelhaushalts 2026/2027 und der Ausrichtung bis 2034 wird Hagen in den nächsten Jahren entscheidend unter Beweis stellen müssen, ob die Finanzplanung tragfähig genug ist, um die Stadt in eine stabile Zukunft zu führen.
Quellen
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