Oldenburger Kulturpolitik im April 2026: Digitaler Erhalt, Gedenken an NS-Verbrechen und neue kulturelle Impulse
Im April 2026 setzte Oldenburg mehrere Schwerpunkte in der Kulturpolitik: Digitalisierung historischer Bestände, Aufarbeitung von NS-Verbrechen und die Förderung neuer kultureller Formate. Ein Überblick.
Kulturpolitik in Oldenburg: Digitalisierung, Gedenken und kreative Impulse im April 2026
Im April 2026 standen in Oldenburg mehrere kulturpolitische Projekte und Entscheidungen im Mittelpunkt – von der Digitalisierung historischer Fotografien über die Aufarbeitung von NS-Verbrechen bis hin zur Förderung der Nachtkultur. Der Kulturausschuss tagte am 21. April und setzte dabei Impulse, die sowohl die Erinnerungskultur als auch die kreative Zukunft der Stadt betreffen.
Erhalt und Digitalisierung historischer Medienbestände
Der Verein Werkstattfilm erhielt im April 2026 einen Zuschuss von 35.000 Euro aus Mitteln der Kulturförderung der Stadt Oldenburg. Dieser Betrag dient der Digitalisierung und Aufarbeitung eines umfassenden Archivs, das seit über 30 Jahren Fotos, Dias, Negative und Filme aus Oldenburg sammelt. Die Bestände umfassen zehntausende Einzelstücke, darunter auch historisch wertvolle Glasnegative und 8 mm- sowie 16 mm-Filme.
Die Digitalisierung ist notwendig, da die Bestände in den letzten Jahren durch Schenkungen und Erbschaften stark angewachsen sind. Die ehrenamtliche Arbeit des Vereins reicht nicht mehr aus, um die Materialien aufzubereiten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die digitalisierten Bestände sollen künftig über das Oldenburger Medienarchiv zugänglich sein – eine zentrale Stelle für die Erhaltung und Verbreitung kulturellen Erbes.
Der Verein hat bereits Archive von Oldenburger Berufsfotografen und Privatpersonen übernommen und stellt die Materialien über Ausstellungen, Bücher und DVDs der Öffentlichkeit zur Verfügung. Die Arbeit des Vereins ist ein wertvolles Stück kultureller Nachhaltigkeit in Oldenburg.
Aufarbeitung von NS-Endphaseverbrechen in Oldenburg
Ein weiterer Schwerpunkt des Kulturausschusses war ein Beschlussantrag zur Aufarbeitung von NS-Endphaseverbrechen in Oldenburg. Im April 1945 wurden mindestens vier Soldaten in der Stadt als Deserteure erschossen und aufgehängt. Diese Morde stehen im Kontext von Sonderstandgerichten, die in der NS-Zeit zur Bekämpfung von Auflösungserscheinungen eingesetzt wurden.
Die Verwaltung wurde beauftragt, ein historisches Gutachten in Auftrag zu geben, das die Ereignisse aufarbeitet, Opfer identifiziert und eine Grundlage für ein würdiges Gedenken schafft. Die Ereignisse sind in historischen Quellen, Entnazifizierungsverfahren und Tagebüchern dokumentiert. In einer 2015 erschienenen Publikation hat Hans-Peter Klausch die Verbrechen in der NS-Zeit in Oldenburg bereits detailliert zusammengefasst.
Die Aufarbeitung dieser Vorfälle ist ein Schritt zur Erinnerungskultur und zur Aufarbeitung von dunklen Kapiteln der Stadtgeschichte. Sie zeigt, dass Oldenburg nicht nur kulturell aktiv bleibt, sondern auch historisch reflektiert und verantwortungsbewusst handelt.
Neue kulturelle Formate: Nachtkultur, Kreativbau und öffentliche Kunst
Neben der Arbeit mit historischen Beständen und der Erinnerungskultur setzte Oldenburg auch neue kulturelle Akzente. So wurde das Projekt Nachtkultur im März 2026 gestartet und setzt sich für eine sichere, kreative und vernetzte Nachtkultur ein. Ziel ist es, die Clubkultur als Teil der kulturellen Vielfalt zu fördern und gleichzeitig Sicherheit und Prävention im öffentlichen Raum zu stärken.
Im Rahmen des Projekts fanden bereits zwei Nachtkultur-Labs statt, und eine Online-Umfrage läuft, um die Bedürfnisse der Nachtkultur-Szene zu erfassen. Eine Ansprechperson in der Stadtverwaltung wurde benannt, um die Themen in den Alltag zu integrieren.
Zudem wird der Kreativbau am Schützenweg 34 vom Verein The White Rabbit e.V. weitergeführt. Der 2.400 Quadratmeter große Raum dient als Kreativzentrum für Künstler:innenkollektive und Bands. Im April 2026 wurde ein Bericht über den aktuellen Stand vorbereitet, der im Kulturausschuss vorgestellt wurde. Zudem wurden 7.330 Euro Zuschuss vom Kulturbüro gewährt, um die Arbeit des Vereins zu unterstützen.
Ein weiteres Highlight war die temporäre Ausstellung der Künstlerin Insa Winkler, die im Sommer 2026 stattfinden wird. Mit dem Titel „Alphabet Mensch – Reflexion des Anthropozän“ zeigt Winkler sieben lebensgroße Figuren aus recyceltem Baustahl an verschiedenen Standorten in der Stadt. Die Ausstellung wird von einem Begleitprogramm begleitet, das Workshops und öffentliche Führungen umfasst. Die Finanzierung erfolgt aus dem Teilhaushalt 06 im Haushaltsjahr 2025.
Ausblick: Wie sich Oldenburg kulturell weiterentwickelt
Der April 2026 hat gezeigt, dass Oldenburg nicht nur auf kulturelle Innovation setzt, sondern auch auf Erinnerungskultur, Erhaltung und Nachhaltigkeit. Die Digitalisierung historischer Bestände, die Aufarbeitung von NS-Verbrechen und die Förderung neuer kultureller Formate wie die Nachtkultur oder temporäre Ausstellungen machen deutlich, wie vielseitig und zukunftsorientiert die Kulturpolitik in Oldenburg ist.
Die Stadt beweist, dass sie nicht nur kulturell aktiv ist, sondern auch sozial verantwortlich und historisch reflektiert handelt. Mit Projekten wie dem Kreativbau, der Nachtkultur oder der Werkstattfilm-Digitalisierung wird Oldenburg auch in Zukunft ein kulturell lebendiger und vielfältiger Ort bleiben.
Quellen
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