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Nordhorn setzt auf nachhaltige Energieplanung und Infrastruktur

Energy and Utilities Economic Development 📍 Nordhorn · Niedersachsen
Nordhorn setzt auf nachhaltige Energieplanung und Infrastruktur

Im März 2026 beschloss die Stadt Nordhorn entscheidende Maßnahmen im Bereich Energie und Infrastruktur. Der kommunale Wärmeplan, der Wohnungsbauturbo und die Sicherung von Gewerbegebieten markieren einen klaren Kurs in Richtung Klimaneutralität und Wirtschaftsförderung.

Nordhorn und die Transformation der Energie- und Infrastrukturpolitik

In Nordhorn hat sich der März 2026 als ein entscheidender Monat in der kommunalen Energiepolitik erwiesen. Mit der Zustimmung zum kommunalen Wärmeplan, der Einführung des Wohnungsbauturbos und der Sicherung von Gewerbegebieten hat die Stadt einen klaren Kurs in Richtung Klimaneutralität und nachhaltiger Stadtentwicklung eingeschlagen. Diese Entscheidungen sind nicht nur aufgrund der gesetzlichen Vorgaben erforderlich, sondern auch ein Schritt in Richtung langfristiger Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität.

Kommunaler Wärmeplan: Grundstein für klimafreundliche Heizung

Die einstimmige Zustimmung zum kommunalen Wärmeplan (mit zwei Gegenstimmen) ist ein Meilenstein in Nordhorns Klimaschutzstrategie. Gemäß § 20 des Niedersächsischen Klimagesetzes war die Stadt bis Ende 2026 verpflichtet, einen solchen Plan zu erstellen. Der Wärmeplan enthält eine umfassende Bestandsanalyse, eine Potenzialanalyse, ein Zielszenario und eine Transformationsstrategie bis 2045.

Zu den zentralen Maßnahmen zählen die Nutzung von Flusswärme, zentrale Wärmepumpensysteme, die Abwasserwärmenutzung an der Kläranlage sowie die Entwicklung eines digitalen Zwillings für die Wärmeplanung. Die Umsetzung ist innerhalb von fünf Jahren nach Veröffentlichung geplant, und der Plan wird alle fünf Jahre fortgeschrieben.

Diese Maßnahmen sind nicht nur ein Schritt zur CO₂-Reduzierung, sondern auch ein Signal für Investoren und Bürger, dass Nordhorn auf nachhaltige Lösungen setzt.

Wohnungsbauturbo: Beschleunigung mit Vorsicht

Der Rat hat beschlossen, den Wohnungsbauturbo gemäß § 246e BauGB anzuwenden – mit einer klaren Einschränkung: Er gilt nicht in Bereichen mit bestehenden Bebauungsplänen, wie beispielsweise Döppersweg oder Holzstraße. Das Instrument ermöglicht es, bei fehlender Zustimmung von Nachbarn innerhalb von drei Monaten den Bau genehmigt zu bekommen, was die Planungsunsicherheit reduziert.

Gleichzeitig bleibt die Stadt vorsichtig: bei Vorhaben, die Nachbargrundstücke betreffen, ist eine Öffentlichkeitsbeteiligung notwendig. Die ersten Projekte, die von diesem Instrument profitieren könnten, sind der Wohnungsneubau in der Wilhelm-Raabe-Straße, dem Kanalweg und der Goorstiege.

Der Wohnungsbauturbo ist ein Instrument, um den Wohnungsmangel zu bekämpfen – allerdings nicht ohne Risiko für die Nachbarschaftsbeziehungen. Nordhorn zeigt mit dieser Entscheidung, dass sie die Balance zwischen Tempo und Partizipation bewusst gestaltet.

Vorkaufssatzung für Gewerbegebiet: Sicherung gegen Spekulation

Ein weiterer entscheidender Schritt ist die Zustimmung zur Vorkaufssatzung für das Gewerbegebiet „Östlich Wietmarscher Straße“. Das Gebiet zwischen Wietmarscher Straße, Lingener Straße und Nordumgehung wird künftig durch ein Vorkaufsrecht geschützt, das der Stadt erlaubt, in Kaufverträge einzutreten. Dieses Instrument ist insbesondere gegen Spekulation gerichtet und soll die städtebauliche Entwicklung sichern.

Die Satzung wurde einstimmig am 12. März 2026 beschlossen. Ausgenommen von der Vorkaufsregelung sind Familienverkäufe. Dadurch wird ein fairer Umgang mit privaten Immobilien sichergestellt, während gleichzeitig die städtische Handlungsfähigkeit gestärkt wird.

Energiepotenziale: Nordhorn als Modellstadt für Wärmepumpen

Die Stadt Nordhorn hat sich mit einer Vielzahl an Energiepotenzialen auseinandergesetzt, die in den letzten Jahren aufgearbeitet wurden. Die Analysen zeigen, dass Wärmepumpen zentraler Bestandteil der zukünftigen Wärmeversorgung sein werden. Allein durch den Einsatz von Wärmepumpen wird der Stromverbrauch in Nordhorn um etwa 123,2 GWh im Jahr steigen – eine Herausforderung, die durch den Ausbau der Strominfrastruktur gemeistert werden muss.

Zusätzlich zur Wärmepumpentechnologie hat Nordhorn auch geothermische und flussbasierte Wärmenutzung in den Fokus genommen. Die Vechte und der Ems-Vechte-Kanal bieten hier wertvolle Ressourcen, die in Kombination mit digitalen Planungsinstrumenten wie dem digitalen Zwilling optimal genutzt werden können.

Die Stadt plant, bis 2030 Wärmenetze in den Gebieten „Am Strampel“ und „Schulzentrum“ sowie bis 2035 in der Innenstadt und im Umfeld der Kläranlage zu realisieren. Diese Netze sollen hauptsächlich durch Wärmepumpen mit Wasser-Wasser-Technik betrieben werden, wodurch eine CO₂-Reduzierung im Vergleich zum Erdgasverbrauch um über 800 Tonnen pro Jahr möglich ist.

Voraussetzungen für die Zukunft: Stromnetz und Sanierungsrate

Nordhorn hat auch im Bereich Stromversorgung konkrete Schritte unternommen. Mit einer Sanierungsrate von 1 % pro Jahr ist es möglich, den Wärmeverbrauch bis 2040 um 12,8 % zu reduzieren. Gleichzeitig wird der Strombedarf durch Wärmepumpen und E-Mobilität steigen, weshalb der Rat empfiehlt, einen Stromnetzcheck durchzuführen.

Die Förderung durch BAFA und KfW spielt hier eine entscheidende Rolle. Bis zu 70 % der Kosten für Heizungswechsel können gefördert werden, was die Investitionskosten für Bürger und Unternehmen deutlich reduziert. Investitionen in Wärmenetze sind mit spezifischen Kosten von 20,2 ct/kWh verbunden, wobei Wartungskosten bei 1,5 % der Investition liegen.

Fazit: Nordhorn als Vorreiter in der Energie- und Infrastrukturpolitik

Die Entscheidungen des März 2026 zeigen, dass Nordhorn sich aktiv in der Transformation des Energie- und Infrastruktursektors bewegt. Mit dem kommunalen Wärmeplan, dem Wohnungsbauturbo und der Sicherung von Gewerbegebieten hat die Stadt einen klaren Kurs gesetzt, der sowohl Klimaschutz als auch Wirtschaftsförderung verbindet.

Die Stadt verfolgt dabei nicht nur gesetzliche Vorgaben, sondern setzt bewusst auf Innovation und Nachhaltigkeit. Mit den geplanten Wärmenetzen, der Förderung erneuerbarer Energien und der Sicherung der Infrastruktur positioniert Nordhorn sich als Modellstadt für eine klimafreundliche und lebenswerte Zukunft.

Quellen

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