Hannover investiert stark in Klimaschutz: Kleingärten als Schlüssel zur urbanen Klimaanpassung
Im April 2026 stellte Hannover ein ambitioniertes Konzept für Klimaschutz und Grünflächenentwicklung vor. Im Fokus steht dabei die Rolle von Kleingärten als multifunktionale Räume zur Klimaanpassung, Biodiversitätsförderung und Retentionsflächen.
Kleingärten als Klima- und Biodiversitäts-Bausteine in Hannover
Die Stadt Hannover hat sich im April 2026 mit einem umfassenden Konzept zur Klimaanpassung und Grünflächenentwicklung auseinandergesetzt, das im Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Grünflächen (AAUG) diskutiert wurde. Ein zentraler Fokus lag dabei auf der Bedeutung von Kleingärten als multifunktionale Räume, die nicht nur zur Sozialen Integration beitragen, sondern auch eine entscheidende Rolle im Klimaschutz spielen.
Kleingärten als Klimaschutz- und Retentionsflächen
Kleingärten sind in Hannover nicht nur Erholungs- und Ernteorte, sondern auch leistungsstarke Klimaschutz-Elemente. Sie tragen zur Kühlung der Stadt bei, insbesondere in der Nacht, und wirken als Kaltluftentstehungsgebiete. Zudem spielen sie eine Rolle bei der Reduzierung von Hitzeinseln, der Bodenentwässerung und der Bodenkohlenstoffspeicherung. Durch den hohen Anteil an Grünflächen und natürlichen Materialien speichern Hortisole – die typischen Kleingartenböden – über 86.000 Tonnen organischer Kohlenstoff, was einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz darstellt.
Mit dem Kleingartenentwicklungskonzept 2026+ (KEK26+) hat die Stadt ein Programm verabschiedet, das die Nachverdichtung, ökologische Aufwertung und Reduzierung der Versiegelung von Kleingartenflächen fördert. Ziel ist es, diese Flächen langfristig zu sichern und gleichzeitig zur städtischen Klimaanpassung beizutragen.
Flächenkonflikt mit dem Wohnungsbaubedarf
Ein zentraler Spannpunkt in der Diskussion war der Flächenkonflikt zwischen Kleingärten und dem Wohnungsbaubedarf. In den letzten Jahren wurden mehrere Kleingartenflächen zugunsten von Wohnbauprojekten aufgegeben. Das Konzept KGK16-25 sah ursprünglich 35,56 Hektar Flächen für die Umnutzung vor. Bis 2025 wurden jedoch nur 0,92 Hektar umgesetzt, während 34,64 Hektar aufgrund ausreichender Wohnbaupotentiale in ein Moratorium genommen wurden.
Die Stadt hat sich nun auf eine Fokusverschiebung verständigt: Statt weiterer Umnutzung soll künftig verstärkt auf Modernisierung und Bestandsertüchtigung gesetzt werden. Ersatzgärten müssen vor der Umnutzung hergestellt werden, um den Grünflächenbestand zu stabilisieren.
Finanzierung und Förderung
Die Umsetzung des KEK26+ ist finanziell aufwendig. Mit einem Zielvolumen von etwa 43 Millionen Euro (darunter Personalkosten) hat die Stadt bereits bis 2025 knapp 7,3 Millionen Euro investiert. Weitere Projekte, die durch das Moratorium blockiert wurden, summieren sich auf 28,5 Millionen Euro.
Die Stadt nutzt zudem externe Förderprogramme wie das Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ und KfW-Programme, die bis zu 90 % der Kosten für Klimaschutzmaßnahmen übernehmen können. Diese Finanzierungsoptionen sind entscheidend, um die Klimaschutzziele in der Stadt zu erreichen.
Ökologische Maßnahmen und Kooperationen
Im Rahmen des KEK26+ werden auch ökologische Aufwertungsmaßnahmen geplant. Dazu gehören die Schaffung von Blühwiesen, Insektenhabitaten und naturnahen Flächen. Gemeinschaftsflächen sollen mit Baumbeständen ausgestattet werden, die als Schattenspender und Frischluftquellen dienen. Zudem ist die Ersterfassung aller Großbäume in den Kleingärten Teil der Planung.
Die Stadt kooperiert mit Organisationen wie dem Insektenbündnis und Projekten wie „Städte wagen Wildnis“, um die Biodiversität in städtischen Räumen zu fördern. Diese Partnerschaften sind ein wichtiger Schritt, um die Kleingärten nicht nur als Erholungsflächen, sondern auch als ökologische Schlüsselräume zu etablieren.
Ausblick: Kleingärten als Zukunftsfaktor für Klima und Stadt
Die Entscheidungen aus April 2026 zeigen, dass Hannover den Wandel hin zu einer klimafesten Stadt aktiv gestaltet. Kleingärten sind dabei keine Randnotiz, sondern ein strategischer Baustein für Klimaschutz, Biodiversität und soziale Integration. Mit dem KEK26+ und der Fokussierung auf ökologische Aufwertung, Nachverdichtung und Ersatzgärten hat die Stadt ein klares Signal gesendet: Grünflächen sind nicht wegzudenken, sondern wichtige Partner im Kampf gegen den Klimawandel.
Quellen
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