Kultur und Gemeinschaft in Emden – Fokus auf Architektur, Erinnerungskultur und Museumsentwicklung
Im Februar 2026 stand in Emden Kultur und Gemeinschaft im Mittelpunkt. Mit der Ausstellung „ZICKZACK“, der Zukunft des Stadtarchivs und der Gründung eines Forums für Erinnerungskultur setzte die Stadt Impulse, die sowohl historisch als auch zukunftsorientiert sind.
Kultur und Gemeinschaft in Emden: Architektur, Erinnerungskultur und Zukunftsperspektiven
Kultur ist mehr als Veranstaltungen – sie ist Identität, Erinnerung und Zukunft. In Emden hat die Kulturpolitik im Februar 2026 deutlich gemacht, wie vielschichtig und zukunftsorientiert der Umgang mit kulturellen Ressourcen in der Stadt ist. Mit einem Fokus auf Architektur, Museumsentwicklung und Erinnerungskultur hat Emden nicht nur historische Themen aufgegriffen, sondern auch konkrete Schritte in Richtung einer nachhaltigen Kulturstrategie gesetzt.
Die Ausstellung „ZICKZACK“: Backsteinexpressionismus als gesellschaftlicher Spiegel
Die Sonderausstellung „ZICKZACK – Emder Backsteinexpressionismus vor 100 Jahren“ ist ein zentrales Projekt, das den kulturellen und gesellschaftlichen Kontext der Weimarer Republik in Emden beleuchtet. Der Backsteinexpressionismus, ein regionaler Ausdruck expressionistischer Architektur, wird in der Ausstellung nicht nur als Stilform, sondern als gesellschaftlicher Prozess interpretiert. Die Architektur der 1920er und 1930er Jahre – von der Herrentorschule bis zum AOK-Gebäude – wird in den Kontexten von Bildung, Hygiene, Freizeit und Wohnen eingeordnet.
Besonders hervorzuheben ist die Ausrichtung auf junge Erwachsene und Familien. Das „Backsteinzimmer“ in der Ausstellung bietet interaktive Angebote, die Kinder und Jugendliche direkt in den kulturellen Prozess einbinden. Damit wird nicht nur Bildung ermöglicht, sondern auch die Nachhaltigkeit kultureller Erinnerung sichergestellt. Die Ausstellung, die vom 9. Mai 2026 bis 1. April 2027 im Ostfriesischen Landesmuseum gezeigt wird, ist ein Beispiel dafür, wie Kultur in Emden sowohl historisch als auch aktiv gestaltet wird.
Zukunft des Stadtarchivs: Herausforderungen und Lösungsvorschläge
Das Stadtarchiv Emden, geleitet von Dr. Rolf Uphoff, spielt eine zentrale Rolle bei der Aufbewahrung und Vermittlung der städtischen Geschichte. Mit über 2400 Metern Archivgut und einer umfangreichen Bibliothek ist das Archiv ein kulturell wie administrativ unverzichtbares Element der Stadt. Allerdings stehen die Räumlichkeiten, insbesondere der Bunker in Borssum, vor großen Herausforderungen: Schadensbilder machen eine Besichtigung unmöglich, und die Lagerbedingungen sind langfristig nicht mehr tragfähig.
In einer Sitzung des Kulturausschusses wurden drei Szenarien für die Zukunft des Archivs diskutiert:
- Szenario I sieht einen Umzug in eine Industriehalle im Frisiapark.
- Szenario II kombiniert Archiv und Landesmuseum in einer gemeinsamen Halle – eine Lösung, die Synergien verspricht.
- Szenario III beinhaltet die Ertüchtigung des Bunkers – die teuerste und technisch am aufwendigsten Alternative.
Die Empfehlung lautet Szenario II. Es wird als wirtschaftlichste und sinnvollste Option angesehen, da es nicht nur die Archivbestände, sondern auch die Museumsbestände unterbringen kann. Die nächsten Schritte beinhalten die Gründung eines Projektteams, die Ermittlung von Lager- und Klimabedarfen sowie die Planung von Räumen für Restaurierung und Quarantäne. Ziel ist es, bis zur Sommerpause ein Grobkonzept vorzulegen.
Forum Erinnerungskultur: Vernetzung als Zukunftsaufgabe
Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Gründung eines Forums für Erinnerungskultur. Ziel ist es, ehrenamtliche Akteure zu vernetzen und die Erinnerungskultur in Emden zu stärken. Das Forum wird auf historische Ereignisse fokussieren, die für Emden von besonderer Bedeutung sind. Es ist nicht nur ein Instrument zur Erinnerung, sondern auch ein Beitrag zur gesellschaftlichen Vernetzung und zum Zusammenleben in der Stadt.
Die Verwaltung wird das Forum organisieren und dokumentieren, wobei keine direkten finanziellen Auswirkungen erwartet werden. Dies zeigt, dass kulturelle Arbeit in Emden nicht immer auf Budgets angewiesen ist, sondern oft auf Engagement, Vernetzung und Gemeinschaft basiert.
Fazit: Kultur als Investition in die Zukunft
Emden hat im Februar 2026 gezeigt, dass Kulturpolitik mehr als Veranstaltungsplanung ist. Mit der Ausstellung „ZICKZACK“, der Zukunftsperspektive für das Stadtarchiv und der Gründung eines Forums für Erinnerungskultur hat die Stadt Impulse gesetzt, die sowohl historisch als auch zukunftsorientiert sind. Die Kulturpolitik in Emden ist ein Beispiel dafür, wie Kultur als Investition in Identität, Bildung und Gemeinschaft verstanden und umgesetzt werden kann.
Quellen
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