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Kultur und Gemeinschaft in Friedrichshain-Kreuzberg: Tendenzen und Debatten im Februar 2026

Culture and Community 📍 Berlin · Berlin
Kultur und Gemeinschaft in Friedrichshain-Kreuzberg: Tendenzen und Debatten im Februar 2026

Im Februar 2026 standen in Friedrichshain-Kreuzberg mehrere bedeutende Entscheidungen im Bereich Kultur und Gemeinschaft im Fokus. Neben der Debatte um Bootsliegeplätze und Gedenkveranstaltungen wurde auch die Verstetigung einer Gedenktafel für obdachlose Menschen diskutiert. Ein Überblick.

Zugang zum Wasser: Barrierefreiheit und Kultur

Die Diskussion um die Zugangsbarrieren zu den Bootsliegeplätzen am Bartholomäusufer hat im Februar 2026 sowohl politische als auch kulturelle Dimensionen gezeigt. Die Liegeplätze, die sich am rechten Ufer des Rummelsburger Sees befinden, waren bislang durch ein 1 Meter hohes Geländer schwer zugänglich. B’90 Die Grünen stellten daher einen Antrag, wonach Tore in das Geländer eingebaut werden sollen, um den Zugang zu ermöglichen. Die Liegeplatzinhaber*innen boten sogar die Finanzierung an. Die Vorlage wurde am 20. Januar 2026 von der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zur Kenntnis genommen.

Parallel dazu gab es einen weiteren Antrag derselben Fraktion, der die Verwaltung der Liegeplätze an den gemeinnützigen Verein Spree:publik e.V. übertragen wollte. Der Verein, der seit zehn Jahren kulturelle und soziale Projekte auf dem Wasser betreibt, sollte den Kulturhafen gemeinschaftlich gestalten. Die BVV stimmte dem Antrag zu, doch das Bezirksamt lehnte die Übertragung ab. Kritisch betont wurde die Notwendigkeit der Gleichbehandlung aller Nutzungsberechtigten und die Neutralität der Verwaltung. Der Antrag wird als erledigt angesehen, wodurch politische Spannungen zwischen Verwaltung und BVV entstanden.

Gedenken an den 7. Oktober 2023: Solidarität und Kontroversen

Im Februar 2026 standen mehrere Initiativen im Zusammenhang mit dem Gedenken an den Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 im Vordergrund. Die CDU forderte, dass das Bezirksamt ab 2026 jährlich am 7. Oktober die israelische Flagge vor dem Rathaus Friedrichshain-Kreuzberg hissen und eine öffentliche Schweigeminute abhalten soll. Ziel ist es, Solidarität mit den Opfern zu zeigen und Antisemitismus sowie Terrorismus öffentlich zu verurteilen. Der Antrag wurde in den Ausschuss für Kultur und Bildung überwiesen.

Gleichzeitig gab es eine Initiative von B’90 Die Grünen, die ebenfalls eine öffentliche Schweigeminute vorschlug – mit einem anderen Fokus. Neben den Opfern in Israel sollte auch an die zivilen Opfer der israelischen Kriegsführung in Gaza erinnert werden. Diese Doppelstrategie des Gedenkens spiegelt die politischen Spannungen in Friedrichshain-Kreuzberg wider, wo sich linke und konservative Positionen oft kontrastieren. Beide Anträge stehen unter dem Vorzeichen einer Auseinandersetzung mit Gedenkkultur und politischem Gestus.

Gedenktafel für obdachlose Menschen: Ein Anliegen der Würde

Ein weiteres zentrales Thema war die Verstetigung der Gedenktafel für verstorbene obdachlose Menschen am Ostbahnhof. Der Antrag, gestellt von B’90 Die Grünen, verfolgt das Ziel, die Gedenktafel langfristig zu sichern und gemeinsam mit Betroffenen, Initiatoren und Trägern der Obdachlosenhilfe zu betreuen. Die Tafel dient nicht nur der Erinnerung, sondern auch der Sensibilisierung für die Lebenswirklichkeit und das Leiden obdachloser Menschen.

Die Initiative stützt sich auf ein Projekt der Gangway e.V., das bereits mehrere Gedenktafeln in Berlin errichtet hat. Die BVV und das Bezirksamt wurden beauftragt, die Gedenktafel in die langfristige Planung einzubeziehen. Dieser Schritt zeigt, wie politische Initiativen im Bereich Kultur und Gemeinschaft auch soziale Aufgaben adressieren – und zwar nicht nur symbolisch, sondern mit konkreten Maßnahmen.

Kulturpolitische Sitzung des Ausschusses für Kultur und Bildung

Am 19. Februar 2026 fand die öffentliche Sitzung des Ausschusses für Kultur und Bildung (KuBi) statt. Neben den bereits genannten Themen standen auch Berichte über das RAW-Gelände, die Gedenktafelkommission und konservierende Maßnahmen an Skulpturen im Fokus. Die Sitzung verdeutlichte, wie vielschichtig die kulturpolitische Arbeit in Friedrichshain-Kreuzberg ist. Sie reicht von symbolischen Gedenkveranstaltungen bis hin zur konkreten Planung öffentlicher Räume und Zugangsgestaltung.

Die Tagesordnung unterstreicht, dass Kultur in Friedrichshain-Kreuzberg nicht isoliert betrachtet wird, sondern eng mit Themen wie Sozialarbeit, Umwelt und Integration verbunden ist. Die politischen Debatten in diesem Monat zeigen, dass Kultur mehr als künstlerische Ausdrucksform ist – sie ist ein zentraler Bestandteil der Gemeinschaftsarbeit und Identitätsbildung in der Hauptstadt.

Ausblick

Die Entscheidungen und Debatten im Februar 2026 zeigen, dass Kultur und Gemeinschaft in Friedrichshain-Kreuzberg sowohl symbolisch als auch praktisch eng verbunden sind. Ob es um den Zugang zu Wasserflächen geht, um Gedenken inmitten politischer Spannungen oder um die Würdigung von Menschen, die im Schatten der Gesellschaft leben – alle Themen zeigen, wie vielschichtig und facettenreich das kulturelle Leben in einem sozial vielfältigen Bezirk sein kann.

In den kommenden Monaten wird es besonders spannend zu beobachten sein, ob die Anträge zur Gedenktafel und zum Kulturhafen letztendlich doch noch umgesetzt werden – oder ob sie in der politischen Realität untergehen. Kulturpolitik in Friedrichshain-Kreuzberg bleibt ein dynamisches Feld, in dem Gestus, Substanz und gesellschaftliche Verantwortung aufeinanderprallen.

Quellen

Sitzung

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