Kultur und Gemeinschaft in Friedrichshain-Kreuzberg: März 2026 in den Entscheidungsfokus
Im März 2026 setzte sich der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg intensiv mit Themen der kulturellen Infrastruktur, Erinnerungskultur, Inklusion und sozialer Teilhabe auseinander. Die Bezirksverordnetenversammlung und zugehörige Ausschüsse beschlossen mehrere Initiativen, die die Stärkung der kulturellen Identität und sozialen Gerechtigkeit im Bezirk betreffen.
Kultur in der Kiezmitte: Neue Räume für Bands, Bewegung und Erinnerung
Friedrichshain-Kreuzberg ist bekannt für seine kulturelle Vielfalt – und das nicht nur durch Clubs und Galerien. Im März 2026 standen Entscheidungen im Fokus, die kulturelle und soziale Teilhabe im Alltag stärken sollen. Von einer Parkfläche für Musiker bis hin zu Erinnerungsorten und Bewegungsangeboten für benachteiligte Gruppen – die Bezirksverordnetenversammlung setzte mehrere Akzente.
Kulturladezonen: Unterstützung für lokale Bands
Die Diskussion um eine Kulturparkfläche für das Lido in der Cuvrystraße ist ein Beispiel dafür, wie kulturelle Praxis mit stadtplanerischen Herausforderungen verbunden ist. Der Antrag, eine Ladezone für Bands einzurichten, wurde von der SPD und B’90/Die Grünen getragen und von der BVV beschlossen. Ziel ist es, Musiker*innen eine strukturierte Möglichkeit zu geben, ihr Equipment zu lagern und auszuladen – ohne das Material durch den Kiez tragen zu müssen.
Bereits 2023 wurde eine 20 Meter lange Ladezone eingerichtet, doch die rechtliche Unsicherheit bleibt: Kulturladezonen sind weder in der Straßenverkehrsordnung (StVO) noch in anderen Gesetzen festgelegt. Das Bezirksamt prüft daher, wie im rechtlichen Rahmen die Stellplatzverfügbarkeit für Kulturbetriebe verbessert werden kann – etwa durch vorübergehende Halteverbote.
Gesundheitsförderung durch Bewegung: Ausbau der VHS-Kurse
Ein weiteres wichtiges Thema war der Ausbau von Bewegungs- und Gesundheitskursen der Volkshochschule (VHS). Die Nachfrage nach diesen Kursen ist enorm: Im Halbjahr 2026 standen über 200 Menschen auf Wartelisten, obwohl die Kurse explizit für sozial benachteiligte Gruppen wie Frauen, ältere Menschen oder Menschen mit geringem Einkommen konzipiert sind.
Der Antrag auf mehr Hallenzeiten und Räume für die VHS wurde federführend im Ausschuss für Sport beraten und von den Ausschüssen für Kultur und Bildung sowie für Soziales unterstützt. Es soll bis Ende Mai ein Konzept vorgelegt werden, wie Wartelisten reduziert und das Angebot bedarfsgerecht ausgebaut werden kann. Der Fokus liegt dabei auf Kooperationen mit Schulturnhallen, freien Trägern und der Nutzung leerer Mehrzweckräume.
Erinnerungskultur: Gedenkplakette für Werner Seelenbinder
Ein weiteres Entscheidungshighlight war die Neuanschaffung und Wiederanbringung der Gedenkplakette für Werner Seelenbinder an der Palisadenstraße 56 in Friedrichshain. Seelenbinder war nicht nur ein Weltklasse-Ringer, sondern auch ein Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Seine Geschichte ist ein zentraler Bezugspunkt für antifaschistische Erinnerungskultur – umso wichtiger, dass sie im öffentlichen Raum sichtbar bleibt.
Der Antrag wurde von DIE LINKE eingebracht und in den Ausschuss für Kultur und Bildung überwiesen. In Zeiten eines gesellschaftlichen Rechtsrucks, so argumentieren die Antragsteller*innen, sei es besonders wichtig, antifaschistische Biographien aktiv zu würdigen und sichtbar zu machen.
Alevitische Identität stärken: Grünfläche benennen
Zudem setzte sich der Bezirk dafür ein, die alevitische Identität stärker im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Die Grünfläche an der Oranienstraße 59-62/Ecke Prinzenstraße soll einen Namen erhalten, der die Zugehörigkeit der alevitischen Gemeinde zum Bezirk widerspiegelt. Zudem soll geprüft werden, ob die Gemeinde in die Betreuung der Fläche einbezogen werden kann.
Diese Entscheidung ist Teil eines breiteren Bemühens, religiöse und kulturelle Vielfalt in der Stadtplanung zu berücksichtigen. Die alevitische Gemeinde ist ein fester Bestandteil der kulturellen Landschaft Friedrichshain-Kreuzbergs – und diese Rolle wird nun auch im öffentlichen Raum anerkannt.
Fazit: Kultur als Teil der Stadtentwicklung
Die Entscheidungen des März 2026 zeigen, wie eng kulturelle und soziale Politik im Bezirk verknüpft sind. Ob es um die Sicherung von Räumen für Musiker*innen geht, um Bewegungsangebote für benachteiligte Gruppen oder um die Erinnerung an antifaschistische Widerstandskämpfer – der Bezirk setzt auf eine Politik der Inklusion und Erinnerung.
Die nächsten Schritte liegen nun beim Bezirksamt, das die konkreten Umsetzungen planen und koordinieren muss. Die Herausforderung wird sein, rechtliche Einschränkungen zu überwinden, Ressourcen zu priorisieren und die Kooperation mit freien Trägern zu stärken. Doch die Impulse sind gesetzt – und das Bild eines Bezirks entsteht, in dem Kultur nicht nur ein Angebot ist, sondern ein Teil der Identität.
Quellen
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