Monatlich 3 Min. Lesezeit

Klimaschutz in Friedrichshain-Kreuzberg: Entsiegelung, Bäume und Bürgerbeteiligung im Fokus

Environment and Climate 📍 Berlin · Berlin
Klimaschutz in Friedrichshain-Kreuzberg: Entsiegelung, Bäume und Bürgerbeteiligung im Fokus

Im Februar 2026 standen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zahlreiche klimarelevante Themen im Mittelpunkt. Vom Parkplatz-Entsiegelungsprogramm über Modellprojekte mit Bürgerinitiativen bis hin zur Erweiterung von Bürgergärten – der Bezirk setzt auf eine Vielzahl von Maßnahmen, um sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen und die Lebensqualität zu steigern.

Klimaschutz in Friedrichshain-Kreuzberg: Entsiegelung, Bäume und Bürgerbeteiligung im Fokus

Friedrichshain-Kreuzberg ist einer der dichtesten Bezirke Berlins – und damit auch einer der am stärksten durch Bodenversiegelung beeinträchteten. Im Februar 2026 standen im Bezirk zahlreiche Initiativen und Projekte im Umwelt- und Klimaschutz im Mittelpunkt, die darauf abzielen, das Klima zu entlasten, die Biodiversität zu fördern und die Resilienz der Stadt gegenüber dem Klimawandel zu erhöhen.

Entsiegelung: Parkplätze werden zur Schwammstadt beigetragen

Ein zentrales Thema war die weitere Umsetzung des Parkplatz-Entsiegelungsprogramms. Bereits seit 2023 wird jährlich ein Prozent der Parkflächen entsiegelt und begrünt – im Jahr 2026 soll das Tempo erhöht werden. Ziel ist es, 2 % der Parkflächen (etwa 6.319 m²) pro Jahr umzuwidmen. Das entspricht etwa 500 Parkplätzen, die in Grünflächen, Pocketparks oder Versickerungsanlagen überführt werden.

Die Entsiegelung ist Teil der Strategie, Berlin zur sogenannten Schwammstadt zu entwickeln – eine Stadt, die Starkregen besser aufnehmen und regulieren kann. Mit einfachen Maßnahmen wie Grünstreifen, Versickerungsmulden oder Pop-up-Gärten werden die Vorteile der Begrünung direkt sichtbar: Hitzeinseleffekt wird reduziert, Regenwasser kann besser versickern und die Luftqualität verbessert sich.

Die Kosten für diese Maßnahmen liegen zwischen 35 und 60 Euro pro Quadratmeter – bei 2 % entspricht das einer Investition von etwa 3,3 Mio. EUR. Fördermittel der KfW sowie Berliner Klimafonds sind hierfür bereits beantragt.

Bäume als Klimaschutz-Pionier: Das BäumePlus-Gesetz und die Praxis

Ein weiterer Schwerpunkt war die Umsetzung des Berliner Klimaanpassungsgesetzes (KAnGBln), das am 7. November 2025 verabschiedet wurde. Im Rahmen des Gesetzes ist das BäumePlus-Gesetz ein zentraler Baustein: Ziel ist es, bis 2027 440.000 Straßenbäume wiederherzustellen und bis 2040 sicherzustellen, dass alle 15 Meter ein gesunder Straßenbaum steht.

Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, der mit einem Versiegelungsgrad von fast 70 % besonders belastet ist, müssen dringend neue Bäume gepflanzt werden. Das Bezirksamt wurde angewiesen, bis April 2026 erste Ergebnisse vorzulegen und bis Sommer 2026 die Prüfung abzuschließen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Vergrößerung von Baumscheiben, um den Bäumen mehr Wasser und Nährstoffe zu ermöglichen.

Bürgerbeteiligung: Modellprojekte und Gärtnern auf öffentlichem Grund

Bürger*innenbeteiligung ist ein weiteres zentrales Element der klimapolitischen Strategie. In den Richard-Sorge-Kiez und den Reichenberger Kiez wurden Modellprojekte gestartet, die Entsiegelungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit Bürgerinitiativen erproben. Ziel ist es, Biodiversität durch heimisches Saatgut zu fördern, neue Grünflächen zu schaffen und gleichzeitig den Prozess bürgernah zu gestalten.

Ein weiteres Projekt ist die Koordinierungsstelle Gemeinschaftliches Gärtnern, die im Sommer 2025 eingerichtet wurde. Sie unterstützt ehrenamtliche Gärtnern*innen bei der Planung und Umsetzung von Projekten auf öffentlichen Flächen. Allerdings ist die Weiterfinanzierung der Stelle für 2026 noch nicht gesichert, was auf die angespannte Klimafinanzierung in Berlin hinweist.

Vom Bürgergarten bis zum Tiergehege: Klima und Naherholung verbinden

Ein konkretes Projekt war die Erweiterung des Bürgergartens Laskerwiese durch die Entsiegelung der Bödikerstraße. Mit einer Fläche von ca. 1.500 m² wird der Bürgergarten nicht nur erweitert, sondern auch die Versickerungsfähigkeit des Bodens gesteigert. Fördermittel der KfW sind bereits eingeworben, und die Planung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Verein.

Auch das Tiergehege im Viktoriapark war ein Thema der Sitzung. Nachdem die Versorgung der Tiere in der Vergangenheit unsicher war, hat die Bezirksverordnetenversammlung beschlossen, das Tiergehege langfristig zu sichern. Zudem wird künftig Wissensvermittlung über Stadtnatur integriert – eine sinnvolle Verbindung aus Naherholung und Klimaerziehung.

Ausblick: Klimaresilienz als Aufgabe für die Zukunft

Im Februar 2026 hat Friedrichshain-Kreuzberg gezeigt, dass die Klimapolitik in Berlin nicht nur auf großen Projekten oder politischen Richtlinien beruht, sondern auch auf der täglichen Arbeit vor Ort: von der Entsiegelung von Parkplätzen über die Pflege von Baumscheiben bis hin zur Gestaltung von Spielplätzen mit Naturmaterialien.

Die Herausforderungen sind groß: Der Bezirk ist besonders durch Bodenversiegelung und fehlende Grünflächen belastet. Doch die Vielzahl an Maßnahmen, die in den letzten Monaten beschlossen wurden, zeigt auch die Chancen – und die Bereitschaft, sich aktiv für ein klimaresilientes Berlin einzusetzen.

Quellen

Sitzung

Weitere Beiträge aus Berlin

Früher wissen. Früher handeln.

Erhalten Sie automatisch Alerts zu relevanten kommunalen Projekten – bevor Ihre Mitbewerber davon erfahren.

Jetzt kostenlos testen