Kitas in Flensburg: Wie Sprach- und Kulturmittler*innen und Kita-Assistenzen die Betreuungsqualität stärken
Im Februar 2026 standen in Flensburg wichtige Entscheidungen zur Förderung von Sprach- und Kulturmittler*innen sowie Kita-Assistenzen im Mittelpunkt. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Betreuungsqualität in Kindertagesstätten zu verbessern, sprachliche Barrieren zu überwinden und Kitas mit hohem Migrationshintergrund zu entlasten. Dieser Beitrag beleuchtet die Hintergründe, Zielsetzungen und Herausforderungen der neuen Förderstrategie.
Flensburg setzt auf Sprach- und Kulturmittler*innen und Kita-Assistenzen
Die Kinder- und Jugendhilfe in Flensburg hat sich in den letzten Jahren verstärkt auf die Inklusion, Chancengleichheit und Qualitätssicherung in der Kitabetreuung konzentriert. Im Februar 2026 standen in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses erneut Themen im Vordergrund, die diese Zielsetzungen verfolgen: die Förderung von Sprach- und Kulturmittler*innen sowie Kita-Assistenzen. Diese beiden Maßnahmen sind Teil einer umfassenden Strategie, um Kitas mit hohem Migrationshintergrund und Einrichtungen mit Kindern mit Förderbedarf gezielt zu unterstützen.
Sprach- und Kulturmittlerinnen: Brückenbauerinnen für mehr Inklusion
Sprach- und Kulturmittler*innen (SpKM) spielen eine entscheidende Rolle, um Kitas mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund zu entlasten. Ziel der Förderung ist es, sprachliche Barrieren abzubauen und die interkulturelle Verständigung zu fördern. In Flensburg wird diese Förderung rückwirkend zum 01.01.2026 beschlossen und ist auf das Jahr 2026 befristet.
Die SpKM unterstützen Kitas beispielsweise bei Elterngesprächen, bei der Vermittlung von Informationen zu Kita-Regeln und Tagesabläufen oder bei der Begleitung von Ausflügen. Sie verfügen über einen Migrationshintergrund und mindestens B1-Deutschkenntnisse. Wichtig ist, dass sie keine eigenständige pädagogische Verantwortung übernehmen, sondern als Brückenbauer*innen zwischen Kita, Kindern und Eltern fungieren.
Zur Sicherstellung der Qualität und Nachvollziehbarkeit der Maßnahmen müssen die Einsatzplanung, die Aufgaben der SpKM und die Wirkung transparent dokumentiert werden. Die Förderung erfolgt aus städtischen Mitteln und ist auf insgesamt 1,1 Millionen Euro für 2026 begrenzt. Voraussetzung für die Förderung ist, dass in einer Kita mehr als 40 % der Familien einen Migrations- oder mehrsprachigen Hintergrund haben.
Kita-Assistenzen: Entlastung für pädagogisches Personal
Neben den Sprach- und Kulturmittlerinnen fördert die Stadt Flensburg auch Kita-Assistenzen (Kita-Helferinnen). Diese Helfer*innen übernehmen Aufgaben wie die Begleitung von Mahlzeiten, Ausflügen, die Unterstützung bei Gruppentätigkeiten oder bei Übergangssituationen. Ziel ist es, das pädagogische Personal zu entlasten und gleichzeitig die individuelle Zuwendung und emotionale Sicherheit der Kinder zu verbessern.
Eine Förderung ist möglich, wenn in der Einrichtung genügend Kinder mit erheblichem Förderbedarf in Bereichen wie Kognition oder Sozial-Emotionale Kompetenz betreut werden. Der erhebliche Förderbedarf muss durch qualifizierte Fachkräfte festgestellt werden. Die Förderung ist abhängig von der Anzahl der Ü3-Gruppen in der Einrichtung. Für jede Kita beträgt die Basisförderung 9,75 Wochenstunden, und für jedes weitere Kind mit Behinderung können bis zu 4,88 Stunden zusätzlich gefördert werden. Die Höchstförderung liegt bei 39 Wochenstunden pro Einrichtung.
Die Kita-Assistenzen müssen mindestens B1-Deutschkenntnisse besitzen und bereit sein, an Schulungen teilzunehmen. Sie dürfen keine eigenständige pädagogische Verantwortung übernehmen, sondern sind direkt in den Kita-Alltag eingebunden. Die Förderung erfolgt über ein digitales Antragsverfahren auf der Stadtwebsite und ist auf das Budget von 1,1 Millionen Euro begrenzt.
Kritik und Herausforderungen aus der Praxis
Trotz der positiven Zielsetzungen gab es in der öffentlichen Diskussion und im Beteiligungsverfahren Kritik an der neuen Förderstrategie. Einige Kitas monierten, dass die Berechnung der Förderstunden zu Ungleichverteilungen zwischen großen und kleinen Kitas führe. Vorschläge zur Verbesserung wurden gemacht, beispielsweise die Förderung pro Regelgruppe statt pro Einrichtung zu berechnen.
Außerdem wurden die hohen Verwaltungsaufwendungen kritisiert, insbesondere bei der Dokumentation der Wirkung der Maßnahmen. Einige Kitas forderten zudem eine bessere Entlohnung der Sprach- und Kulturmittler*innen, da die aktuelle Bezahlung (S2-Stunden) als zu niedrig angesehen wird. Es gab auch Forderungen nach einer Förderung von Kita-Verwaltungs-Hilfskräften, um die Verwaltungslasten zu reduzieren.
Ausblick: Wie geht es weiter?
Die Förderung von Sprach- und Kulturmittler*innen sowie Kita-Assistenzen ist ein wichtiger Baustein in Flensburgs Strategie zur Verbesserung der Bildungsstruktur und zur Stärkung von Inklusion und Teilhabe. Die Maßnahmen sind jedoch noch nicht abschließend bewertet. In den kommenden Monaten werden die Wirkungen anhand von kindbezogenen Indikatoren wie individueller Zuwendung, Wohlbefinden und sozialer Teilhabe überprüft.
Die Stadt Flensburg wird auch weiterhin auf Feedback aus der Praxis achten und bei Bedarf Anpassungen vornehmen. Langfristig könnte die Erfahrung aus 2026 dazu führen, dass die Förderung verlängert oder auf weitere Bereiche ausgeweitet wird – etwa durch die Einführung von Kita-Verwaltungs-Hilfen oder eine bessere Finanzierung der Sprach- und Kulturmittler*innen.
Zusammenfassung
Die neue Förderung von Sprach- und Kulturmittler*innen und Kita-Assistenzen in Flensburg markiert einen klaren Schritt in Richtung einer inklusiveren und qualitativ hochwertigeren Kitabetreuung. Sie adressiert nicht nur sprachliche und kulturelle Unterschiede, sondern auch die besonderen Bedürfnisse von Kindern mit Förderbedarf. Die Herausforderungen aus der Praxis zeigen jedoch, dass es auch hier Raum für Verbesserungen gibt. Mit einer offenen Haltung gegenüber Kritik und einem Blick auf die Wirkung der Maßnahmen kann Flensburg in diesem Bereich vorbildlich agieren.
Quellen
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