Wohnungsnotstand in Mainz: Herausforderungen, Defizite und Handlungspfade 2026
In Mainz steigt das Wohnungsdefizit weiter an, während geförderter Wohnraum zurückgeht. Die Stadt steht vor der Herausforderung, bezahlbaren Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen zu schaffen – besonders für Senior:innen, Alleinerziehende und einkommensschwache Haushalte. Ein Deep-Dive über die aktuelle Situation, Ursachen und Handlungsoptionen.
Wohnungsnotstand in Mainz: Defizite, Mietpreisentwicklung und soziale Ungleichheit
Mainz wächst weiter, und mit dem Wachstum steigt auch der Druck auf den Wohnungsmarkt. Zwischen 2015 und 2024 wuchs die Bevölkerung um etwa 18.000 Einwohner:innen, wobei mehr als 80 % der Haushalte aus einer oder zwei Personen bestehen. Gleichzeitig steigen die Miet- und Kaufpreise rasant an, und der geförderte Wohnraum schrumpft. Die Stadt Mainz steht vor einer dringenden Herausforderung: Wie kann sie bezahlbaren Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen – vor allem für einkommensschwache Haushalte, Senior:innen und Alleinerziehende – sichern?
Wohnungsdefizit und Marktsituation
Im Jahr 2024 bestand in Mainz ein Wohnungsdefizit von 7.100 Wohnungen. Bis 2035 wird erwartet, dass sich dieses Defizit auf 2.400 bis 5.900 Wohnungen reduzieren wird – immer noch ein Engpass, der ohne konsequente Maßnahmen nicht behoben werden kann. Die Versorgungsquote lag 2024 bei 94,1 % und wird bis 2035 auf 96,4 % sinken, was zeigt, dass der Wohnungsmarkt weiterhin angespannt bleibt.
Ein entscheidender Faktor für die angespannte Lage ist der geringe Leerstand. 2024 lag der Leerstand bei 2,9 % und wird bis 2035 auf 1,6 % sinken. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Wohnraum: Etwa 4.000 zusätzliche Haushalte werden bis 2035 Wohnraum benötigen.
Zudem ist der Wohnungsbestand stark vom Geschosswohnungsbau geprägt: 73 % der Wohnungen befinden sich in Mehrfamilienhäusern, 22 % in Einfamilienhäusern und 5 % in Wohnheimen. Der Bestand an geförderten Wohnungen ist jedoch rückläufig – 2024 lagen 2.320 geförderte Wohnungen nach dem ersten Förderweg vor, was einen Rückgang von 44 % gegenüber 2015 bedeutet.
Mietpreisentwicklung und soziale Ungleichheit
Die Mietpreise in Mainz steigen rasant an. Der Medianmietpreis lag 2024 bei 14,00 EUR/m², ein Anstieg von 40 % seit 2015. Gleichzeitig liegt die mittlere Nettokaltmiete im Bestand bei 9,73 EUR/m², was deutlich unter der Angebotsmiete liegt. Geförderte Wohnungen sind mit Mietobergrenzen von 7,90 EUR/m² (geringes Einkommen) und 8,90 EUR/m² (mittleres Einkommen) deutlich günstiger, doch sie machen weniger als 4 % des Gesamtangebots aus.
Für einkommensschwache Haushalte bleibt der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum daher weiterhin problematisch. Nur wenige Inserate für geförderte Wohnungen werden veröffentlicht, und viele davon werden über private Kanäle vermittelt. Wohnbau Mainz, der ca. 10 % des Mainzer Wohnungsbestands betreibt, bietet mit einer durchschnittlichen Nettokaltmiete von 7,79 EUR/m² eine Option, doch der geförderte Bestand liegt sogar noch niedriger bei 7,24 EUR/m².
Zudem steigt die Anzahl der Haushalte mit besonderen Bedürfnissen: Senior:innenhaushalte werden bis 2035 um 3.200 ansteigen, und sie benötigen altersgerechtes, barrierefreies Wohnen. Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete haben zudem zusätzliche Barrieren bei der Wohnraumversorgung, was die soziale Ungleichheit weiter verschärft.
Baupotenziale und kommunale Handlungsoptionen
Die Stadt Mainz hat Baupotenziale, die bis zu 9.950 neue Wohnungen ermöglichen könnten. Bis 2035 könnten bis zu 10.000 neue Wohnungen entstehen, doch die Realisierung wird durch hohe Bauland- und Baukosten sowie günstige Finanzierungskonditionen erschwert. Zudem ist der Neubau im Bereich des geförderten Wohnraums stark zurückgegangen.
Die Stadt hat daher mehrere Handlungsfelder identifiziert, um die Wohnraumversorgung zu sichern:
- Bedarfsgerechter Neubau: Die Stadt muss den Wohnraumbedarf nach Nachfragegruppen analysieren und gezielt für geförderten Wohnraum sorgen.
- Bestand optimieren: Energetische Sanierungen und Klimaschutzmaßnahmen im Bestand sind zentral, um den Wohnraum fit für die Zukunft zu machen.
- Klimaschutz und Nachhaltigkeit: Die Fortschreibung des Konzepts „Wohnen in Mainz 2020“ bis 2027 und die kommunale Wärmeplanung ab 2026 sind entscheidend für eine klimafreundliche Stadtentwicklung.
- Soziale Gruppen unterstützen: Senior:innen, Alleinerziehende und Haushalte mit Kindern benötigen gezielte Unterstützung, um bezahlbaren Wohnraum zu finden.
- Kommunale Ressourcen nutzen: Die Stadt muss ihre Planungsinstrumente nutzen und Kooperationen mit privaten Akteuren stärken, um den Wohnungsmarkt zu entlasten.
Fazit: Wohnraum als zentrales soziales Gut
Die aktuelle Wohnraumversorgung in Mainz ist angespannt. Die Stadt wächst, die Mietpreise steigen, und der geförderte Wohnraum sinkt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz. Wohnraum ist mehr denn je ein zentrales soziales Gut, das für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich sein muss.
Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, ob Mainz diese Herausforderung meistern kann. Ohne konsequente Neubau- und Sanierungsmaßnahmen sowie gezielte Unterstützung für einkommensschwache Haushalte und Senior:innen wird die Wohnungsnotstandslage im Mainzer Raum weiter zunehmen. Die Stadt muss daher dringend handeln – nicht nur aus finanzieller, sondern auch aus sozialer Verantwortung.
Quellen
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