Jugendpolitik in Paderborn: Neuanfang, Strukturen und Herausforderungen
Im Februar 2026 standen in Paderborn entscheidende Veränderungen und Initiativen im Bereich der Jugendförderung im Fokus. Vom Anerkennen neuer Träger über Personalengpässe bis hin zu Modellen der Inklusion – die Stadt setzt auf eine langfristige, bedarfsgerechte und inklusive Jugendpolitik.
Strukturelle Neuausrichtung im Jugendhilfeausschuss
Der Jugendhilfeausschuss in Paderborn hat sich im Februar 2026 neu konstituiert. Robert Ortwein wurde einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt, Renate Neundorf übernimmt die stellvertretende Rolle. Fabian Kröger wurde zur Schriftführung bestellt. Diese personellen Veränderungen signalisieren eine klare Absicht, die Jugendhilfe in Paderborn fachlich und strukturell neu zu ordnen. Gleichzeitig wurde betont, dass nicht-rätliche Mitglieder ihre gesetzlichen Pflichten gewissenhaft wahrzunehmen haben – ein Punkt, der in der Vergangenheit immer wieder zu Diskussionen führte.
Sportverein als Jugendhilfeträger: Ein kontroverses Statement
Ein weiteres Highlight war die Anerkennung des SC Paderborn 07 e.V. als Träger der freien Jugendhilfe. Der Verein wurde gemäß § 75 des Achten Sozialgesetzbuches einstimmig (bei einer Enthaltung) anerkannt. Die Anerkennung erfolgte jedoch ausschließlich aufgrund der Jugendarbeit des Vereins – etwa durch Feriencamps, Trainingsprogramme und den Aktionstag „Bundesliga bewegt“. Kritiker, wie Ratsfrau Renate Neundorf (SPD), fragten nach der Relevanz finanzieller Stärke im Kontext der Jugendhilfe. Der Verein verfügt über einen Freistellungsbescheid des Finanzamtes und verfolgt gemeinnützige Ziele. Die Entscheidung markiert einen neuen Weg in der Zusammenarbeit zwischen Sport und Jugendarbeit in Paderborn.
Kitas in Balance: Öffnungszeiten, Personalengpässe und Inklusion
Die Diskussion um Kitas blieb ein zentraler Punkt. Die SPD beantragte eine Anpassung der Öffnungszeiten an die geförderten 45 Wochenstunden, um finanzielle und organisatorische Belastungen zu reduzieren. Aktuell überschreiten 15 Kitas diese Stunden. Zwar ist die Umsetzung noch in Planung, doch die Forderung nach einer bedarfsgerechten Betreuung ist ein zentraler Pfeiler der Jugendpolitik.
Zudem steht der Fachkräfteengpass im Fokus. In NRW fehlen bis 2035 mehrere zehntausend Fachkräfte in Kitas. In Paderborn wird versucht, durch niedrigschwellige Angebote wie „Baby & Ko“ und „Kind & Ko“ Eltern entlasten, doch auch hier sind Personalengpässe ein Problem. Neue Angebote wären mit zusätzlichen 0,5 Stellen für Sozialarbeiter*innen und Gesundheitsexperten verbunden.
Parallel dazu wird ein Modellprojekt zur infrastrukturellen Schulassistenz an Grundschulen angestoßen. Ziel ist es, Inklusion zu stärken und individuelle Eingliederungshilfen zu reduzieren. Anfang 2026/27 starten fünf Schulen, zwei weitere folgen im nächsten Jahr. Die Projekte entlasten Lehrkräfte, stärken das Klassenklima und fördern die Teilhabe – eine Antwort auf die Herausforderungen der Inklusion in der Schule.
Zukunft der Kindergartenbedarfsplanung
Die Kindergartenbedarfsplanung für die Jahre 2026/27 ist in Gang. Sie basiert auf statistischen Daten, Vormerkungen des „Kita-Navigators“ und Gesprächen mit Kitaträgern. Ein neues Vergabeverfahren mit dem Gale-Shapley-Algorithmus wird eingeführt – ein Modell, das eine gerechte und transparente Zuweisung von Betreuungsplätzen ermöglichen soll. In der aktuellen Sitzung wurde der Tagesordnungspunkt verschoben, doch die Vorbereitungen sind weit fortgeschritten.
Fazit: Eine Jugendpolitik im Wandel
Die Februar-Sitzungen zeigen, dass Paderborn eine Jugendpolitik verfolgt, die sowohl strukturell als auch konzeptionell neu denkt. Von der Anerkennung von Sportvereinen als Jugendhilfeträgern über die Einführung von Modellprojekten bis hin zu einer neuen Kita-Vergabelogik – die Stadt reagiert auf die Herausforderungen der Zukunft. Gleichzeitig bleiben Personalengpässe und finanzielle Engpässe zentrale Themen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die ambitionierten Pläne in der Praxis umsetzbar sind.
Quellen
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