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Mülheim 2026: Elektromobilität und Verkehrswende im Fokus

Mülheim 2026: Elektromobilität und Verkehrswende im Fokus

Im März 2026 setzt Mülheim an der Ruhr entscheidende Akzente im Bereich Mobilität. Mit einem klaren Fokus auf Ladeinfrastruktur, ÖPNV-Optimierung und Klimaschutz wird die Stadt ihre Verkehrspolitik neu ausrichten – mit weitreichenden Folgen für Bürger, Betreiber und Investoren.

Mülheim 2026: Elektromobilität und Verkehrswende im Fokus

Mülheim an der Ruhr bewegt sich in Richtung Verkehrswende. Im März 2026 hat die Stadt einen umfassenden Plan zur Ausweitung der Ladeinfrastruktur und zur Optimierung des ÖPNV vorgestellt. Mit klaren Zahlen, neuen Genehmigungsverfahren und einer klaren Zielsetzung für 2035 wird Mülheim nicht nur die Elektromobilität vorantreiben, sondern auch die Klimaneutralität bis 2035 näher rücken.

Ladeinfrastruktur: Von 226 zu 2.000 Ladepunkten

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist das zentrale Projekt der mühlenischen Verkehrspolitik. Mit einem Ziel von 2.000 öffentlichen Ladepunkten bis 2035 setzt Mülheim auf eine flächendeckende Grundversorgung. Besonders in Mehrfamilienhäusern und Wohngebieten ohne privaten Stellplatz wird Priorität gegeben.

Die Stadt plant, 200 Ladepunkte pro Jahr zu errichten – eine klare Antwort auf die steigende Zahl an E-Pkw. Mit einer Prognose von 26.100 Elektroautos bis 2030 (26,6 % des Pkw-Bestands) und einem erwarteten Strombedarf von 88.500 MWh/Jahr wird die Infrastruktur nicht nur ausbaulastig, sondern auch kritisch für die Stromversorgung.

Die Stadt bevorzugt Normalladepunkte (11–22 kW) anstatt reinen „Tankstellenprinzipien“. Dies ermöglicht eine bessere Verteilung und stärkt die Integration in Alltagssituationen. Die Mobilitätswerk GmbH wird als Auftragnehmer für die Umsetzung fungieren, während Westnetz GmbH die Netzverträglichkeit prüft.

Genehmigungsverfahren: Transparenter und strukturierter

Um den Ausbau zu beschleunigen und gleichzeitig strukturelle Lücken zu vermeiden, hat Mülheim ein standardisiertes Sondernutzungsverfahren eingeführt. Anstelle von Einzelanträgen wird künftig auf Standortbündel gesetzt, die vorgeprüft und transparent veröffentlicht werden.

Das Verfahren ist auf 6–8 Wochen ausgelegt, und Anträge, die das Ladeinfrastrukturkonzept gefährden könnten, werden zurückgestellt. Zudem werden klare Mindest- und Maximalanzahlen an Ladepunkten je Standort festgelegt, um die Qualität und Effizienz zu gewährleisten.

Monitoring und Transparenz: Halbjährliche Auswertungen

Die Stadt setzt auf Monitoring als zentralen Bestandteil der Ladeinfrastrukturpolitik. Betreiber müssen halbjährlich Auslastungsdaten liefern – darunter Ladevorgänge, Strommenge und Störungen. Die Verwaltung plant, neue Standortbündel regelmäßig zu veröffentlichen, um den Ausbau transparent und nachvollziehbar zu gestalten.

Die Effizienz und Erreichbarkeit der Infrastruktur wird überwacht, und die Monitoring-Ergebnisse fließen direkt in zukünftige Planungen ein. Dies ermöglicht eine dynamische Anpassung an den tatsächlichen Bedarf und vermeidet überflüssige oder ungenutzte Standorte.

ÖPNV-Optimierungen und Herausforderungen

Neben der Elektromobilität ist auch die Qualität des ÖPNV ein Schwerpunkt. Die Linie SB 90 stößt auf Kritik, besonders bei Schülern, die über überfüllte Fahrzeuge und lange Wartezeiten klagen. Die Verwaltung prüft Taktverdichtungen, Verstärkerfahrten und größere Fahrzeuge.

Auch die Linie 102 ist in den Fokus geraten – mit hohen Auslastungen in Stoßzeiten. Die Verwaltung hat den Auftrag, die Auslastungsdaten zu prüfen und das Angebot zu optimieren.

Ein weiteres Projekt ist der barrierefreie Busbahnhof am Hauptbahnhof Mülheim, der bis 2031 realisiert werden soll. Mit Kosten von 5–7 Mio. € und einer Förderung von 90 % ist das Projekt finanziell tragfähig, aber noch nicht alle Planungsdetails sind fixiert.

Schwarzfahren: Ein gesellschaftspolitischer Streitpunkt

Ein weiteres Thema, das im März 2026 diskutiert wurde, ist die Strafrechtliche Verfolgung von Schwarzfahrern. Während die Ruhrbahn aktuell § 265a StGB anwendet, fordern Vertreter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einen Verzicht auf Strafanzeigen. Stattdessen plädieren sie für zivilrechtliche Verfolgung, wie sie in Düsseldorf, Münster oder Bremen bereits etabliert ist.

Die Argumentation: Soziale Ungleichheit und hohe Kosten im Justizvollzug (bis zu 200 Mio. € jährlich) sprechen für eine mildere Haltung. Gleichzeitig ist bislang kein Anstieg der Schwarzfahrerei nachweisbar, was die Diskussion weiter aufreißt.

Ausblick: 2026 als Startschuss

Der März 2026 markiert einen Meilenstein in Mülheims Verkehrspolitik. Mit der Veröffentlichung der ersten 190 Standorte in 8 Bündeln und der Planung von 700 AC-Ladepunkten setzt die Stadt ein klares Signal. Die Klimaneutralität bis 2035 ist nicht mehr eine Vision, sondern ein konkretes Ziel, das mit Maßnahmen wie Elektromobilität, ÖPNV-Optimierungen und barrierefreier Infrastruktur verfolgt wird.

Zukünftige Projekte wie der Weiterbau der Mintarder Ruhrtalbrücke oder die Kooperation mit BOGESTRA werden weitere Impulse setzen. Mülheim zeigt: Eine verkehrspolitische Transformation ist möglich – wenn sie mit klaren Zielen, transparenten Verfahren und gesellschaftlicher Akzeptanz verbunden wird.

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