Monatlich 4 Min. Lesezeit

Haushalt 2026: Moers im Defizit mit hohem Investitionsbedarf

Finance and Budget 📍 Moers · Nordrhein-Westfalen
Haushalt 2026: Moers im Defizit mit hohem Investitionsbedarf

Im März 2026 legte die Stadt Moers den Haushalt 2026 vor – ein Jahr, das nicht nur durch ein Defizit von über 42 Millionen Euro, sondern auch durch eine Investitionsoffensive und neue Finanzierungsstrategien geprägt wird. In diesem Deep-Dive-Blog analysieren wir die wichtigsten Entscheidungen, Hintergründe und Auswirkungen.

Haushalt 2026: Moers im Defizit mit hohem Investitionsbedarf

Die Finanzplanung der Stadt Moers für das Jahr 2026 spiegelt nicht nur die aktuelle wirtschaftliche Lage wider, sondern auch die strategischen Schwerpunkte der kommunalen Entwicklung. Mit einem Defizit von 42,8 Millionen Euro und einem Investitionsbedarf von 47,1 Millionen Euro steht Moers vor einer finanziellen Herausforderung, die sowohl Chancen als auch Risiken birgt.

Defizit, Kredite und Liquiditätssicherung

Der Haushalt 2026 weist ein Defizit von 42.838.812 Euro aus. Um dieses Defizit zu finanzieren, ist eine Kreditermächtigung von 47,114.960 Euro beantragt worden. Der Kreditrahmen zur Liquiditätssicherung wurde auf 340 Millionen Euro festgelegt, was deutlich macht, dass Moers sich auf externe Finanzierung angewiesen bleibt.

Der durchschnittliche Zinssatz auf die Kredite liegt bei 2,237 %, was in der aktuellen Zinsphase relativ moderat anmutet. Allerdings ist zu beachten, dass Kreditaufnahmen im Jahr 2026 bereits in mehreren Tranchen erfolgt sind, darunter 271 Millionen Euro im Januar und 270 Millionen Euro im Februar.

Die Nettoneuverschuldungsgrenze wurde auf 17 Millionen Euro festgelegt, jedoch ist der investive Kreditbedarf deutlich höher (30,1 Millionen Euro). Dies zeigt, dass Moers bereit ist, das Verschuldungslimit zu überschreiten, um Investitionen in den kommunalen Bereich voranzutreiben.

Ermächtigungsübertragungen und Investitionsplanung

Ein weiterer Schwerpunkt des Haushalts 2026 ist die Übertragung von Ermächtigungen aus dem Jahr 2025. Im konsumtiven Bereich wurden 3,7 Millionen Euro übertragen, im investiven Bereich sogar 141,4 Millionen Euro. Allerdings wurden 27,3 Millionen Euro nicht übertragen, was auf eine Verzögerung oder fehlende Priorisierung in bestimmten Projekten hindeutet.

Die Verpflichtungsermächtigungen für zukünftige Investitionsauszahlungen belaufen sich auf 140,3 Millionen Euro, was die finanzielle Ausrichtung auf langfristige Investitionen unterstreicht. Besonders betroffen sind Funktionsbereiche wie Infrastruktur (40,2 Millionen Euro) und Schule (8,8 Millionen Euro).

Steuern, Abgaben und Elternbeiträge

Im Bereich der Steuern und Abgaben bleibt Moers relativ stabil. Der Gewerbesteuerhebesatz wurde auf 495 % festgelegt, was im Vergleich zu anderen Städten im Mittelfeld liegt. Die Grundsteuer A bleibt bei 521 %, Grundsteuer B1 für Wohngrundstücke bei 827 % und Grundsteuer B2 für Nicht-Wohngrundstücke bei 1.377 %.

Ein neuer Fokus liegt auf den Elternbeiträgen in Kindertageseinrichtungen und Ganztagsschulen. Diese Beiträge sind nun stärker an Einkommensgruppen und Betreuungszeiten ausgerichtet. Die Essensgeldregelung wurde festgelegt: monatlich 59,40 Euro pro Kind, wobei für bestimmte Gruppen ein Erlass möglich ist. Die neue Satzung tritt am 01.05.2026 in Kraft.

Bürgerbeteiligung und Bürgerbudget

Im März 2026 wurde erstmals die Idee eines Bürgerhaushaltes diskutiert. Dabei geht es um ein Bürgerbudget, das im Haushalt verankert sein könnte. Vorgeschlagen wird ein Modell, bei dem 1 bis 3 Euro pro Einwohner in ein Bürgerbudget fließen, das von der Bevölkerung selbst priorisiert werden kann. Ein weiteres Modell ist der Zukunftshaushalt, der sich ausschließlich auf Kinder und Jugendliche konzentriert.

Zusätzlich wird ein Bürger:innenrat finanziell unterstützt – beispielsweise durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“. Pilotprojekte wie MiMaCo’s (MitMach-Coaches) an Schulen sollen den demokratischen Diskurs stärken. Auch ein Crossmedia-Konzept zur Verbreitung der Beteiligung ist geplant.

Personalstruktur und Gleichstellung

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Personalstruktur in der Stadtverwaltung. Mit 66,3 % Frauenanteil in der Verwaltung liegt Moers deutlich über dem Durchschnitt. Ziel ist es, den Frauenanteil in gehoobenen Einkommensgruppen (ab A11) auf mindestens 53 % zu steigern, insbesondere in der technischen Verwaltung, wo der Frauenanteil aktuell bei 41,07 % liegt.

Dabei ist festgelegt, dass zwei Drittel der frei werdenden Stellen an Frauen vergeben werden sollen, sofern sie gleich qualifiziert sind. Dieses Ziel ist Teil der Gleichstellungsstrategie der Stadt Moers und spiegelt sich auch in der Teilzeitbeschäftigung wider, bei der 469 Frauen und 81 Männer in Teilzeit tätig sind.

Ausblick: Haushalt 2026 als Startpunkt für zukünftige Investitionen

Der Haushalt 2026 ist mehr als nur eine finanzielle Planung – er ist ein Rahmenwerk für die zukünftige Entwicklung der Stadt Moers. Mit einem Defizit von über 42 Millionen Euro und einem Investitionsbedarf von 47 Millionen Euro wird deutlich, dass Moers auf externe Finanzierung angewiesen ist, insbesondere durch Kreditaufnahmen und Fördermittel.

Gleichzeitig zeigt sich aber auch ein klarer Schwerpunkt auf Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Bürgerbeteiligung. Die Priorisierung städtischer Baumaßnahmen, die Förderung von Bildungsprojekten und die Einführung eines Bürgerbudgets verdeutlichen, dass Moers nicht nur finanziell, sondern auch politisch und gesellschaftlich auf Wachstum und Partizipation setzt.

Die Herausforderung für die kommenden Jahre wird sein, die Investitionspläne umzusetzen, ohne die Verschuldungsgrenzen zu überschreiten und gleichzeitig soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung weiter zu stärken.


Quellen

Sitzung

Weitere Beiträge aus Moers

Früher wissen. Früher handeln.

Erhalten Sie automatisch Alerts zu relevanten kommunalen Projekten – bevor Ihre Mitbewerber davon erfahren.

Jetzt kostenlos testen