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Soziale Angelegenheiten und Wohnungspolitik in Krefeld: März 2026 im Fokus

📍 Krefeld · Nordrhein-Westfalen
Soziale Angelegenheiten und Wohnungspolitik in Krefeld: März 2026 im Fokus

Im März 2026 standen in Krefeld entscheidende Veränderungen im Bereich Soziales, Wohnen und Gesundheit im Mittelpunkt. Der Ausschuss für Soziales, Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Inklusion, Senioren und Integration hat wichtige Beschlüsse zum Kältebus, Mietspiegel, Drug-Checking und Schutzplätzen für Opfer häuslicher Gewalt gefasst. Ein Überblick.

Sozialpolitik und Wohnungspolitik in Krefeld: März 2026

Die Stadt Krefeld hat sich im März 2026 intensiv mit sozialen und wohnungspolitischen Themen auseinandergesetzt. Der Ausschuss für Soziales, Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Inklusion, Senioren und Integration setzte sich mit der Einführung eines Kältebusses, der Modernisierung des Mietspiegels, der Einführung von Drug-Checking und der Sicherstellung von Schutzplätzen für Opfer häuslicher Gewalt auseinander. Diese Themen spiegeln die Herausforderungen wider, mit denen Krefeld im Bereich Soziales und Wohnen konfrontiert ist.

Kältebus als mobile Winterhilfe

Ein zentraler Beschluss des Ausschusses war die Einführung eines städtischen Kältebusses, der obdachlose und hilfebedürftige Menschen in kalten Nächten unterstützen soll. Der Kältebus soll mit warmen Getränken, Schutzmaterialien und Beratung ausgestattet sein und als mobile Winterhilfe dienen. Die Verwaltung wurde beauftragt, ein Konzept bis spätestens Q3 2026 vorzulegen, um den Kältebusseinsatz in der kommenden Winterperiode realisieren zu können.

Krefeld hat bereits ein umfassendes Winterhilfeprogramm in Zusammenarbeit mit der Diakonie, Emmaus und der Caritas. Dennoch sieht der Ausschuss in einem Kältebus eine zusätzliche, flexible Unterstützung, die Streetworker entlasten und Menschen erreichen kann, die nicht in Einrichtungen gehen möchten. Ein ähnliches Modell wird bereits in Mannheim umgesetzt.

Mietspiegel und Mietpreisentwicklung

Auch die Wohnungspolitik standen im Mittelpunkt. Der Ausschuss beschloss, die ortsübliche Krefelder Vergleichsmiete in Q1 2026 neu zu berechnen und dabei Bestandsmieten in einem repräsentativen Anteil einzubeziehen. Die bisherige Berechnung basiert hauptsächlich auf Neuvermietungen, was zu Verzerrungen und steigenden Mieten führt. Der Krefelder Mietspiegel soll bis spätestens Q2 2026 auf Basis der neuen Berechnung aktualisiert werden.

Die Einbeziehung von Bestandsmieten soll den tatsächlichen Durchschnitts-Mietpreis genauer abbilden. In Krefeld gibt es ca. 124.000 Wohnungen, von denen 59 % vermietet sind. Die Wohnungssituation ist angespannt, Mieten steigen, und bezahlbarer Wohnraum bleibt knapp. Die Stadt plant zudem eine Vorlage zur Etablierung einer Quote für den öffentlich geförderten Wohnungsbau.

Drug-Checking als Präventionsinstrument

Ein weiteres wichtiges Thema war die Einführung von Drug-Checking im Drogenhilfezentrum Krefeld. Der Antrag der Fraktion B90/Die Grünen wurde einstimmig in den Ausschuss verwiesen. Drug-Checking ermöglicht es Konsumierenden, die Reinheit und Verunreinigungen ihrer Substanzen zu überprüfen. Es liefert wissenschaftliche Erkenntnisse über die Zusammensetzung der auf dem Markt befindlichen Substanzen und dient als sinnvolle Ergänzung im Drogenkonsumraum.

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat rechtliche Voraussetzungen für Drug-Checking geschaffen und fördert das Projekt drei Jahre lang mit Materialkosten und zwei Jahre lang mit Kosten für Schnelltests. Die Verwaltung wird beauftragt, Voraussetzungen für Drug-Checking zu prüfen und notwendige Schritte einzuleiten. Finanziale Ressourcen für Testgeräte, Personal und Schulung sollen zusammengefasst und Förderungsmöglichkeiten ermittelt werden.

Schutz vor häuslicher Gewalt

Krefeld hat auch im Bereich der Prävention und Bekämpfung häuslicher Gewalt entscheidende Schritte unternommen. Mit dem neuen Gewalthilfegesetz (GewHG), das am 28. Februar 2025 in Kraft trat, wurde ein rechtlicher Rahmen geschaffen, der Schutz, Beratung und Unterstützung bei geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt sicherstellen soll. Das Gesetz leitet sich aus der Istanbul-Konvention des Europarats ab, die Deutschland am 12. Oktober 2017 ratifiziert hat.

In Krefeld betreibt das Frauenhaus, das von dem Sozialdienst katholischer Frauen e.V. (SkF) unter geheimer Adresse betrieben wird, derzeit 12 Schutzplätze für Frauen und 8 Plätze für Kinder. Laut Empfehlung des Europarates sollte es 1 Schutzplatz für Frauen und 1,5 Frauenhausplätze für Kinder und Jugendliche pro 10.000 Einwohner geben. Für Krefeld ergäbe sich daraus ein Bedarf von rund 23 Schutzplätzen für Frauen und insgesamt 57 Frauenhausplätzen.

Die Stadt Krefeld hat Gespräche mit dem SkF aufgenommen, um die Weiterentwicklung von Unterstützungsangeboten für schutzsuchende Frauen zu planen. Ziel ist es, die Schutzinfrastruktur auszuweiten und Qualitätsstandards sicherzustellen. Das GewHG bringt Chancen wie finanzielle Absicherung und Planungssicherheit, aber auch Herausforderungen wie höhere Qualitätsstandards und bürokratische Pflichten.

Fazit und Ausblick

Der März 2026 war für Krefeld ein intensiver Monat in der Sozial- und Wohnungspolitik. Der Ausschuss hat wichtige Entscheidungen gefasst, die den Alltag vieler Bürger*innen direkt beeinflussen können. Die Einführung eines Kältebusses, die Modernisierung des Mietspiegels, die Einführung von Drug-Checking und die Sicherstellung von Schutzplätzen für Opfer häuslicher Gewalt sind Schritte in die richtige Richtung.

In den kommenden Monaten wird es darauf ankommen, wie diese Beschlüsse in der Praxis umgesetzt werden. Die Verwaltung hat klare Fristen und Aufgaben, und die politischen Gremien werden die Umsetzung überwachen. Besonders wichtig ist es, dass die Maßnahmen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern tatsächlich zu Verbesserungen führen – für die Schwächsten in der Gesellschaft, für Menschen in Not und für eine lebendige, sozial gerechte Stadt Krefeld.

Quellen

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