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Wohnungsnot in Köln: Wie der Bezirk Mülheim auf soziale Herausforderungen reagiert

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Wohnungsnot in Köln: Wie der Bezirk Mülheim auf soziale Herausforderungen reagiert

Im Februar 2026 hat der Stadtbezirk Mülheim in Köln eine Vielzahl von Entscheidungen getroffen, die sich mit sozialen Angelegenheiten, Wohnungspolitik, Suchthilfe und Integration auseinandersetzen. Dieser Blogartikel beleuchtet die zentralen Entwicklungen, Hintergründe und Konsequenzen.

Wohnungsnot und Obdachlosenhilfe: Einstimmig beschlossen, aber langfristig unzureichend?

Die Wohnungsnot in Köln ist weiterhin ein zentraler Brennpunkt. Im Bezirk Mülheim wurde Anfang Februar einstimmig beschlossen, leerstehende Wohnungen der GAG-Siedlung in der Adolf-Kober- und Moses-Hess-Straße für Wohnungslose zur Verfügung zu stellen. Die Entscheidung kam auf Drängen der linken Fraktion, die vor allem die unzureichende Winterhilfe-Versorgung kritisiert hatte.

Trotz der einstimmigen Zustimmung bleibt die Maßnahme vorübergehend und symptomatisch. Die GAG-Siedlung verfügt über begrenzte Kapazitäten, und die langfristige Wohnungsnot bleibt ungelöst. Zudem ist die politische Unterstützung für eine flächendeckende Nutzung leerstehender Wohnungen für Obdachlose nicht bei allen Fraktionen gegeben – die AfD hielt sich in der Abstimmung zurück.

Suchthilfezentrum: Modellstadt Köln oder Abweichung vom Zürcher Modell?

Ein weiterer Schwerpunkt war die Planung eines Suchthilfezentrums in der Perlengraben/Wilhelm-Hoßdorfstraße. Mit einem Budget von 150.000 Euro für Vorplanung und 8.800 Euro für Kommunikationsmaßnahmen wurde der Grundsatzbedarf festgelegt. Die Einrichtung soll nach dem sogenannten „Zürcher Modell“ funktionieren, bei dem Drogenkonsum in geschützten Räumen stattfindet, um die Schadensminimierung zu fördern.

Die Debatte war dabei stark polarisiert: Während SPD und Grüne das Projekt unterstützten, kritisierte die AfD die Abweichung vom Zürcher Modell und sprach sich stattdessen für strikte Repression aus. Die CDU forderte eine professionelle Mediation mit Anwohner*innen, um Konflikte vorzubeugen.

Die Errichtung des Zentrums durch einen Totalunternehmer und die Einbindung kultureller Aspekte durch einen interfraktionellen Ergänzungsantrag zeigen, dass die Stadt Köln auch hier versucht, sowohl die medizinischen als auch die sozialen und kulturellen Dimensionen zu berücksichtigen.

Interkulturelle Integration: Förderung von Zentren und Netzwerken

Im Bereich der Integration setzte sich der Bezirk Mülheim dafür ein, bestehende interkulturelle Zentren zu stabilisieren und neue Projekte zu fördern. Für 2026 wurden 764.301 Euro für 43 interkulturelle Zentren bereitgestellt. Die Mittel verteilen sich nach Größe der Einrichtungen, wobei größere Zentren stärker gefördert werden.

Zudem wird das Netzwerk der SeniorenNetzwerke Köln ausgebaut, wobei ein Wiederaufbau-Prinzip angestrebt wird, um bestehende Strukturen zu stabilisieren. Die Unterstützung für Härtefälle und die Einbindung von interkulturellen und diversen Aspekten in alle Projekte zeigen, dass die Stadt Köln Integration nicht nur als Dienstleistung, sondern als strukturelle Aufgabe versteht.

Queerpolitik: Vom Netzwerk zur kulturellen Beteiligung

Die Queerpolitik in Köln ist weiterhin ein Schwerpunkt. Die Stadtarbeitsgemeinschaft Queerpolitik plant eine Klausur zur Neuaufstellung und fördert Veranstaltungen wie den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit. Mit einem Budget von 3.700 Euro für Technik und Person ist die Teilnahme an solchen Aktionen finanziell abgesichert.

Zudem wird die Studie „Queer durch NRW“ mit einer Sonderauswertung für Köln vorgestellt, und das Thema der Lebenslagen queerer Obdachloser wird in den Fokus genommen. Der Fast-Track City-Status im Kampf gegen HIV/AIDS ist ein weiteres Beispiel für die Vorreiterrolle Kölns in der Queerpolitik.

Fazit: Soziale Brennpunkte im Fokus – aber Lösungen bleiben auf der Suche

Der Stadtbezirk Mülheim hat im Februar 2026 eine Vielzahl von Entscheidungen getroffen, die soziale, wohnungs- und verkehrsrelevante Themen adressieren. Die Reaktion auf die Wohnungsnot, die Integration und die Queerpolitik zeigen, dass Köln sich aktiv mit diesen Themen auseinandersetzt. Dennoch bleiben viele Lösungen vorübergehend, symptomatisch oder in der Diskussion gefangen. Die langfristige Stabilisierung sozialer Strukturen und der Ausbau von Wohnraum bleiben Herausforderungen für die Zukunft.

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