Jugendbeteiligung in Bielefeld: Strukturen, Debatten und Zukunftsperspektiven
Im April 2026 standen in Bielefeld erneut jugendpolitische Themen im Fokus. Der Kinder- und Jugendrat (KiJuRat) und der Jugendhilfeausschuss setzten sich mit strukturellen Anpassungen, finanziellen Fragen und der Stärkung der demokratischen Beteiligung auseinander. Dieser Blog-Artikel beleuchtet die wichtigsten Entwicklungen.
Jugendbeteiligung in Bielefeld: Strukturen, Debatten und Zukunftsperspektiven
In Bielefeld ist die Beteiligung von Jugendlichen in politischen und gesellschaftlichen Prozessen kein rein theoretisches Konzept, sondern ein lebendiger Bestandteil der kommunalen Arbeit. Im April 2026 fanden mehrere wichtige Sitzungen statt, die die Struktur, Finanzierung und Zukunft der Jugendbeteiligung in der Stadt prägten. Der Fokus lag dabei auf dem Kinder- und Jugendrat (KiJuRat) und dem Jugendhilfeausschuss, die sowohl strukturelle als auch inhaltliche Anpassungen beschlossen.
Strukturelle Anpassungen im Kinder- und Jugendrat
Der KiJuRat hat sich in den vergangenen Jahren als zentraler Ansprechpartner für jugendpolitische Themen etabliert. Im April 2026 wurde eine 1. Änderungssatzung zur Satzung des KiJuRats beschlossen. Diese bringt deutliche Veränderungen:
- Reduzierung der Mitgliederzahl: Die Zahl der stimmberechtigten Mitglieder wird von 26 auf 22 verringert. Zuvor bestand der Rat aus 20 direkt gewählten Mitgliedern, vier aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) und zwei von der BezirksSchüler*innenVertretung (BSV) benannten Mitgliedern.
- Neuausrichtung der Delegiertenstruktur: Zwei Mitglieder aus der OKJA werden künftig direkt gewählt, nicht mehr benannt. Damit wird die demokratische Basis gestärkt und die Verantwortung der Jugendlichen für ihre Vertretung erhöht.
- Beteiligung an Gremien: Der KiJuRat benennt weiterhin einer Teilnehmerin und einer stellvertretender Teilnehmer*in mit beratender Stimme für den Jugendhilfeausschuss und den Schul- und Sportausschuss. Diese Änderung unterstreicht die wachsende Relevanz der Jugendbeteiligung in Bielefeld.
Die Verwaltung stellte zudem einen Bericht über die Arbeit des KiJuRats vor, der auch Ergebnisse einer Mitgliederumfrage enthält. Die Evaluation zeigt, dass die Delegiertenstruktur funktioniert, aber auch, dass es Raum für eine breiteren, direkteren oder flexibleren Beteiligung gibt. Viele Jugendliche würden auch ohne formelle Rolle mitwirken – ein Hinweis auf die Notwendigkeit, Beteiligungsformen weiter zu diversifizieren.
Jugendhilfeausschuss: Finanzierung, Projekte und Perspektiven
Der Jugendhilfeausschuss, das zentrale Gremium für jugendpolitische Entscheidungen in Bielefeld, beschloss im April 2026 mehrere wichtige Themen. Dazu gehörten:
- Finanzierung der Familienzentren: Die freiwillige kommunale Finanzierung der Familienzentren wird mit Ablauf des 31.12.2025 eingestellt. Die Gelder sollen künftig in Projekte der Queeren Jugendarbeit und in die Miete eines neuen stationären Angebots der Offenen Kinder- und Jugendarbeit („Mobi Nord“) fließen. Dies spiegelt eine Umverteilung von Ressourcen wider, um besonders benachteiligte Jugendliche stärker zu unterstützen.
- Förderung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit: Es wird angestrebt, eine feste Unterkunft für die mobile OKJA an der Vilsendorfer Straße zu schaffen. Die Finanzierung hierfür soll entweder durch Kürzungen im OKJA-Budget oder durch Erhöhung des Defizits erfolgen. Der aktuelle Bauwagen wird als nur vorübergehend angesehen und durch eine bessere Infrastruktur ersetzt.
- Neue Projekte und Initiativen: Der Ausschuss beschloss zudem die Finanzierung der „Bielefelder Nacht der Berufe“ und der „Berufsinformationsbörse (BiB Startklar)“. Beide Formate zählen zu den wichtigsten Berufsorientierungsangeboten in der Stadt. Die „Nacht der Berufe“ zog im Vorjahr über 1.400 Jugendliche an, die „BiB Startklar“ erreichte 2.000 Teilnehmende.
Zudem wurde die Anerkennung des Falken Bielefeld für Kinder und Jugendliche e.V. als Träger der freien Jugendhilfe beschlossen. Der Verein ist ein neuer Rechtsnachfolger des „Vereins zur Förderung der Jugendarbeit e.V.“ und wird künftig in Projekten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, in Jugendzentren und in Ferienspielen tätig sein.
Demokratiebildung und Selbstwirksamkeit
Ein zentraler Aspekt der Arbeit des KiJuRats ist die Stärkung der demokratischen Beteiligung. Jugendliche berichteten, dass sie durch ihre Arbeit Sicherheit gewonnen haben, politische Prozesse besser verstehen und aktiv Einfluss nehmen können. Themen wie Rassismus, Kinderrechte und Klimaschutz standen im Mittelpunkt. Die Verwaltung betont, dass die Begleitung des KiJuRats durch die Verwaltung bereichernd wirkt und neue Mitglieder bei der Einarbeitung unterstützt.
Die Erwachsenen im Jugendhilfeausschuss zeigten sich beeindruckt von der Selbstwirksamkeit der Jugendlichen. Besonders die Erfahrungen im Wahlprozess, in Podiumsdiskussionen und bei der Gestaltung von politischen Debatten wurden hervorgehoben.
Ausblick: Was kommt als Nächstes?
In den kommenden Monaten stehen weitere wichtige Themen an:
- Änderungen im Kinderbildungsgesetz (KiBiz): Ab 01.08.2027 wird es neue Regelungen zur Finanzierung der Kindertagesbetreuung geben. Die Kommune wird neue Strukturen entwickeln müssen, um die finanziellen Auswirkungen zu bewältigen.
- Weiterentwicklung der REGE-Projekte: Die REGE mbH (Regionale Entwicklung und Gesundheit) wird ihre Projekte in der Jugendarbeit fortentwickeln, darunter auch Angebote zur Ernährungsbildung in Kitas.
- Digitalisierung in der Kitas: Ein digitales Konzept für alle Kindertageseinrichtungen wird vorgestellt, was zu mehr Transparenz und Effizienz führen könnte.
Insgesamt zeigt sich Bielefeld auf einem guten Weg, Jugendbeteiligung als festen Bestandteil der kommunalen Politik zu etablieren. Die Anpassungen im KiJuRat und die finanziellen Entscheidungen im Jugendhilfeausschuss unterstreichen, dass die Stadt bereit ist, jugendpolitische Themen ernst zu nehmen und sie in die Zukunftsperspektiven einzubeziehen.
Quellen
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