Salzgitter setzt auf Klimaneutralität: Wärmeplanung, Abwärme und Erneuerbare Energien im Fokus
Im März 2026 hat Salzgitter entscheidende Schritte in Richtung klimaneutraler Wärmeversorgung und stärkerer Nutzung erneuerbarer Energien gesetzt. Die Kommunale Wärmeplanung sowie Projekte zur Abwärmenutzung und Entsiegelung bilden den Schwerpunkt.
Klimaneutralität in Salzgitter: Wie die Stadt auf Kurs bleibt
Die Stadt Salzgitter hat sich in den vergangenen Jahren als Vorreiter im Klimaschutz etabliert. Im März 2026 standen in der Sitzung des Umwelt- und Klimaschutzausschusses erneut entscheidende Planungen und Projekte im Fokus, die den Weg zur Klimaneutralität beschleunigen sollen. Besonders die kommunale Wärmeplanung, die Nutzung von Abwärme und die Integration erneuerbarer Energien in die städtische Infrastruktur haben hierbei Priorität.
Kommunale Wärmeplanung: Der Schlüssel zur Klimaneutralität
Die Wärmeplanung Salzgitters ist ein zentraler Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2040. Die aktuelle Wärmenachfrage der Stadt (ohne Industrie) beträgt 1.790 GWh/Jahr, wobei Erdgas mit 75 % derzeit der dominierende Energieträger ist. Die Stadt hat sich vorgenommen, bis 2030 erste Zwischenziele zu erreichen und bis 2040 eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu schaffen.
Die Planung wird von der Firma d-fine GmbH durchgeführt, die bis Ende 2026 einen umfassenden Bericht vorlegen wird. Dabei werden Szenarien für den Ausbau von Wärmenetzen, die Nutzung von Abwärme und erneuerbaren Energien wie Photovoltaik, Solarthermie und Geothermie analysiert. Die Fernwärme, die aktuell 15 % der Gesamtwärme deckt, ist dabei ein Schlüsselthema. In Lebenstedt und Thiede ist sie bereits in einem hohen Maße etabliert und soll in weiteren Stadtteilen ausgebaut werden.
Abwärme: Ein unterschätztes Potenzial
Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Klimaschutzstrategie ist die Nutzung von Abwärme. Insbesondere die Kläranlage Nord bietet ein Wärmepotenzial von etwa 14 GWh/Jahr, das durch Wärmetauscher und Wärmepumpen genutzt werden kann. Auch industrielle Abwärme, beispielsweise von Salzgitter Flachstahl GmbH, wird in die Planung einbezogen. Zudem wird die Nutzung von Grubenwasser und Oberflächengewässern wie der Innerste untersucht, die theoretisch bis zu 294 GWh/Jahr bereitstellen könnten.
Die Nutzung von Abwärme birgt jedoch auch Herausforderungen, insbesondere hinsichtlich der räumlichen Nähe zwischen Wärmequelle und -bedarf. Technische und wirtschaftliche Machbarkeitsanalysen sowie die Einhaltung von Umwelt- und Schutzgebotsvorgaben sind entscheidend für den Erfolg dieser Projekte.
Erneuerbare Energien: Photovoltaik, Geothermie und mehr
Die Nutzung erneuerbarer Energien ist ein weiteres zentrales Thema in Salzgitters Klimaschutzstrategie. Das Photovoltaikpotenzial der Stadt beträgt 324 GWh/Jahr, wobei 50 % als realisierbares Potenzial eingeschätzt werden. In Lebenstedt allein sind es bereits 84 GWh/Jahr. Zudem wird die Tiefe Geothermie als Option für zentrale Wärmeversorgung in Betracht gezogen, obwohl sie aufgrund von Fündigkeitsrisiken und hohen Investitionskosten ein hohes Maß an Planungssicherheit erfordert.
Auch die Nutzung von Oberflächengewässern und Grubenwasser wird in die Planung einbezogen, da diese Quellen stabile Temperaturen bieten und somit effizient in Wärmepumpentechnologien integriert werden können.
Klimafreundliche Baustoffe und Entsiegelung
Im März 2026 wurde ein Änderungsantrag zur obligatorischen Nutzung von grünem Stahl und grünem Beton in öffentlichen Baumaßnahmen diskutiert. Ziel ist es, den CO₂-Fußabdruck städtischer Bauvorhaben zu reduzieren. Zudem hat Salzgitter begonnen, Flächen mit Entsiegelungspotenzial zu erfassen, um die lokale Klimaerwärmung zu reduzieren. Hierbei wird ein Bewertungsschema angewandt, das versiegelte Flächen mit Überwärmung > 5 °C identifiziert.
Fazit: Salzgitter auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft
Die Stadt Salzgitter hat in den letzten Monaten deutlich gemacht, dass sie ihre Klimaschutzziele nicht nur formuliert, sondern aktiv umsetzt. Mit der kommunalen Wärmeplanung, der Nutzung von Abwärme und der Integration erneuerbarer Energien hat Salzgitter einen klaren Kurs gesetzt. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie erfolgreich diese Strategie ist – und ob Salzgitter als Vorbild für andere Städte dienen kann.
Quellen
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