Wohnraum, Suchtprävention und Integration: Fokus auf soziale Angelegenheiten in Göttingen, Februar 2026
Im Februar 2026 standen in Göttingen entscheidende Debatten im Bereich Soziales, Integration und Wohnungspolitik im Mittelpunkt. Der Ausschuss für Soziales, Integration, Gesundheit und Wohnungsbau diskutierte unter anderem ein datenbasiertes Drogenmonitoring, den Kampf gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum und die Förderung von Allein- und Getrennterziehenden. Dieser Blog analysiert die Hintergründe, Zielsetzungen und Auswirkungen der wichtigsten Entscheidungen.
Wohnungspolitik: Kampf gegen Zweckentfremdung intensiviert
Die Stadt Göttingen hat sich im Februar 2026 entschlossen, den Kampf gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum weiter zu verschärfen. Eine neue Satzung, die rückwirkend ab 1. Januar 2026 gilt und bis zum 31. Dezember 2027 anwendbar ist, verbietet die Umwidmung von Wohnräumen in Nichtwohnzwecke ohne Genehmigung. Dies ist ein entscheidender Schritt inmitten eines angespannten Wohnungsmarkts, bei dem laut Zensus 2022 über 1.500 Wohnungen leerstehen und weitere durch Zweckentfremdungen verloren gegangen sind.
Die neue Satzung sieht die Führung eines Verzeichnisses der Leerstände vor und verpflichtet die Verwaltung, Verfügungsberechtigte auf die rechtliche Lage hinsichtlich Zweckentfremdung hinzuweisen. Allerdings ist aufgrund von Ressourcenmangel eine konsequente Umsetzung bisher nicht möglich – eine zusätzliche Personalstelle wäre erforderlich. Die Satzung verursacht keine Kosten, kann aber durch Bußgelder und Gebühren finanziell unterstützt werden.
Drogen- und Suchtmonitoring: Datenbasierte Prävention
Ein weiterer Schwerpunkt der Ausschusssitzung war der Antrag der SPD-Ratsfraktion zur Einführung eines „Datenbasierten Drogen- und Suchtmonitorings in Göttingen“. Ziel ist es, eine belastbare, regelmäßig aktualisierte Datengrundlage zur Drogen- und Suchtlage in der Stadt zu schaffen. Dazu wird unter anderem die Untersuchung von Drogenrückständen im Abwasser als mögliche Methode diskutiert.
Die Verwaltung soll prüfen, wie Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Förderprogrammen des Landes oder Bundes genutzt werden können. Die Ergebnisse sollen in den Ausschuss gemeldet und in Präventions- und Beratungsangebote einfließen. Der Antrag ist ein Schritt hin zu einer evidenzbasierten Suchtpolitik, die auf frühzeitige Erkennung und gezielte Interventionen setzt.
Integration und Teilhabe: Unterstützung von Allein- und Getrennterziehenden
Ein weiteres Thema war die Förderung von Allein- und Getrennterziehenden in Göttingen. Der Rat hat beschlossen, dass die Verwaltung prüfen soll, wie die Teilhabechancen dieser Gruppe dauerhaft verbessert werden können. Aktuell leben in Göttingen rund 2.500 Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern, davon sind nach Bundesangaben etwa 1.000 Kinder armutsgefährdet.
Der Antrag sieht unter anderem vor, Allein- und Getrennterziehende strategisch in die städtische Sozialplanung zur Armutsprävention einzubeziehen und eine Beratungs- und Lotsenfunktion innerhalb der Verwaltung einzurichten. Zudem wird der Einführung des Projekts „Sonne, Mond und Sterne – ergänzende Kinderbetreuung“ in Göttingen Vorschub geleistet, um Familien in finanziellen Notständen ergänzende Betreuungsplätze anzubieten.
Gesundheitsförderung und Prävention: Von Zahnpflege bis Impfungen
Im Bereich Gesundheit und Prävention setzte Göttingen im Februar 2026 auf eine Vielzahl von Maßnahmen. Dazu gehören jährliche Aufklärungsveranstaltungen zu sexuell übertragbaren Krankheiten, Impfaktionen in den 6. Klassen, zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen für rund 1.500 Kinder sowie Prophylaxeunterweisungen in Kitas und Schulen.
Ein weiteres Schwerpunktthema war die Digitalisierung des Gesundheitsamts und die Entwicklung eines Gesundheitsberichts, der auf qualifizierten Datenerhebungen basiert. Zudem wird eine standardisierte Infektionshygienische Überwachung in Zahnarztpraxen eingeführt, und das elektronische Melde- und Informationssystem für Gesundheitsämter (EMIGA) wird weiterentwickelt. Diese Maßnahmen zielen auf eine evidenzbasierte und bedarfsorientierte Gesundheitsförderung ab.
Ausblick: Herausforderungen und Chancen
Die Februar-Entscheidungen zeigen, dass Göttingen sich aktiv mit den sozialen Herausforderungen auseinandersetzt – von der Bekämpfung von Wohnungsknappheit über Suchtprävention bis hin zur Integration von Geflüchteten und Unterstützung von Allein- und Getrennterziehenden. Allerdings bleiben auch Handlungsräume – insbesondere im Hinblick auf Ressourcen, Personal und Finanzierung.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die beschlossenen Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden können und wie sie sich auf die Lebensqualität der Göttinger Bevölkerung auswirken. Entscheidend wird sein, wie gut die Verwaltung, die Politik und die Zivilgesellschaft zusammenarbeiten können, um die sozialen Herausforderungen in der Stadt nachhaltig zu meistern.
Quellen
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