Kulturpolitik in Potsdam: Innovation, Erinnerung und Finanzierung im Fokus
Im Februar 2026 standen in Potsdam mehrere wegweisende Entscheidungen im Bereich Kultur und Gemeinschaft an. Vom digitalen Erinnerungsraum bis zur finanziellen Neuausrichtung – der Kulturausschuss setzte auf Innovation, Erinnerungskultur und bürgerschaftliches Engagement.
Digital-Analoge Platzgestaltung: Steubenplatz als Leitbild?
Der Kulturausschuss Potsdams diskutierte intensiv über die Zukunft des Steubenplatzes. Ein von der SPD-Fraktion vorgelegter Antrag zielt auf eine „digital-analoge Platzgestaltung“ ab, bei der der Platz ohne festes Denkmal, wie das Steuben-Denkmal, auskommt. Stattdessen sollen Trinkbrunnen, Verschattungen und Wasserspiele die Atmosphäre prägen, kombiniert mit digitalen Angeboten wie der „Potsdam History App“.
Diese App soll historische Hintergründe, alternative Gestaltungsvarianten und kindgerechte, inklusive Informationen bereitstellen. Die Idee ist inspiriert vom „Digital-Analogen Geschichtspfad Bornstedt“, ein Pilotprojekt, das bereits praktische Erfahrungen sammelte. Ziel ist es, die Platzgestaltung nicht statisch, sondern dynamisch und diskursfähig zu machen – ein Modell, das Stadtpolitik und Erinnerungskultur verbindet.
Kultur im öffentlichen Raum: „Kunst am Kasten“ und Gedenkorte
Ein weiteres Projekt, das in der Sitzung diskutiert wurde, ist das Pilotprojekt „Kunst am Kasten“. Jugendliche in Babelsberg Nord erhalten die Möglichkeit, Stromkästen künstlerisch zu gestalten. Dieser Ansatz zielt auf mehr legale Flächen für kreative Ausdrucksformen ab, um Graffiti-Konflikte zu reduzieren und Identifikation mit dem Stadtteil zu stärken. Das Projekt wird vom Fanprojekt Babelsberg betreut und nach einem Jahr evaluiert. Bei positivem Ergebnis ist eine Ausweitung auf andere Stadtteile geplant.
Ein weiterer kultureller Fokus lag auf der Erinnerungskultur. Der Gedenkstein für den Antifaschisten Paul Kühne, der aktuell am Bahnhof Potsdam-Medienstadt steht, soll auf eine städtische Grünfläche in Babelsberg verlegt werden. Eine Informationstafel soll die Biografie und Geschichte des Kommunisten Kühne, der als Spanienkämpfer im Zweiten Weltkrieg starb, kontextualisieren. Die Stadtverordnetenversammlung soll bis April 2026 über das Prüfergebnis informiert werden.
Musikschulgebühren und finanzielle Einschnitte
Auch finanzielle Themen standen im Zentrum der Diskussion. Die Musikschule Potsdam plant eine Gebührenanpassung ab August 2026, 2027 und 2028. Die Erhöhung ist notwendig, um Mehrausgaben durch Inflation, Lohnsteigerungen und neue Stellen zu kompensieren. Gleichzeitig werden höhere Sozial- und Geschwisterermäßigungen eingeführt, unter anderem für Familien mit Wohngeld oder Kinderzuschlag. Die Ermäßigungen gelten künftig auch für Kurse, nicht nur für Unterricht.
Ein weiterer finanzieller Einschnitt ist die Beendigung der finanziellen Beteiligung an der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH. Die Stadt zahlte 2025 noch 292.000 Euro an das Brandenburgmuseum. Die Begründung: Die Finanzlage der Stadt erfordere gezielte Einsparungen. Dieser Schritt wirft Fragen auf, wie kulturelle Kooperationen in der Region zukünftig finanziert werden sollen.
Ausblick: Kultur als Brücke zwischen Erinnerung und Zukunft
Die Entscheidungen des Kulturausschusses im Februar 2026 zeigen, wie vielschichtig Kultur in Potsdam ist. Sie verbindet Erinnerungskultur mit digitaler Innovation, bürgerschaftliches Engagement mit finanzieller Realität. Die Stadt setzt auf Projekte, die nicht nur kulturell bereichernd sind, sondern auch gesellschaftliche und politische Diskurse befeuern. Ob die digital-analoge Gestaltung des Steubenplatzes oder die künstlerische Nutzung von Stromkästen – Potsdam zeigt, dass Kultur nicht nur Museen und Konzerte umfasst, sondern auch den öffentlichen Raum lebendig und diskursfähig macht.
Quellen
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