Cottbus: Betreuungszeiten in Kitas im Fokus – Was ändert sich 2026?
Im März 2026 standen in Cottbus die verlängerten Betreuungszeiten in Kindertageseinrichtungen im Mittelpunkt. Die wegfallende Richtlinie und die neue Finanzierungssituation wirken sich auf Eltern, Betreuer und die Stadt aus. Ein Überblick über die wichtigsten Entscheidungen und ihre Folgen.
Cottbus: Betreuungszeiten in Kitas im Fokus – Was ändert sich 2026?
Die Betreuung von Kindern über 8 Stunden täglich war in Cottbus in den letzten Jahren ein zentraler Punkt in der kommunalen Kinderbetreuungspolitik. Mit dem Wegfall der Richtlinie „Verlängerte Betreuungszeiten“ ab 2026 und der damit einhergehenden finanziellen Umstellung hat sich die Situation für Kitas, Eltern und die Stadt grundlegend verändert.
Auswirkungen des Wegfalls der Richtlinie auf die Betreuungszeiten
Die Auswertung einer Trägerumfrage zeigt, dass 31 von 36 befragten Kitas bereits vor 2019 verlängerte Betreuungszeiten anboten. 29 dieser Einrichtungen nutzten die Richtlinie zur Finanzierung zusätzlicher Personalstunden. In den Jahren 2023–2025 nutzten durchschnittlich 25–27 Kitas diese Mittel, um Betreuungszeiten über 8 Stunden zu sichern. Im Jahr 2025 wurden 870 Kinder mit einer täglichen Betreuung über 8 Stunden betreut.
Mit dem Wegfall der Richtlinie ab 2026 berichteten 24 von 36 Kitas von negativen Auswirkungen auf die Betreuungsleistung. Sechs Kitas reduzierten ihre Öffnungszeiten, und zwar von 2025 auf 2026. Dennoch gaben 32 Kitas an, ab 2026 in der Lage zu sein, den verlängerten Rechtsanspruch nach § 1 KitaG umzusetzen.
Für Eltern bedeutet dies jedoch, dass sie sich auf mehr Schwierigkeiten bei Ausfällen, Gruppenzusammenlegungen und eingeschränkter Notfallbetreuung einstellen müssen. Diese Veränderungen werden insbesondere Familien mit mehreren Kindern oder Eltern mit unsicheren Arbeitszeiten betreffen.
Finanzierung im Umbruch: Herausforderungen für Kitas
Die Finanzierung der verlängerten Betreuungszeiten war in den vergangenen Jahren stark von der Richtlinie abhängig. 31 von 36 Kitas beantragten Mittel des „Kita-Budgets“, wobei 23 Einrichtungen diese für zusätzliche Personalstunden nutzten. Lediglich 10 Kitas sagten, dass die Mittel zur Erfüllung der Betreuungspflicht reichen würden, 14 Kitas sagten „nein“, und 3 Kitas gaben an, die Mittel „teilweise“ ausreichten.
Im Jahr 2026 wird die Finanzierung über die Neue Personalkostenpauschale (NPP), Ehrenamt, Rücklagen, Spenden oder Verkürzung der Öffnungszeiten erfolgen. Schätzungsweise entstehen Kosten von 621.000 € für 1.242 Kinder, die eine Betreuung über 8 Stunden benötigen.
Die Stadt Cottbus hat zudem eine Förderung für Kitas mit besonderen Bedarfen (2024–2025) in Höhe von 600.000 € eingerichtet. Diese Mittel waren ausschließlich für zusätzliche Betreuungskräfte vorgesehen. Sieben von acht ausgewählten Kitas nutzten die Förderung vollständig. Ohne diese Mittel wären zusätzliche Angebote wie Elternarbeit, Begleitung zu Ärzten oder individuelle Förderung nicht mehr machbar.
Rechtliche und pädagogische Grundlagen bleiben bestehen
Trotz der wegfallenden Richtlinie bleibt der Rechtsanspruch auf Betreuung bestehen (§ 1 KitaG). § 9 KitaG verpflichtet Kitas, bedarfsgerechte Öffnungszeiten anzubieten, wobei die maximale Betreuungsdauer auf 10 Stunden begrenzt ist. Zudem muss der Personalschlüssel (§ 10 KitaG) verlängerte Betreuungszeiten abdecken. § 12 KitaG verpflichtet die Träger, die Betreuung bedarfsgerecht zu gewährleisten, und § 14 Abs. 2 KitaG erfordert, dass Träger in der Lage sind, verlängerte Betreuungszeiten zu sichern.
Diese rechtlichen Grundlagen geben Kitas und der Stadt einen Rahmen, um auch im Jahr 2026 die Betreuung über 8 Stunden sicherzustellen. Gleichzeitig zeigen die Umfragedaten jedoch, dass viele Kitas zusätzliche Unterstützung benötigen, um die Qualität ihrer Arbeit aufrechtzuerhalten.
Vorbereitung auf die Zukunft: Sitzungen und Anträge
Am 26. März 2026 tagte der Unterausschuss Kindertagesbetreuung, um über die Auswirkungen des Wegfalls der Richtlinie zu beraten. Auf der Tagesordnung standen auch Berichte zu Kitas mit besonderen Bedarfen, der Auswertung der Trägerumfrage sowie Anträgen zur finanziellen Nachsteuerung und Sonderzahlungen für Kindertagespflegepersonen.
Diese Sitzung markiert einen Schritt in Richtung einer langfristigen Lösung, um die Betreuungszeiten und -qualität in Cottbus trotz finanzieller Einschnitte zu sichern. Die Stadt muss in den nächsten Monaten entscheiden, ob sie zusätzliche Mittel bereitstellt oder auf andere Finanzierungsmodelle zurückgreifen wird, um die Betreuungsleistungen aufrechtzuerhalten.
Ausblick: Wie wird Cottbus reagieren?
Die Herausforderung für Cottbus ist es, trotz wegfallender Förderungen und Richtlinien eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Betreuung für Kinder über 8 Stunden sicherzustellen. Die Stadt muss dabei auch die finanziellen und personellen Kapazitäten der Kitas berücksichtigen.
Langfristig wird es darauf ankommen, ob und wie die Stadt zusätzliche Mittel bereitstellen kann oder ob sie auf Lösungen wie Ehrenamt oder Partnerschaften mit privaten Trägern zurückgreifen wird. Die Umfragedaten zeigen, dass viele Kitas bereits mit der Umstellung kämpfen – eine finanzielle Nachsteuerung könnte hier entscheidend sein.
Quellen
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