Wohnen im Fokus: Wie Tempelhof-Schöneberg Wohnungsnöte bekämpft und Sozialraum stärkt
Im April 2026 standen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg vor allem Themen aus Sozial- und Wohnungspolitik im Vordergrund. Der Ausschuss für Bürgerdienste, Soziales, Senioren und demographischen Wandel setzte sich intensiv mit der Bekämpfung von Leerstand, der Digitalisierung sozialer Prozesse und der Unterstützung wohnungsloser Menschen auseinander. Dieser Beitrag analysiert die wichtigsten Entscheidungen und Entwicklungen.
Wohnungspolitik im Wandel – von Leerstand bis KI-Bearbeitung
Tempelhof-Schöneberg setzt sich intensiv mit der Herausforderung auseinander, Wohnraum zu schaffen und den Leerstand zu reduzieren. Im April 2026 beschloss der Bezirk, die Wiederherstellung leerstehender Gebäude – insbesondere an der Potsdamer Straße 165/163 – mit Priorität anzugehen. Ein einstimmiger Antrag sieht vor, dass das Bezirksamt rechtliche Schritte gegen den Eigentümer einleiten soll, um die Zweckentfremdung zu unterbinden und Wohnraum zurückzugewinnen.
Zugleich prüft der Bezirk, ob städtische Wohnungsbaugesellschaften oder Genossenschaften ein Vorkaufsrecht erhalten könnten, um den sozialen Wohnungsbau zu stärken. Dieser Schritt ist Teil einer größeren Strategie, die in Berlin aufgrund der steigenden Wohnungsnot an Relevanz gewinnt.
Ein weiteres Thema war die Erhebung der Wohnungslosigkeit. Laut Meldung des Bezirks standen Anfang 2026 3.540 wohnungslose Menschen untergebracht. Diese Zahl unterstreicht die Dringlichkeit, nicht nur neue Wohnungen zu bauen, sondern auch bestehenden Wohnraum zu nutzen.
Soziale Unterstützung – digitale und analoge Wege
Soziale Sicherung und Gesundheitsförderung spielen eine zentrale Rolle in der Arbeit des Bezirks. Im April wurde ein Projekt zur Gesundheitsförderung bei Arbeitslosen beschlossen – „Teamwork für Gesundheit und Arbeit“ soll dazu beitragen, die Gesundheit von Menschen in Arbeitslosigkeit zu stärken. Gleichzeitig bleibt die Verwaltung bei der Bearbeitung von Wohngeldanträgen analog: Obwohl andere Bezirke KI-Systeme testen, verzichtet Tempelhof-Schöneberg auf diesen Ansatz. Die Durchschnittsverarbeitungszeit liegt bei 9,93 Wochen.
Die Digitalisierung ist dennoch ein Thema – im Bereich der Sozialen Wohnhilfe wird ein IT-Fachverfahren (FAMOS) eingeführt, um Prozesse zu vereinfachen und Monitoring-Verfahren zu digitalisieren. Gleichzeitig wird eine Reform der Bürgerämter bis 2030 vorbereitet – mit Fokus auf Arbeitsbedingungen und Erscheinungsbild.
Seniorenarbeit – Herausforderungen und Chancen
Auch in der Seniorenarbeit gab es Entwicklungen: Der Wechsel der Reinigungsfirmen in Freizeitstätten 60+ führte zu Qualitätseinbußen, was bei den Anwohnern auf Unmut stieß. Gleichzeitig blieb der Bezirk im Bereich der Ausflüge und Ehrenamtspflege aktiv – Dampferfahrten und Teilnahme an der Ehrenamtsbörse ohne Neueinstellungen zeigen, dass auch im Alter vielfältige Partizipationsangebote möglich sind.
Die Kommunikation mit Senioren wird verstärkt: 1.500 Schreiben an 70-Jährige wurden versendet, um sie über Sozialberatung zu informieren. Die Resonanz war gut, was zeigt, dass auch traditionelle Kommunikationswege weiterhin eine Rolle spielen.
Politische Debatten – vom Wahlrecht bis zur Bargeldzahlung
Im politischen Diskurs standen Themen wie das Wahlrecht für wohnungslose Menschen im Raum. Ein Antrag, mobile Wahlämter und Sammelanträge zu ermöglichen, wurde vertagt. Ebenso blieb der Antrag der BSW zur Sicherung barrierefreier Bargeldzahlung in der Verwaltung ohne Mehrheit. Diese Entscheidungen zeigen, dass der Bezirk bei der Umsetzung inklusiver politischer Maßnahmen noch Vorbehalte hat.
Gleichzeitig setzte sich der Bezirk dafür ein, vorhandene arbeitsmarktpolitische Instrumente wie „Arbeit statt Sucht“ oder „Weitblick“ zu nutzen, anstatt neue Kooperationen einzugehen. Dieser Ansatz betont Effizienz und Pragmatismus in der Verwaltung.
Ausblick: Wohnraum, Digitalisierung und Sozialraum
Die Entscheidungen des April 2026 zeigen, dass Tempelhof-Schöneberg sich bewusst auf die Herausforderungen des demographischen Wandels und der steigenden Wohnungsnot konzentriert. Die Wiederherstellung leerstehender Gebäude, die Stärkung des sozialen Wohnungsbaus und die Digitalisierung sozialer Prozesse sind zentrale Schwerpunkte. Gleichzeitig bleibt die Balance zwischen analoger und digitaler Sozialarbeit, zwischen bürgernaher Verwaltung und effizienter Digitalisierung ein spannendes Thema für die Zukunft.
Der Bezirk ist dabei auf einem Weg – nicht immer schnell, aber mit klaren Zielsetzungen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die angestoßenen Maßnahmen tatsächlich zu mehr Wohnraum, mehr sozialer Sicherheit und mehr Partizipation führen können.
Quellen
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