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Gleichstellung und soziale Angebote in Stuttgart: Fokus auf Care-Arbeit, Bewegungsförderung und psychologische Unterstützung

Gleichstellung und soziale Angebote in Stuttgart: Fokus auf Care-Arbeit, Bewegungsförderung und psychologische Unterstützung

Im Februar 2026 hat Stuttgart eine Vielzahl von Initiativen und Entscheidungen in den Bereichen Gleichstellung, Bewegungsförderung und psychologische Unterstützung vorgestellt. Der Beirat für Gleichstellungsfragen hat dabei einen Schwerpunkt auf Care-Arbeit, gendersensible Sportangebote und psychologische Beratung gelegt. In diesem Blog-Artikel analysieren wir die Hintergründe, Entscheidungen und mögliche Auswirkungen dieser Maßnahmen.

Care-Arbeit im Fokus: Gleichstellung als gesellschaftliche Herausforderung

Care-Arbeit – also unbezahlte Sorgearbeit – bleibt eine zentrale Herausforderung für Gleichstellung in Stuttgart. Im Februar 2026 fand eine öffentliche Sitzung des Beirats für Gleichstellungsfragen statt, in der die gesellschaftliche Bedeutung und die Verteilung von Care-Arbeit thematisiert wurden. Laut aktuellem Datenstand liegt der Gender Care Gap in Stuttgart bei 44,3 Prozent, was bedeutet, dass Frauen täglich etwa 76 Minuten mehr an unbezahlter Sorgearbeit leisten als Männer.

Diese Diskrepanz hat weitreichende Auswirkungen auf die Berufswahl, den Lohn und die Work-Life-Balance von Frauen. Stuttgart hat daher eine Veranstaltungsreihe gestartet, um die Themen Care-Arbeit, Equal Pay und Pflege zu beleuchten. Veranstaltungen wie „Wirtschaft ist Care“ oder „Unter allen Umständen frei! Wie radikal ist Feminismus?“ zielen darauf ab, die gesellschaftliche Wertschätzung für Care-Arbeit zu erhöhen und gleichzeitig Lösungsansätze zu diskutieren.

Gendersensible Bewegungsförderung: Neue Wege für Mädchen und junge Frauen

Stuttgart hat sich im Februar 2026 entschlossen, Bewegungsangebote gendersensibel zu gestalten, um die körperliche Aktivität von Mädchen und jungen Frauen zu fördern. Eine Pilotstudie namens „spORT für Dich“ wurde in Kooperation mit der Abteilung für Chancengleichheit und dem Amt für Sport und Bewegung durchgeführt. Ziel ist es, Bewegungsangebote so zu gestalten, dass sie auf die spezifischen Bedürfnisse von Mädchen und jungen Frauen abgestimmt sind.

Die Studie identifizierte mehrere zentrale Barrieren: finanzielle Hürden, mangelndes Sicherheitsgefühl und Bewertungsdruck. Gleichzeitig wurden Wünsche nach kreativen Sportarten wie Calisthenics, Volleyball oder Outdoor-Gyms formuliert. Stuttgart plant daher, mehr Fitnessanlagen, Kletteranlagen und Beachvolleyballfelder einzurichten, die speziell für Mädchen und junge Frauen zugänglich sind. Zudem sollen geschützte Räume und Zeiten geschaffen werden, in denen Mädchen sich frei und ohne Druck bewegen können.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Partizipation: Mädchen und junge Frauen sollen aktiv in die Planung und Umsetzung von Bewegungsangeboten einbezogen werden. Dies gilt als entscheidender Erfolgsfaktor, um langfristige Motivation und Beteiligung zu gewährleisten. Auch die Infrastruktur spielt eine große Rolle – saubere, gut erreichbare und beleuchtete Räume sind zentral. Stuttgart plant, die Vielfalt der Bewegungsräume zu erhöhen und sie nach Kriterien des Gender-Budgetings zu fördern.

Psychologische Unterstützung: Beratung für alle Lebenslagen

Im Februar 2026 wurde auch ein neues Angebot zur psychologischen Unterstützung vorgestellt: die Beratungsstelle „Ruf und Rat“ der Katholischen Familien- und Lebensberatung in Stuttgart. Die Einrichtung bietet eine breite Palette an Beratungsformaten – von Präsenzberatung über Video- und telefonische Beratung bis hin zu innovativen Formaten wie „Walk and Talk“ oder „Blended Counseling“.

Das Angebot ist niederschwellig und anonym zugänglich, wodurch es besonders für Menschen in Krisensituationen attraktiv ist. Es richtet sich an Paare, Familien, Einzelpersonen und Gruppen und behandelt Themen wie Trennungsberatung, Paarberatung, Lebensberatung, Coaching und Mediation. Besondere Aufmerksamkeit wird auch der Beratung für Männer* gewidmet, die sexualisierte Gewalt erfahren haben – ein Thema, das unter dem Hashtag #MEnTOO diskutiert wird.

Ein weiteres Highlight ist die Gruppe für Väter in Trennungssituationen, die seit Januar 2026 besteht und in Kooperation mit vier Beratungsstellen angeboten wird. Zudem gibt es einen Info- und Erlebnisabend zur Emotionsfokussierten Paartherapie (EFT), der am 5. März 2026 stattfindet.

Ausblick: Gleichstellung als Prozess der kontinuierlichen Verbesserung

Die Maßnahmen im Februar 2026 zeigen, dass Stuttgart sich aktiv für Gleichstellung und soziale Unterstützung einsetzt. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass diese Themen komplex und vielschichtig sind. Die Pilotstudie zur Bewegungsförderung, die Veranstaltungsreihe zu Care-Arbeit und die Erweiterung der psychologischen Beratungsangebote sind wichtige Schritte in die richtige Richtung.

Die Herausforderung besteht nun darin, die Ergebnisse der Studie und die Erfahrungen aus der Umsetzung in langfristige Strategien zu überführen. Stuttgart muss weiterhin auf die Partizipation, Transparenz und Nachhaltigkeit achten, um Gleichstellung nicht nur als Ziel, sondern als kontinuierlichen Prozess zu gestalten. Die Stadt hat gezeigt, dass sie bereit ist, Innovationen in die Praxis umzusetzen – und das ist ein positives Signal für die Zukunft.

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